04-03-2017, Livestage, Innsbruck

Alpine Steel Festival III - Tag 2

Veröffentlicht am 11.03.2017

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Nach einem, vor allem für die Nackenmuskeln strapaziösen ersten Festivaltag fand man sich am zweiten Tag des Alpine Steel Festivals kurz nach Mittag wieder in der Livestage ein, um mit einer erklecklichen Menge an Gleichgesinnten knietief in Kult und schwermetallischen Riffs zu waten. Der für diesen Tag angekündigte Sturm erwies sich als recht schwachbrüstige Sache, die lediglich mit ein paar vereinzelten Böen das Backstage-Zelt gegenüber der Location einige Male zum Wackeln bringen konnte – worüber aber niemand so ganz unglücklich war. Der wahre Sturm fand nämlich vielmehr in der Livestage statt, wo sich die schwermetallischen Wirbelwinde die Klinke in die Hand gaben! An diesem Tag bliebt die Stormbringer-Mistress auch nicht gänzlich alleine, wie ihr im Verlaufe des Berichts noch merken werdet...

 

Prompt hinterließ die Thrash-Abrissbirne, die MORTAL STRIKE zur frühen Stunde in die Livestage schwangen, nur verbrannte Erde. Und die Besucher, die auch amtlich die Matten schwangen, ließen sich pflichtschuldig in den Strudel aus böllernden Riffs reißen. Ein tight gezockter Nackenbrecher reihte sich an den nächsten, an der Schießbude ratterte das Maschinengewehr und die Ketten des Fünfers mit dem Panzer im Bandlogo walzten gnadenlos über die Anwesenden hinweg [...da sind mal Panzer da und wo ist unser Laichster?! Anm. d.Korr.]. Feinste Klänge zum gepflegtem Schädelabschrauben – was braucht es da noch an Alibi-Innovationen, wenn der klassische Thrash-Arschtritt sowas von punktgenau sitzt! Was für ein Auftakt, und eine verdammt starke Vorlage für alle noch kommenden Bands des Tages!

Setlist: (Ohne Gewähr!)

  • Strike
  • Unleash The Hounds Of War
  • Against The Wall
  • Outburst Of Fury
  • One Against All
  • MG 42
  • Here Comes The Tank
  • For The Loud And The Aggressive
  • Raining Blood

 

Mit der nächsten Band des Tages folgt die, wie schon vom Vortag bekannte und erwartete, Stilwende: MATHAN stießen mit dem Publikum, das gerade noch damit beschäftigt war, seine reichlich mitgenommenen Nackenwirbel zu sortieren, in doomige Gefilde vor. Durch den quasi nahtlosen Übergang vom Soundcheck in den Auftritt zeigten sich die Besucher ein wenig verwirrt und wurden in der Folge mit grundelnden, monotonen Riffs konfrontiert die eine kleine Schlagseite in Richtung BLACK SABBATH aufwiesen. Die einzige Schwäche im durchwegs starken und ordentlich fett abgemischtem Soundgerüst von MATHAN war leider die Stimme – trotzdem der Sänger die Darbietung intensiv zelebrierte, beinahe durchlitt, agierte er durchwegs in einer äußerst disharmonisch wirkenden Tonlage, die wohl leider nicht den Geschmacksnerv der Besucher der Livestage traf. Auch die Position direkt nach den Panzergeschützen von MORTAL STRIKE war für MATHAN denkbar undankbar, sodass ihr stimmiges, doomiges Liedgut unter Wert geschlagen blieb.

 

Der Härtegrad stieg mit VEIL OF DECEPTION zwar nicht so hoch an, aber dennoch kredenzten die Wiener gleich wieder etwas flottere Heavy-Metal-Kost mit dezenten Thrash-Anleihen. Am härtesten präsentierte sich der Sänger, der sich augenscheinlich nicht einmal von einer Verletzung davon abbringen ließ am Alpine Steel Festival aufzutreten – den Arm in der Schlinge tragend, schmälerte das aber zu keiner Zeit die gesangliche Leistung! Dennoch erwies sich das Publikum noch etwas unschlüssig, was aber vermutlich an der noch frühen Tageszeit [...immer noch?! Anm.d.Korr.] und dem Vorsatz etwas Kräfte zu sparen, lag. Mit ihrem klassischen, deftigen Schwermetall-Brett konnten VEIL OF DECEPTION aber einige Aufmerksamkeit auf sich ziehen und kräftigen Applaus einheimsen – eine starke Vorstellung!

