13.8.2016, Kasemattenbühne, GRAZ

Metal On The Hill Festival 2016 Tag 2

Text: Lady Cat, Kalti | Fotos: Lady Cat, Kalti
Veröffentlicht am 19.08.2016

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Zum ersten Mal gab es heuer das METAL ON THE HILL in Graz. Tag 1 fand im „Dom im Berg“ statt, Tag 2 auf dem Schlossberg in den Kasematten – einem tollen alten Gemäuer aus roten Ziegeln, mit gemauerten Logen und Blick auf den freien Himmel, und doch der Möglichkeit einer Überdachung bei Schlechtwetter. Dazu kam es aber gottseidank nicht, weil der Wettergott sehr gnädig mit uns war und das perfekte Festival-Wetter schickte: Kein Regen, nicht zu heiß und nicht zu kalt. So etwas würde ich mir öfter wünschen.

Schlossberg: Wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen Berg. Einen kleinen Berg. Einen Hügel. So gesehen ist das ja fast peinlich, aber ich war echt faul an diesem Nachmittag und begann den Konzert-Tag mit einer Liftfahrt den Berg hinauf. Dann ein gemütlicher Spaziergang zum Eingang und ca. um 14:15 war ich in den Kasematten und blickte in die Runde: Da war noch nicht viel los um diese Uhrzeit. Das Venue bietet Platz für ca. 2000 Personen (meine Schätzung). Um diese frühe Nachmittagsstunde waren aber vielleicht erst 200 Metal-Fans anwesend.

Insofern war der Start von DARKFALL um 14:30 an ein mageres Publikum gerichtet. Die Thrash/Death Metal Band aus Graz warf sich nichtsdestotrotz voll ins Zeug und spielte 20 Minuten voller Intensität. Sänger Thomas Spiwak warf sich in Metaller-Growl-Pose und er und die Band beschallten die einheimischen Fans mit einigen ihrer Lieblingssongs. Diese gutierten den Einsatz mit Begeisterungsrufen und ließen so bereits in den ersten 20 Minuten Stimmung aufkommen.

Nach einem kurzen Umbau kamen um 15:10 Uhr AND THEN SHE CAME auf die Bühne. Eigentlich ein Name, der wohl nur wenigen Eingeweihten bekannt war. Aber schon während des ersten Songs war klar, dass dies keine Anfängerband war, sondern dass hier Profis auf der Bühne standen. Vor allem Sängerin Ji-In ist ein Energiebündel, das es versteht, das Publikum anzufeuern und aufzustacheln. Egal, ob sie von einem Lautsprecher zum anderen hüpft oder hinten steht und am Keyboard in die Tasten klopft, sie gewinnt sofort zahlreiche neue Fans.

Man hörte dies ganz eindeutig: schon ab Song zwei wurde die Band angefeuert und die ebenfalls 20 Minuten Spielzeit erschienen einem im Endeffekt viel zu kurz.

Songs wie „Public Enemy #1“ oder „Hellfire Halo“ kamen gut an und ich bin mir sicher, dass so mancher überlegte, wer denn nun wirklich diese Band war und woher sie stammen. Ich kann das aufklären: AND THEN SHE CAME sind neu unter diesem Namen, aber keine Unbekannten. Seit mehreren Jahren sind sie als die deutsche Symphonic / Gothic-Band KRYPTERIA unterwegs. Ihr Stilwechsel Richtung Modern Metal bzw. Alternative hat sie aber dazu bewegt, den Bandnamen zu wechseln, um keine Verwirrung zu stiften.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass man in Zukunft noch mehr von ihnen hören wird.
 

15:50 – MANTAR entern die Bühne (Bericht von Kollege Kalti)
Im Moment dürfte es "in" sein, zu zweit eine Band zu gründen, wachsen diese sowohl im Pop- (durch TWENTY ONE PILOTS vertreten) als auch im Stoner-Bereich (FILTHY LUCRE oder WHITE MILES) wie die Schwammerln aus dem Boden. Zugegebenermaßen hat es definitiv etwas, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die geballte Kraft von Gitarre und Schlagzeug zu einem bösen Brei zu vermengen. Dem angeschlossen hat sich auch das Hamburger Duo MANTAR.

