08.04.2017, Docks Hamburg, Hamburg

GHOST & ZOMBI – Hoher klerikaler Besuch auf St. Pauli

Text: Daria Paul | Fotos: Motte
Veröffentlicht am 14.04.2017

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Anlässlich ihrer Popestar-Tour haben Papa Emeritus und die Nameless Ghouls von GHOST es sich nicht nehmen lassen in Hamburg einzukehren, um die auf der sündigen Meile umherirrenden Schäfchen wieder auf den Pfad der Tugend zu geleiten. Als Unterstützung haben sie die beiden Synthie-Instrumentalisten ZOMBI aus Pennsylvania mitgebracht. So interessant und einfallsreich die sphärischen Klangkompositionen auch sind, an diesem Abend und vor diesem Publikum konnten ZOMBI keine Begeisterungsstürme auslösen. Auf der Bühne passierte nicht viel und die im Hintergrund herumstehenden, von Planen abgedeckten Elemente, erzeugten zusammen mit der sterilen und minimalistischen Beleuchtung das Gefühl, einem ausgedehnten Soundcheck beizuwohnen.

Wenn dies die Einleitung eines Festaktes sein sollte, dann die des Grand-Prix der Fahrstuhlmusik – eine Bezeichnung, die ich mehrmals von verschiedenen Mit-Zuschauern aufgeschnappt habe. Zugegeben, einer Fahrstuhlmusik mit ordentlich Bass, denn eines muss man den beiden (oder dem Tontechniker) lassen: die Tieftöne wummerten derart durch die Halle, dass nicht nur das gesamte Gemäuer, sondern auch alle flexiblen Membranen im und am Konzertbesucher dröhnten. So kam es, auf etwas ungewöhnliche Weise, doch noch dazu, dass ZOMBI etwas in den Zuschauern bewegten – sei es auch nur die Frisur.

Zu erklären ist diese, auch genremäßig eher unpassende, Auswahl vermutlich damit, dass GHOST den maximalen musikalischen und auch optischen Kontrast zu ihrer eigenen, opulenten Show sicherstellen wollten. Infraschall erzeugt außerdem Ehrfurcht – ein Prinzip, dass sich hervorragend bei einem Orgelkonzert in einer Kirche erfahren lässt. Vielleicht also doch gar nicht so unpassend, diese Performance. Trotzdem ist es schon bedenklich, wenn erst die zur Umbaupause einsetztende, leise dahindudelnde Chartmusik, plötzlich zu gelöster Stimmung und fröhlichen Gesängen im Publikum führt.

Bei GHOST sah die Sache, wie zu erwarten, völlig anders aus - denn um sie zu sehen, hatte sich die Gemeinde schließlich versammelt. Beim sakralen Intro in der abgedunkelten Halle konnte man die gespannte Vorfreude bereits greifen und als die Nameless Ghouls dann endlich mit "Square Hammer" loslegten, tat es auch das bis zum Eingang gestapelte Publikum im lange im Vorfeld ausverkauften Docks. Etwas eng gequetscht aber trotzdem guter Laune, wurden dann die altbekannten Songs wie "From The Pinnacle To The Pit", "He Is", "Cirice" und "Mummy Dust" abgefeiert und mitgesungen als ob es die letzte Gelegenheit zum Feiern wäre.

Bei manch weiblichem Wesen in den ersten Reihen war bei jeder Regung und jedem deutschen Wort in der Ansprache des Papa Emeritus gar so etwas wie religiöse Entrückung zu erkennen. Bei einigen äußerte sich das sogar in boybandtauglichem Kreischalarm – und das obwohl der Mann maximal konservative Schuhe trug, die keinerlei Spielraum für Hoffnung offen ließen. Als die Gemeinde nach einer Zugabe ("Monstrance Clock") wieder auf die nächtlichen Straßen Hamburgs gespült wurde, war sie weniger geläutert als betrunken – die Herzen immer noch genauso verdorben wie zuvor.


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