12.05.2017, Explosiv, Graz

THULCANDRA & NAILED TO OBSCURITY & BLOODFEAST

Veröffentlicht am 16.05.2017

Die Section Control auf der A2 über den Wechsel wurde schon für viele zu einem Ärgernis.

Damit wäre das aus dem Weg geräumt.

Freitagabend, ich pflüge ernsten Blickes aus der Südweststeiermark Richtung Mordor, äh, Graz. Gute drei Stunden gepflegtem Krach galt es beizuwohnen im Explosiv, dem Epizentrum für alles rund um die verzerrte Gitarre in Graz. Das Jugend- und Kulturzentrum feiert heuer seinen 29. Geburtstag. Ich kann mich noch erinnern, wie es dereinst im Komplex des Volkshaus Graz untergebracht war, zuerst noch als Jugendzentrum der heimischen KP, dann als Club im Erdgeschoß und schon damals, noch viel kleiner und dreckiger (im positiven Sinn) als der geräumige Veranstaltungskomplex von heute, spielte alles was Rang und den dazu passenden Namen hatte im Explo auf. 

Freitagabend also, wir sind ewig zu früh vor Ort und harren der Dinge, gespannt an einem Radler nagend. Fünf nach Acht ging es dann mit dem 20-jährigen Jubiläum der weststeirischen Death/Black-Metal-Legende BLOODFEAST  los, das Explo füllte sich und wir alle waren angenehm überrascht. BLOODFEAST sind nun schon länger keine durchgehend bestehende Band mehr, Wolf spielt bei CYNIC CIRCUS, James bei REEK OF INSANITY, Nino bei IREM und Lutte hat seinen Bass schon des längeren an den metallischen Nagel gehängt. Der Auftritt heute wurde als einziger zum 20-jährigen Jubiläum auf die Beine gestellt.  Trotzdem präsentierten sich die Vier gepflegt eingespielt und souverän. Der erste Song war für alte Fans der Band etwas verwirrend, wies er doch einen schrägen Funkeinschlag auf, aber spätestens beim zweiten Lied flog das weibliche Hausrind über den Tresen. Knallhart und mit zwei exzellenten Sängern (Wolf und Lutte) ausgestattet, pflügten die Jungs einen veritablen Graben durch den Betonboden des Clubs. Der Applaus wurde nach jedem Song stärker, das einzige anwesenden Ex-Mitglied persönlich belobigt und unserem Hannes ein Lied gewidmet. Mit dem BLOODFEAST - Evergreen "Jason" trat man das Gaspedal noch einmal gscheit durch und die Anwesenden wurden in die erste Pause geschickt. #starkerAuftritt #dieOalmismeiHoamat

BLOODFEAST

Punkt 21:00 Uhr war es, die Ostfriesen (und der Emsländer) von NAILED TO OBSCURITY betraten die Bühne, und ich darf mich ohne zu zögern den Lobpreisungen meines Kollegen Pascal Staub, der das aktuelle Album "King Delusion" rezensiert hat, anschließen. Das, was auf dem fantastischen Album funktioniert, funktioniert live sogar noch ein klein wenig besser. Die kleinen Soundprobleme beim Klargesang störten den generell erhabenen Eindruck des Auftritts gar nicht. Der Fünfer vom Deich legt eine dermaßen intensive Soloperformance hin - es wurden im Auditorium sogar Familienväter beim völligen Auszucken gesehen. NAILED TO OBSCURITY zelebrieren ihre eigenständige Doom/Death-Geschichte mit Hingabe und spielerisch auf einem schwindelerregenden Niveau. Bis auf ein paar Ausreisser bewegen sich die Deutschen meist in eher gemächlichem Tempo, bauen hier aber dermaßen viele Feinheiten ein, dass anwesende Musiker auf Mundatmung umstellen. Allein das Zusammenspiel der Drums mit dem Bass ist etwas, was man in dieser Güteklasse nur selten hört. Und die hat man eben bei NAILED TO OBSCURITY. Da sitzt alles, die schwimmenden, hochmelodiösen Gitarren sorgen für Flächen, die des öfteren an alte PARADISE LOST und auch OPETH erinnern und den Vortrag mit einem Alleinstellungsmerkmal par excellence veredeln. Live kommt die Vorstellung noch um eine Ecke härter und gemeiner als auf Konserve, und vor allem die Stücke vom aktuellen Longplayer gewinnen von den herrlich verhallten Growls Raimund Ennangas. Die Begeisterung der knapp 200 Anwesenden überträgt sich auf die Band und Raimund bedankt sich immer wieder bei den Zusehern. Nach dem Abschiedsfoto trifft man sich dann noch vor dem Merchstand auf eine Plauderstunde. #bistdugelähmt #EntdeckungdesFrühlings