Der Stilbezeichnung Doom-Metal / Punk kann getrost noch eine Prise schwarzer Pfeffer hinzugefügt werden. Gitarrist und Sänger Hanno Klänhardt, spindeldürr und wie in Trance mit Gitarre ein paar Meter entfernt von seinem Kompagnon und Schlagzeuger Erinc Sakarya stehend, kniend oder liegend, bewirft jenen das ganze Set lang mit Worten durch das Mikro. Schön dreckig, einfach und doch so großartig. Sakarya hat dabei immer einen bösen Blick aufgesetzt, das Publikum wird fast zur Gänze ignoriert - „Era Borealis – Death – über alles“. 

So fantastisch es für meine Wenigkeit auch war – für solch einen Festivalgig ist das Ganze eher unpassend. Wer will schon dreckige Musik bei wunderschönem Sonnenschein genießen. Auch die Band selbst meinte am nächsten Tag (über Facebook), dass sie sich nun wieder auf die nächsten Clubshows freuen würden. Wie viel dabei wirklich ernst zu nehmen ist, sei dahingestellt – man muss ja auch das böse Image hoch halten. [Kalti]
 

Um 16:50 dann eine von Cats Lieblingsbands: MOONSPELL
Die Portugiesen rund um Ober-Werwolf und Maestro Fernando Ribeiro verstanden es, sich trotz der frühen Stunde mit ihrem düsteren Songmaterial in Szene zu setzen. Pedro macht mit Keyboard, Scharm und Melone auf sich aufmerksam, Bassist Pereira bedenkt uns durch seine Lockenpracht mit stechendem Blick und Monsieur Ribeiro wechselt von Selbstinszenierung (welche Krallenhaltung der Hände sieht nun am besten aus?) zu Modeschau (langer Mantel, kein Mantel, Gilet, doch wieder Mantel) und retour.
Als Fotograf muss ich natürlich gestehen, dass für mich der portugiesische Frontman ein richtig gutes Fresschen ist, weil er wirklich immer was hergibt und sich auf Fotos optimal präsentiert. Pereira steht ihm aber fast um nichts nach und zieht seine eigene Show ab. Egal ob er links hinten oder ganz vorn auf einem Lautsprecher thronend die Saiten zupft, zahlreicher Fan-Jubel ist ihm sicher.

Gestartet wurde natürlich mit einem der großen Hits ("La Baphomette"), gefolgt von Inhalten der neuen Alben ("Breathe" und "Extinct"), und zwischendurch wurde einiges vom 1995er Debut-Album "Wolfheart" eingestreut. Insgesamt ein Programm, das sich durch zwei Jahrzente spielt und die Lust, den Ehrgeiz und die Erfahrung der Band wiederspiegelt.

Mit einem fulminanten "Full Moon Madness" verabschiedet man sich nach viel zu kurzer Zeit und hinterlässt eine anfeuernde, tosende und applaudierende Masse, die inzwischen auf locker über 1000 Besucher angewachsen ist.

Setlist MOONSPELL (ohne Gewähr):

  1. La Baphomette
  2. Breathe (Until We Are No More)
  3. Extinct
  4. Night Eternal
  5. Opium
  6. Awake!
  7. Vampiria
  8. Alma Mater
  9. Full Moon Madness
     

18:05 – LACUNA COIL (Bericht von Kollege Kalti)
Energiegeladen wie eh und je preschten die Italiener LACUNA COIL auf die Bühne. Frontfrau und Rampensau (das hab ich gestern auch schon verwendet) Cristina Scabbia zeigte sich von ihrer besten und wohl auch weiblichsten Seite und zog vor allem die männlichen Blicke auf sich. Obwohl die Musik an sich doch etwas düster wirken sollte, merkte man ihnen an, dass sie sichtlich Spaß an der Sache hatten. Öfter als einmal kam man den Fans näher – Scabbia sprang sogar wagemutig ins Publikum oder verausgabte sich auf den Boxen im Photopit. 

Musikalisch wurde dem Auditorium von alten Scheiben wie „Heaven's A Lie“ bis zu „Delirium“ vom aktuellen Werk alles geboten. Das DEPECHE MODE-Cover “Enjoy The Silence“ wurde, Gott sei Dank, weggelassen. Ein gelungener, unterhaltsamer Festival-Auftritt.