Setlist: (Ohne Gewähr!)

  • Stench Of Fear
  • The Entity
  • Crooked Lines
  • Personal Holy Grail
  • Shadows On The Wall
  • Summers Dying
  • Missing Heartbeats
  • Earsplitting Silence

 

Der nächste Beitrag zum bunten Strauß Musik stammte vom Metal-Urgestein SARCASM SYNDROME, die mit ihrem Auftritt am Alpine Steel Festival aus einer, wie Organisator Tschak ankündigte, „ungefähr 20-jährigen“ Kreativpause zurückkehrten. Entsprechend war auch das Publikum vollzählig anwesend um den Kult zu befeuern und die Truppe bei ihrer Rückkehr amtlich zu unterstützen. Feinster Melodic Metal, getragen von einer starken Damenstimme hob die Stimung und ließ den Zeiger am Metal-Barometer, passend zum späteren Headliner, wieder in den sanfteren Bereich ausschlagen. Ein rundes Set aus sehr alten Songs aus den 90ern, aber auch Material etwas neueren Datums, sorgte für Begeisterungsstürme in der Livestage und konnte SARCASM SYNDROME den bisher lautesten und anhaltendsten Applaus der Zuschauer sichern – inklusive obligaten Zugabe-Rufen. Plansoll mit absolutem Bravour erfüllt!

Setlist: (Ohne Gewähr!)

  • Walpurgisnacht
  • Doomed
  • Downfall
  • Through The Night
  • Cthullu Is Rising
  • Contrasts
  • Strange Machines

 

Da war doch was, von wegen stilistischer Abwechslung, nicht wahr? Das Ruder rissen nun RAVENOUS herum, die mit vier Leuten und wunderbar räudigem Krawall wieder die härtere Fraktion bedienten. Denn, was kann bei rollenden Thrash-Klängen schon verkehrt sein? Gar nix, dachte sich die Meute vor der Bühne, schmiss die Haarpropeller an und feierte die nächste musikalische Abrissbirne des Tages. Der Death im Thrash war zwar nicht so ganz präsent, doch das störte eigentlich niemanden. Wie für fast alle Bands gab es auch für die Rumpel-Combo RAVENOUS ein gepflegtes Schnäpschen auf der Bühne und im Abgang noch einmal ordentlichen Krawall – was will man mehr? Tod! Zerstörung! Rumpelpumpel! [...fort ist der Kumpel! d.Korr.]

Setlist: (Ohne Gewähr!)

  • Covetous Souls
  • Extreme Corruption
  • H.O.G.
  • Excalibur
  • Welcome Terrible
  • Dying Without Sense
  • Buried Alive
  • Brutalistic Terror

 

Und da wären wir schon wieder beim musikalischen Kontrastprogramm, mit SECOND RELATION aus Vorarlberg, die nicht nur eine Keyboardburg aufbauten sondern auch gleich ihren eigenen Mischer mitbrachten. Warum, das war spätestens zu ersehen, als der Fünfer mit beinahe unter die Achselhöhle geschnallten Instrumenten einen kurzen, professionellen Linecheck hinlegte und sodann fast fließend in den Gig überging. Schwere, progressive Klänge zogen das Publikum in ihren Bann und Hammond-Klänge waberten durch die Livestage, als die durchwegs noch recht jung wirkenden Vorarlberger ein Statement der instrumentalen Perfektion abgaben. Einigen Besuchern schienen die ausufernden, komplexen Songs wohl ein wenig zu verkopft und zu wenig zugänglich zu sein, dafür ließ sich der inzwischen ziemlich zahlreiche Rest von SECOND RELATION in wunderbare Klangwelten entführen, die von einer angenehmen Singstimme perfekt unterstützt wurden. Da wanderten so einige Kinnladen, die der Stormbringer-Fraktion eingeschlossen, gen Hallenboden – das war richtig, richtig stark!

