16.6. - 19.6. 2016, Dessel,

Graspop Metal Meeting Tag 2 - Freitag

Veröffentlicht am 06.07.2016

Nie wieder ein großes Festival. Sprach es und fuhr auf das Graspop Metal Meeting. Sind ja nur 155.000 Leute. Nun, manchmal muss man eben bestimmte Prinzipien sprichwörtlich in die Erde stampfen. Oder in den Matsch. Denn wenn das Graspop dieses Jahr eines war, dann sehr feucht. Aber das wird der werte Leser sicherlich noch mitbekommen. Außerdem scheint Regen und Matsch 2016 zum guten Ton eines Festivals zu gehören. 

Der Freitag als Festivaltag sollte ein kurzer werden, denn bis zum Mittag war noch Arbeit angesagt. Schnell festivaltauglich machen, dann ging es endlich los. Was an Zeit gut gemacht wurde durch freie Autobahnen, ging dann durch die Parkplatzsituation in Dessel wieder verloren. Und wer war Schuld? Das Wetter. Ein Großteil der bereit gemachten Parkplätze war überflutet, sodass ich meine Klamotten 4 km weit zum Gelände schleppte. Die Ironie an der Sache: Man konnte selbst in dieser Entfernung die Bands hören, die schon seit Donnerstag die Bühne platt traten. Gerade als ich den Marsch antrete, starten ARCTURUS. Und – man bedenke den Namen ARCTURUS! - der Himmel reißt auf, die Sonne bricht durch und knallt mit gefühlten 40 Grad auf mich nieder. Diesen leuchtend gelben Fleck sollte ich auf dem Weg bis zum Campingplatz aber auch das letzte Mal für die nächsten beiden Tage gesehen haben. Und ja, er war verschwunden, als ich meinen Rucksack vom Rücken warf. War das Absicht?

ARCTURUS hätte ich gern gesehen, aber zumindest habe ich sie gehört – denn auf dem Weg zum Zeltplatz umrundet man quasi 2/4 des Festivalgeländes. Selbst aus der Entfernung gehört klang die Truppe punktgenau und glasklar, sämtliche technische Passagen, die ARCTURUS zu eigen sind, waren perfekt ausgeführt und klangen danach, als wäre es ein Frevel, nicht jetzt sofort vor der Bühne zu stehen. Der Herr Fotograf, der schon zugegen war, bestätigte meine Ansicht. Er berichtete von einer astreinen und absolut aufreibenden Performance, die er trotz meiner Ankunft und Zeltsuche nicht früher verlassen konnte. Ja, mein Zelt war mir nämlich schon vorgereist und stand schon irgendwo inmitten des Zeltmeeres – irgendwo auf einer der Inseln zwischen dem Matsch. Nur leider half die Beschreibung: „Das ist ein rotes Zelt, das neben einem blauen Zelt steht“ – bei der Auffindung genauso sehr, wie wenn man den schwarz gekleideten Langhaarigen auf dem Metalkonzert sucht. Also doch angewiesen auf die zurückkehrenden ARCTURUS-Gänger, bis ich das Gelände stürmen konnte. 



Meine erste gute Festivaltat war also gleich ein großes Highlight. LOUDNESS rockten sich auf der „Metal Dome“-Bühne alles ab. Die erfahrenen Japaner rund um Gründungsmitglied und Gitarrist Takasaki Akira feiern seit nunmehr 35 Jahren mit LOUDNESS international auf mitreißendem und eingängigem Niveau ihre Heavy Metal-Parties und sind einfach nicht kaputt zu kriegen. Oder müde zu machen. Gesanglich wirft der Shouter alles in den Ring und lässt nichts anbrennen, die Gitarrenkünste von Takasaki sorgen für die nötige Melodie und die Härte und auch sonst ist ordentlich Druck und Feierlaune mit von der Partie. LOUDNESS sind – egal wie oft gesehen – immer wieder ein Konzert wert. Und irgendwie schaffen sie es immer wieder, das Motto „Thunder Over Europe“ zu manifestieren. Als ich den „Metal Dome“ betreten habe, begann es zu regnen, doch LOUDNESS lehrte den Wolken wohl das Fürchten, denn nach dem Konzert schwieg auch das Wasser von oben wieder. Generell sollte sich der „Metal Dome“ zu meiner Lieblingsbühne entpuppen. Überdacht (weil Zelt), tolle Bands, sehr geräumig und das Sound-Mixing hätte besser nicht sein können. Schon jetzt – schon nach der ersten Band – wäre mein Festivaltag perfekt gewesen. Doch es sollte noch Großes kommen.
 
Das manchmal Negative an großen Festivals mit vielen Bühnen ist es, dass man zwangsläufig Überschneidungen hat. Dennoch ließ ich es mir nicht nehmen, zumindest die letzten Klänge von FOREIGNER noch mitzunehmen. Die große Hauptbühne erreichte ich auch pünktlich zur Balladen- und Kuschelzeit, denn „I Wanna Know What Love Is“ wurde angestimmt und von tausenden von Stimmen gen Himmel gekräht (man verzeihe mir die fehlende Romantik, aber manchen sind einfach keine Sing-Stimmbänder gegeben – oder diese wurden noch nicht ausreichend geölt… ähm gebiert). FOREIGNER leben auf der Bühne, sie leben ihre Musik und zeigen dabei so viel Spielfreude, dass man keine andere Wahl hat, als sich mitreißen zu lassen. Bei ihnen sprang der Funke absolut über und das Bedauern war groß, als die Truppe von der Bühne ging. Eindeutig mehr davon!