Das Spielchen wiederholt sich. Alle raus und pünktlich zu THULCANDRA wieder alle rein. THULCANDRA  promoten ihr nicht mehr ganz so aktuelles Album "Ascension Lost" auf dieser Tour und können mit diesem Album zwar noch nicht ganz, aber Stück für Stück ihre recht eng an DISSECTION angelehnte Musik variabler gestalten. Mit völlig ausgewechselter Mannschaft darf man mit Steffen Kummerer den wohl freundlichsten und un-evilsten Black Metal-Frontmann des Planeten erleben. Er setzt auch optisch einen Farbtupfer. Alles und Alle in schwarz karrt er eine weiße Les Paul auf die Bühne. Äußerlichkeiten. Auch optisch ist man eher als heterogen einzuordnen. Der einzig langhaarige ist der Fronter höchstselbst. An der Gitarre sieht M. Delastik eher wie ein Indierocker aus, Linus Klausenitzer wie ein Versicherungsvertreter, der nebenher in einer Progtruppe holzt und am Schlagzeug hat man einen Henker, der selbst aus weiterer Distanz Respekt abnötigt. Aber auch hier: Äußerlichkeiten. Prinzipiell kann man mit THULCANDRA nicht viel falsch machen. Wie schon eingangs erwähnt, ist man mit dem neuen Album etwas eckiger und kantiger geworden, ein bisschen musikalischer wie ich finde. Das Problem heute Abend ist der etwas gar dumpfe Sound, der möglicherweise für einige trve genug ist, es aber insgesamt schwierig macht, dem Vortrag zu folgen. So freute man sich, wenn man Bekanntes aus dem gruftigen Soundbrei erahnen konnte, insgesamt muss man aber leider sagen, dass der Soundmensch heute nicht seinen besten Tag hatte. Dem Publikum war es egal und spätestens beim rausschmeissenden Cover, "Night´s Blood", war der Mob am toben. Den Jungs von THULCANDRA kann man keinen Vorwurf machen, dass der Sound eher suboptimal war und insgesamt war der Auftritt dann doch zufriedenstellend. Bei dem Songmaterial, welches die Münchner auf ihren bisherigen drei Alben haben gibt es eben kaum einen Ausfall und das macht sich natürlich auch live bemerkbbar.  #ichhörgenaunix #isdesThornsofcrimsondeath?

Setlist THULCANDRA:

  1. Black Flags Of Hate
  2. Throne Of Will
  3. Everlasting Fire
  4. Frozen Kingdom
  5. The Second Fall
  6. Sorrow Of The One
  7. Under A Frozen Sun
  8. Deliverance In Sin And Death
  9. Spirit Of The Night
  10. Night´s Blood

Wir resümieren: Drei Bands, kein Ausfall. Mit BLOODFEAST ein Wiedersehen mit alten Freunden und ein starker Auftritt. Heimlicher Sieger des Abends waren NAILED TO OBSCURITY, und der Headliner rang zwar mit dem Klangbild, überzeugte schlußendlich aber doch.

Wie immer vielen Dank an Romeo Ried und das Explosiv-Team für die Akkreditierung und einen gelungenen Abend. Ohne euch und die viele Arbeit, die ihr in die Veranstaltungen steckt, wäre die Szene südlich der Alpen deutlich ärmer. Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen. Vielen Dank auch an meinen verlässlichen Fotografen Markus Wechtitsch für die Zurverfügungstellung der Bilder!


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