28.10.2016, Turbinenhalle, Oberhausen

AMON AMARTH & TESTAMENT & GRAND MAGUS

Veröffentlicht am 03.11.2016

Ausverkauft! Na, wen wundert es? Wenn sich drei Hochkaräter in Sachen Metal an einem einzigen Abend in der selben Location treffen, um diese in ihren Grundfesten zu erschüttern und nichts anderes übrig zu lassen als ein verbranntes Stückchen Erde, dann muss doch jeder gemeine Metal-Fan, der etwas auf sich hält, diesem Ruf folgen. So geschehen am Freitag, als GRAND MAGUS, TESTAMENT und AMON AMARTH ihre Kräfte in der Turbinenhalle Oberhausen vereinten. Für dieses Aufgebot war die Halle wohl zu klein und platzte sprichwörtlich aus allen Nähten. 

Dieser Umstand mochte es wohl auch gewesen sein, der die Anfahrt und Parkplatzsituation zu einem schwer lösbaren Problem machte. Trauriges Fazit davon: GRAND MAGUS bretterten ihr Set gnadenlos herunter – aber leider ohne mich. (Glücklicherweise hatte ich die Möglichkeit, dies am folgenden Tag in Hamburg nachholen zu können und kann sagen, dass GRAND MAGUS in feinster metallischer Manier würdige Opener waren – wenn sie nicht auch das Pech gehabt hätten, vor zwei so derartig schwer erwarteten Mega-Krachern spielen zu müssen. Doch mehr darüber könnt ihr im Bericht über den Vernichtungsschlag in Hamburg lesen). 

Pünktlich zur Umbaupause hatte ich schließlich endlich Einlass und Security hinter mir gelassen, plünderte noch in aller Eile den TESTAMENTarischen Merch-Stand, um mich dann mit passendem Shirt in die Meute zu drängen. Und da droschen die Bay-Area-Thrasher auch schon im rhythmischen Intro auf ihre Instrumente, ehe sie direkt mit „Brotherhood of the Snake“ in die Vollen gingen. Das überragende Bühnenbild der stechenden Schlangenaugen, die einen permanent anstierten, machte keinen Hehl daraus: Mitfeiern oder der Alien-King kommt dich holen! Als ob das ein Problem gewesen wäre. Die Stimmgewalt und Spielfreude der altgedienten Thrasher übertrug sich schon mit dem ersten Schlag, doch spätestens bei der Brachial-Hymne „Rise up“ war selbst der größte Kritiker besiegt. Die Verschwörung hatte um sich geschlagen, sodass nun Zeit war, den „Pale King“ einfliegen zu lassen, der, als Track des neuen Albums, hervorragend von der Meute willkommen geheißen wurde.
TESTAMENT-Stimme Chuck Billy hielt sich nicht mit langen Reden auf, ließ nicht zu, dass die kochende Halle wieder auf Normaltemperatur einfror. Eine kurze Ansage hier, ein kurzer Kommentar da, dann wurde mit „The Preacher“ und „The New Order“ gleich weitergeheizt. Auch wenn die Nackenmuskulatur schon brannte, TESTAMENT waren in Höchstform, stimmlich wie instrumental ging es schneller, härter, lauter zur Sache. „Dark Roots of Earth“ bot auch nur minimale Erleichterung, hier wurden mächtig die Fäuste gen Decke gestoßen, ehe mit „Stronghold“ der dritte Song von der neuen Scheibe unters Volk geworfen wurde. Der Rest war nur noch Formsache. TESTAMENT ohne „Into the Pit“ und „Over the Wall“ war nicht vollständig und so erklangen diese Thrash-Vernichtungsschläge, trieben das Letzte aus den Feiernden, bis mit „Formation of Damnation“ ein Mörder-Set abgeschlossen wurde. Nachdem die letzten Klänge verstummten, ein hektisches Aufatmen in der Halle zu vernehmen war und eine Völkerwanderung in Richtung der (etwas ungünstig gelegenen) Bier-Bar losbrach, stellte sich nur noch eine Frage: Wie sollte man nach solcher Eigen-Vernichtung nun noch eine weitere Band überleben?