Setlist LACUNA COIL (ohne Gewähr):

  1. Nothing Stands in Our Way
  2. Die & Rise
  3. Spellbound
  4. The House of Shame
  5. Heaven's a Lie
  6. Ghost in the Mist
  7. Delirium
  8. Trip the Darkness
  9. Zombies
  10. Our Truth
     

19:20 – SATYRICON  (Bericht von Kollege Kalti)
Zwanzig Jahre ist es alt und so richtungsweisend wie kaum ein anderes Album in der Szene. Die Rede ist natürlich von “Nemesis Divina“, dem Rundling, der eine Trendwende im Black Metal einläutete und sich von MAYEM, BURZUM und dem restlichen “True Norwegian Black Metal“ emanzipierte (hier gibt es das Re-issue zum Re-release). Genau dieses Album wurde heute am Metal On The Hill Festival von vorne bis hinten zelebriert. Heute am 13.8.2016, zehn Jahre nach dem Freitod Jon Nödtveidts, der mit seinen DISSECTION ebenso prägend war für den Black Metal der frühen 90er wie SATYRICON. Ob es Zufall war, oder satanische Bestimmung, dass diese zwei historischen Ereignisse auf einen Tag zusammenfallen, werden wir wahrscheinlich nie erfahren. Die reine Vorstellung lässt aber die Gänsehaut aufsteigen und Schweiß das verkehrte Kreuz hinunterlaufen.

“This Is Armageddon“ und der Spaß kann beginnen. Die seit 1994 aus Frost und Satyr bestehenden Norweger haben sich zur Unterstützung drei Livemusiker und einen Mann fürs Knöpfchendrücken am Macbook mitgenommen. Mit einem fetten Intro und “The Dawn Of A New Age“ beginnt “Nemesis Divina“, live sowie auf der Platte. Einer nach dem anderen werden Song für Song heruntergeballert. Die Spannung im Publikum ist direkt fühlbar. Satyr lässt sich des öfteren zu mehr oder weniger langen Reden verleiten, denen das Auditorium zumeist applaudierend zustimmt – fast ein bisschen zu viel Geplapper für einen Black Metal-Auftritt. Endlich gibt es “Mother North“-Gänsehaut pur – auch hervorgerufen durch die geniale Location der Kasematten. Endlich kommt die Finsternis über Graz und der Song fühlt sich richtig in die Stimmung ein und wird mit der Dunkelheit eins. Mit “Black Crow On A Tombstone“ und “Fuel Of Hatred“ gibt es dann noch zwei Klassiker von früheren Alben bevor das Set mit dem grandiosen “K.I.N.G“ beendet wird. 

Definitiv das Highlight des Abends. ARCH ENEMY kann da nur Zugabe sein. [Kalti]

Setlist SATYRICON (ohne Gewähr):

  1. Intro
  2. The Dawn of a New Age
  3. Forhekset
  4. Du Som Hater Gud
  5. Transcendental Requiem Of Slaves
  6. Immortality Passion
  7. Nemesis Divina
  8. Mother North
  9. Black Crow on a Tombstone
  10. Fuel for Hatred
  11. K.I.N.G.

Nun weiter mit den Erkentnissen des Stormbringerischen Stubentigers rund ums Festival:
Bevor ich zum Headliner bzw. dem Ende komme muss einmal angemerkt werden, dass trotz vollem Haus (ca. 1700 Besucher) alles recht reibungslos ablief. Die Besucher waren fast alle gesittet und das Security-Personal überall vorhanden bzw. nicht zu großen Einsätzen gezwungen, da sich die Fans wirklich zu benehmen wussten. Okay, natürlich kann es schon mal vorkommen, dass man einen zu eindringlichen Fan bei ARCH ENEMY von der Bühne klauben muss, aber ansonsten gab es keine gröberen Troubles.
Hier daher auch mal ein Dank an alle, die das Festival ermöglicht haben – diese Leute (wie Security, Verkäufer, Techniker oder die obligatorische "Klofrau") vergißt man leider viel zu oft.

Die paar Anfangsschwierigkeiten, die bei einem neuen Festival zwangsweise auftreten, hielten sich in Graz in Grenzen (z.B. zu wenig Toiletten für die Herren oder Getränkestand zu nahe beim Eingang bzw. gar kein Verkaufsstand für Speisen im Gelände – außer ich war blind?). Ich bin mir sicher, dass dies 2017 ausgebessert sein wird.