 

Das Backdrop und RollUps kündeten vom akustischen Flächenbrand, den der heutige Co-Headliner DARKFALL entfachen sollte. Und die Steirer ließen von der ersten Minute an nichts anbrennen und knallten den Zuschauern eine dynamische und energiegeladene Death-Packung um die Ohren. Wo sich kurz zuvor noch der progressive Feingeist an den Vorarlberger Hopefuls SECOND RELATION delektieren konnte, fuhren DARKFALL Brachialität und Wucht auf. Dank der Routine, welche man den Akteuren in jeder Spielminute anmerkte, gelang es sogar, dem eindrucksvollen Gig des Openers des heutigen Tages, MORTAL STRIKE, etwas entgegenzusetzen. Auch wenn der Sound recht ballernd-basslastig war und man den mehrmaligen Hinweisen zufolge auch onstage ein wenig mit dem Sound zu kämpfen hatte, schlug man sich routiniert und professionell und punktete mit fettem Gitarrenbrett und treibendem, thrashigen Death Metal. Die weite Anreise aus der Steiermark hatte sich heute gelohnt und wenn es nach Sänger Spiwi geht, sollte es nicht wieder so ewig lange bis zum nächsten Gig in der Tiroler Bergwelt dauern. [Thomas Patsch]

Setlist: (Ohne Gewähr!)

  • Phoenix
  • Echoes
  • Fading Away
  • Never Ending Hate
  • The Gods Await
  • Your God Is Dead
  • Rise To Dominate
  • War Has Come
  • Misery Of Peace
  • Ride Through The Sky
  • Peacemaker

 

Die folgende, erneute stilistische 180°-Wendung freute vor allem die zahlreich anwesenden SERENITY-Fans, die bereits im Verlaufe der Auftritte der letzten beiden Bands dazu tendierten sich ungeschlechtlich zu vermehren. Zum Glück für die anwesenden holden Damen, war nun die Beschallung mit solch schlimmem Krawall wie RAVENOUS oder gar DARKFALL vorüber (Mal im Ernst Mädels – auch wenn ihr nicht auf jungfrauenabschlachtende Klänge steht, ist nicht automatisch jede Band, die nicht dem persönlichen Geschmack entspricht, eine „Scheißband“...), statt des Testosterons hob sich nun der Östrogen-Spiegel und der finale Zuckerguss des Festivals konnte sich endlich über die Alpine-Steel-Besucher ergießen.

Zwar mussten SERENITY aufgrund kleinerer technischer Probleme etwas verspätet anfangen, doch das tat der Stimmung auf der Bühne und im Publikum keinen Abbruch. Fronter Georg erwies sich wieder einmal als perfekter Entertainer, der auf jeden Zwischenruf eine Antwort hatte und dem die Zuschauer nur zu gerne aus der Hand fraßen. Und SERENITY konnten hier in der Heimat auch voll auf die Unterstützung der Leute bauen – lauter Jubel und tolle Stimmung für die Vollbedienung symphonischen Metalls von hoher Güteklasse waren der wohlverdiente Lohn. Nebst Sängerin Tasha, die Georg bei einigen Titeln, wie etwa „Iniquity“, unterstützte, erklomm zum Klassiker „Reduced To Nothingness“ auch Ex-Keyboarder Mario Hirzinger die Bühne, zwecks Duett-Gesangsperformance mit seinen früheren Bandkumpels. Ja, was soll man da noch sagen – Spiel, Satz, Sieg SERENITY! Ein würdiger Abschluss eines wieder einmal großartigen Festivals.

Setlist: (Ohne Gewähr!)

  • Follow Me
  • Sprouts Of Terror
  • Royal Pain
  • Iniquity
  • Perfect Woman
  • Rust Of Coming Ages
  • Heavenly Mission
  • Spirit In The Flesh
  • Reduced To Nothingness
  • Legacy Of Tudors
  • Serenade Of Flames
  • Caught In A Myth
  • Velatum

So ging die dritte Auflage des Alpine Steel Festivals mit einem melodischen Highlight zu Ende. Im Billing des Festivals war, wie schon bei den vorherigen Ausgaben, wirklich für jeden Geschmack etwas dabei und die bunte musikalische Durchmischung sorgte dabei für hohen Unterhaltungsfaktor. Auch für das leibliche Wohl der Besucher war wieder einmal rundum gesorgt – ein Lob an dieser Stelle noch einmal für den tollen Caterer, der sowohl die Besucher verwöhnte, als auch den Nachschub im Backstagezelt niemals abreißen ließ. Chapeau Cle, Tschak und Konsorten – bei euch kann man sich wirklich wohlfühlen!

Im Oktober steht dann übrigens bereits die nächste Veranstaltung von Alpine Steel auf dem Plan – Mountains Of Madness!


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