Setlist: (ohne Gewähr)

  • Brotherhoof Of The Snake​
  • Rise Up
  • The Pale King
  • The Preacher
  • The New Order
  • Dark Roots Of Earth
  • Stronghold
  • Into The Pit
  • Over The Wall
  • The Formation Of Damnation


Diese Gedanken waren allerdings alsbald verraucht und der Hunger auf mehr groß. AMON AMARTH sind erfahrungsgemäß ein starker Live-Act und als sich ein Wikinger-lastiges Bühnenbild aufbaute, stieg die Vorfreude. (Aber Moment, Wikinger hatten doch gar keine Hörner an ihren Helmen … nur an ihren Gürteln. Sollten sich unsere Vorzeige-Nordmänner da eines Klischees bedient haben?) Doch alles vollkommen egal, denn dann erklangen die ersten stimmungsvollen Töne, die uns auf den Raubzug vorbereiten sollten, ehe mit „The Pursuit of Vikings“ alles gesagt war. Der Eroberungszug der Schweden hatte schon jetzt erfolgreich geendet, die Halle gehörte ihnen. Songs wie „As Loke Falls“ und „First Kill“ wurden mit brachialer Härte durchgefeiert, ohne Rücksicht auf Verluste, seien es gezerrte Muskeln oder zerstörte Nacken. (Nebenbei mag ich Johan Heggs Art headzubangen. Es sieht immer aus, als könnten sich Haare und Bart nicht entscheiden, wer mehr mitpropellern soll.) Während des gesamten Sets waren AMON AMARTH in einer Asgardischen… ähm Oberhausener Nebelwand verschwunden. Dies hielt sie aber nicht davon ab, zwischendurch die Nachwuchs-Wikinger gegen die Hamburger aufzuwiegeln (Die sagen, sie schreien viel lauter als ihr) und sie auf metallische Art zu beschimpfen (Mean Motherfucker funktioniert immer, da freut sich der gemeine Metal-Fan, Männlein wie Weiblein).
Die Schweden vergaßen natürlich keineswegs auf Mitgröl-Hits wie „Deceiver of the Gods“ oder „Destroyer of the Universe“, vor welchem uns von Johan Hegg mit seiner episch versierten Stimme noch eine schöne Geschichte über Yggdrasil und Surtur erzählt wurde. Dazwischen wurde irgendwann deutsches Bier gelobt, als das beste der Welt (viel Erfahrung haben die Schweden wohl nicht mit diesem edlen Gesöff?). „Death in Fire“ wurde dann zu einer sprichwörtlichen Höllenparty, als die Pyro-Technik die Halle so richtig ins Schwitzen brachte. Oh ja, das machte Eindruck! Und verstärkte den Druck noch einmal mächtig. Vielleicht war deswegen nach dem Song die Luft ein wenig raus, das Publikum suchte sich beim anschließenden „Runes to my memory“ ein wenig Erholung. Doch AMON AMARTH wären eben nicht AMON AMARTH, wenn sie nicht wüssten, wie sie das Letzte aus der Meute herauskitzeln konnten.
Spätestens der Beginn der Zugabe mit „Raise your horns“ machte klar Schiff mit jeglicher Müdigkeit und verbannte diese in die Tiefen Utgards. (Im Vorfeld kam die Frage auf, ob man denn Trinkhörner auf das Konzert mitnehmen dürfe – DAS hätte ich gern gesehen, wie man versucht, unseren Vorzeige-Wikingern die Hörner wegzunehmen!!). „Guardians of Asgaard“ rieb dann alles noch einmal auf und bereitete auf den letzten Befreiungsschlag der Schweden vor. Dieser erfolgte mit einer gewaltige Explosion, die endgültig die Grundfesten der Halle erschütterte, als „Twilight of the Thunder God“ mit einer ordentlichen Detonation eingestimmt wurde und die mitgegrölten Refrain-Chöre von den Wänden wiederhallten. Der Raubzug endete in fast schon romantischem Feuerregen und es blieb nur noch, die Band angemessen zu feiern, während die letzten Refrains im eigenen Kopf wiederhallten. Während ein seliges Dauergrinsen die langsam aus der Halle strömenden Besucher eingenommen hatte, machte sich langsam die körperliche Erschöpfung breit und mit dieser die Bestätigung, dass mit dieser Bandkombination definitiv kein Fehler begangen worden war. Was für eine Vernichtungsparty!

Setlist: (ohne Gewähr)

  • Intro
  • The Pursuit Of Vikings
  • As Loke Falls
  • First Kill
  • The Way Of Vikings
  • At Dawn´s First Light
  • Cry Of The Black Birds
  • Deceiver Of The Gods
  • On A Sea Of Blood
  • One Thousand Burning Arrows
  • Destroyer Of The Universe
  • Death In Fire
  • Father Of The Wolves
  • Runes To My Memory
  • War Of The Gods
  • Raise Your Horns
  • Guardians Of Asgaard
  • Twilight Of The Thunder God

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