Eine Kleinigkeit muss ich jedoch anbringen – diese hat mich nämlich persönlich betroffen. Wahrscheinlich wäre meine richtige Adresse die Grazer Stadtverwaltung: Als ich nach dem Konzert die Treppen unter dem Uhrturm hinuntergestiegen bin, um zur Straßenbahn zu kommen, war ca. die Hälfte der Strecke nicht beleuchtet. Da nüchtern, war dies für mich natürlich bewältigbar. Ich kann mir aber vorstellen, dass es für Personen, die nicht mehr 100%ig im Besitz ihres Gleichgewichtssinnes sind, nicht so optimal ist, in einem Wechsel von Schrägen und Treppen einen Berg hinunterzustolpern. (Gsogt ghobt - des is Bayrisch - gell)

Ja, gut, endlich... der Hauptact des Abends, die heiß erwarteten ARCH ENEMY.  Naja – zumindest für viele der Hauptact, für andere waren vielleicht SATYRICON oder MOONSPELL der Grund, die kühle Gruft zu verlassen, den Berg zu erklimmen und sich bei Sonnenschein dunkle Töne reinzuziehen. Die Mannen um das grölende Energiebündel Alyssa White-Gluz brachten ab 20:50 die anwesenden Fans trotz abendlicher Kühle endgültig zum Kochen. Sobald die Band und natürlich vor allem Alyssa in ihrem stylisch-löchrigen Science-Fiction-Ganzkörperanzug auf die Bühne stürmten, ging in den ersten Reihen hinter dem Fotopit die Post ab. Gelegentlich war ich mir nicht mehr sicher, ob nun vor mir (Bühne) oder hinter mir (Publikum) mehr gegrölt und geschrien wurde. Die Lautstärke war hammermäßig und teilweise verschwamm die Beschallung von hinten und vorne zu einer einheitlichen Welle – einer der Momente, wo ich froh war, nach drei Songs von da vorne verschwinden zu dürfen und mir das Geschehen auf der Bühne von weiter hinten ansehen zu können.

Und siehe da, auf Höhe des Mischpultes hatte der Auftritt von ARCH ENEMY gleich eine andere Soundqualität und ich konnte Einzelheiten wahrnehmen, wie den Titeltrack "War Eternal" vom letzten Album oder "Ravenous" von Wages of Sin.
Mit Nebel und Licht wurde nicht gegeizt und so tauchte man ein in ein außerirdisches Spektakel, das eher fröhlich bunt als Death-Metal-mäßig wirkte.

ARCH ENEMY spielten sich durch mehrere Alben durch und brachten auch alte Songs im Set unter. Die Fans gutierten dies mit passendem Gegröle auf Alyssas Anfeuerungsrufe, die mal links, mal rechts los gingen. Das waren Szenen, wo man sich nicht erwehren kann, das Mädel auf der Bühne als die neue Rattenfängerin von Hameln zu sehen. Die Jungs in den ersten Reihen hätten wohl alles für sie gemacht, nicht nur zu ihrem Einsatz gegrölt, aber über die Details denke ich hier nicht näher nach.

Endlich war auch mal ein Set länger und die Schwedischen Todesmetaller konnten 20 Songs zum Besten geben. Sogar Zugaben gab es bei ihnen: bei"Snowbound" und "Nemesis" von zwei älteren Alben wurde nochmal Gas gegeben und die Zuseher dann mit "Fields" und einem Outro in die warme Grazer Nacht geschickt.

Setlist ARCH ENEMY (ohne Gewähr)

  1. Khaos Overture
  2. Yesterday
  3. Burning Angel
  4. War Eternal
  5. Ravenous
  6. Stolen Life
  7. My Apocalypse
  8. You Will Know My Name
  9. Bloodstained Cross
  10. Under Black Flags
  11. As The Pages Burn
  12. Dead Eyes See No Future
  13. Avalanche
  14. No Gods No Masters
  15. Dead Bury Their Dead
  16. We Will Rise
  17. Blood On Your Hands
  18. Snowbound
  19. Nemesis
  20. Fields / Outro


Resümee: Perfektes Wetter, ein mit 1700 Fans volles Haus und hochmotivierte Top-Acts haben Metal On The Hill schon mit der Erstauflage fest auf der internationalen Festival-Landkarte verankert. Der Termin für Metal On The Hill 2017 steht bereits fest – es wird wieder das zweite August-Wochenende werden. See you there!


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