Keine Zeit zu trauern. DISTURBED wurden auf den Plan gerufen und das musste man sich natürlich näher ansehen. Immer wieder zogen dunkle, wirklich dunkle Wolken am Gelände vorbei, doch vor der Bühne war es trotzdem gerammelt voll und die Meute in Hochstimmung, als DISTURBED mit ihrem punktuierten und krachenden Sound und der mächtigen Stimme von David Draiman die zweite Hauptbühne stürmten. Sofort war die Stimmung am Beben und selbst die kleine Umbaupause, um „Sound Of Silence“ zum Besten zu geben, tat dieser keinen Abbruch. „Get Down With The Sickness“ beendete dann das kraftvolle und rasante Set der Chicagoer Formation und es fiel schon ein wenig schwer, wieder herunter zu kommen. Kleiner Gedankengang am Rande – bei DISTURBED brachte mich folgende Tatsache wieder zum Schmunzeln: Metal-Fans werden gern beschimpft! David Draiman versuchte es erst auf die nette Art und Weise, die Fans zu motivieren. „Are you ready?“ Antwort: gelangweilt und halbherzig „yaaayy“ „I said, are you ready, you dirty motherfuckers?“ Antwort: „ROOOAAAAAARRRR“. Tja, man muss nur wissen wie. 



Die Pausen zwischen den Konzerten auf Bühne 1 und 2 betragen schlichte zehn Minuten, also kaum Zeit, auf falsche Gedanken zu kommen. Jetzt war es Zeit für MEGADETH! Trotz beginnendem Regen (das einzige Mal, dass ich meine obligate Festival-Duschhaube zücken musste) harrten wir in den vorderen Reihen aus. Und was soll ich sagen? Auch wenn deren neues Album „Dystopia“ nicht mehr an die alten Highlight-Scheiben anknüpfen kann, live wissen die Thrasher trotzdem, ihren Sound in bester Manier umzusetzen. Zudem wurde die Setlist, die natürlich auch von der neuen Scheibe einiges zu bieten hatte – was live auch viel stimmiger klingt als auf dem Album – gespickt mit alten Krachern. Gefeiert wurden die Haudegen schließlich auch mit einem ordentlichen Moshpit. Als zum Abschluss dann „Symphony Of Destruction“ richtiggehend zelebriert wurde, schwappte die ohnehin schon kochende Stimmung vollkommen über. Was für eine Thrash-Messe! 



Auch wenn jetzt ein paar Minuten Pause not täten, blieb man gesittet in Bühnenfront, um auf AMON AMARTH zu warten. Mit dem neuen Album gingen die Wikinger ja durch die Decke und live machten sie immer schon ein gutes Bild – also war meinereiner gespannt. Mit einem Knall waren AMON AMARTH dann da – und wie sie da waren! Eine Bühnenpräsenz vom ersten Takt an, die seinesgleichen suchte. So fegten sie soundtechnisch wie eine ganze Berserker-Horde über das Festivalgelände hinweg. Müde waren die Schweden so gar nicht und das steckte an. Also Kraftreserven raus und den imaginären Mjöllnir schwingen [ham die denn dem Laichster schon wieder sein Werkzeug geklaut?! d. Korr.]! Die nordische Macht war wohl auch beeindruckend genug für die himmlische Ebene, denn dunkle Wolken nahmen Reißaus und ließen die Feierer weitgehend trocken. Zumindest von oben. Da hielt sogar der Fenris-Wolf die Klappe! Fazit: Die Bestätigung - AMON AMARTH kann man immer und immer und immer und immer wieder sehen. Doch auch hier sei noch eine kleine Anektote erwähnt, die vor allem unserem Redaktionsterrier gefallen würde: Ein feierndes Trio direkt vor mir sang die Melodielinie vom Aufmarsch-Song „The Pursuit Of Vikings“ voller Inbrunst mit „düb düdüb düb düb“ mit, was mich unweigerlich an die hoch intellektuellen Lyrics von Scooter erinnerte. Böse Gedanken, böse…!
[Sei bloss froh, dass er grad seinen Mjöllnir-Hammer irgendwo verlegt hat! d.Korr.]




Vielleicht waren diese frevlerischen Gedanken es, die mich zum Aufgeben zwangen. Schande über mich. Entweder hat mein Alter eingeschlagen, oder der lange Tag, oder die Erkenntnis, dass noch zwei anstrengende Tage mit einer hohen „Must See“-Band-Dichte folgen würden. Also strich ich schweren Herzens die Segel. Auch wenn BLACK SABBATH und KING DIAMOND folgen würden, der Freitag war gelaufen [...das gibt Abzüge beim Juli-Gehalt. Sich King Diamond nicht ansehen geht gar nicht! d.Korr.] Aus einem „Ich leg mich mal zehn Minuten hin“ wurde also ein „Bis morgen“. Ich bereute es dann zwar ein wenig, als Flo, der Fotograf am nächsten Tag von zwei tollen Auftritten, vor allem von KING DIAMOND schwärmte [*hüstel*; d.Korr.]. Doch gleichzeitig sollte sich die Entscheidung als gar nicht so falsch herausstellen, wenn man die Fitness zwischen mir und dem Herrn Fotografen verglich. In diesem Sinne: Sei der Freitag beendet – in einem glücklicherweise immer noch trockenen Zelt – und bis morgen, wenn dann die Headliner wirklich Pflichtprogramm sind. 

 


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