31.10.2015, VAZ Niklasdorf, Niklasdorf

Rock On Halloween X

Veröffentlicht am 13.11.2015

Niklasdorf, Halloween 2015. Während mehr oder weniger verkleidete Kinder unschuldige MitbürgerInnen auf der Suche nach Süßem terrorisierten und ihre Eltern die Sektflasche köpften, um auf die Ruhe in den eigenen vier Wänden anzustoßen,  versammelten sich am Bahnhof finstere Gestalten und zogen bestens gelaunt Richtung Veranstaltungszentrum. „Band Meets Band“ hatte zum zehnjährigen Jubiläum der mittlerweile Tradition gewordenen „Rock On Halloween“-Veranstaltung gerufen und so kamen sie, die Metal-Fans, Zombies und Evil-Dead-Fans.

APIS

Mit einer Mischung aus Hardrock, Old School Metal und Modern Metal ein Thrash/Death-geschwängertes Festival einzuläuten, ist ein gewisses Risiko. Wenn der Eröffnungsact noch dazu erst vor wenigen Monaten gegründet wurde, dann liebt man wohl das Tänzeln am Drahtseil über einem Abgrund. Die Veranstalter „Band Meets Band“ wussten jedoch genau was sie taten und bei genauerem Hinsehen entpuppte sich der vermeintliche Drahtseilakt als wohl kalkulierbares Risiko: Zwar wurde der Eröffnungsact APIS tatsächlich erst im Februar 2015 gegründet, allerdings besteht die Band aus technisch versierten und erfahrenen Musikern, die in Bands wie FORCE oder SACRED SPELL (Live-) Erfahrungen gesammelt haben.

Als APIS ihr Set begannen, strömten immer noch Besucher in die Halle. Die mehrheitlich Death-/Thrash-orientierte Meute nahm die APIS-eigene Mischung aus Old School Metal mit Modern-Metal-Einschlag und Hardrock vorerst eher zurückhaltend auf. Das lag sicher auch am Sänger, der etwas zu leise begann und phasenweise von den knackigen Riffs fast übertönt wurde. Die vokale Zurückhaltung legte sich allerdings relativ rasch und Sänger Andreas Krammer heizte dem Publikum lässig-cool (in manchen Momenten erinnerte er in seiner Gestik an Mats Léven) ein. Die Band steigerte sich von Song zu Song und als APIS ihr Konzert mit einer gelungenen Coverversion von METALLICAs legendärem „For Whom The Bell Tolls“ beendeten, hatten sie auch unter den bockigsten Death-/Thrash-Metal-Anhängern neue Fans gewonnen. 

APIS sind eine Band, die man im Auge behalten sollte. Die Veröffentlichung ihrer Demo ist für 2016 geplant und angesichts dessen, was am „Rock On Halloween X“ zu hören war, darf man gespannt sein.

Setlist

1. Never Born 
2. Always On The Run
3. Monster
4. It´s So Easy (GUNS N' ROSES-Cover)
5. Check In Check Out
6. For Whom The Bell Tolls (METALLICA-Cover)

 

 

ASHES OF MOON  

Nach einer kurzen Pause betraten die Melodic-Death-Metaller ASHES OF MOON mit fünf Songs ihrer letzten CD „The Darkness Where The Past Lay Sleeping“ im metal-geeichten Gepäck die Bühne und überzogen die Halle mit Düsternis. 

Abwechslungsreicher, melodischer Death Metal, mit progressiven und schwarzmetallischen Elementen, einigen cleanen Gitarrenpassagen, eiskalten Riffs, interessanten Leads, einem überaus präsenten Bass und einem dominanten, überzeugenden Sänger, dessen Vocals die Fans am Hals packten und nicht mehr losließen: ASHES OF MOON tischten alles andere als einfache Kost auf. 

Definitiv eine Band, deren Musik man nicht en passant hören sollte. Ich zumindest benötigte zwei Songs, bis ich Zugang in die musikalische Welt der ASHES OF MOON fand – dafür beschäftigte mich die Band nachhaltig. Ich war vermutlich nicht der Einzige, der am Tag nach dem Festival YouTube nach Live-Mitschnitten bzw. offiziellen Videos von ASHES OF MOON durchstöberte und sich allem widmete, was an Material gefunden wurde. 

Setlist

1. Wind
2. Broken Mirror
3. Never Behind
4. Black Coffin
5. Farewell

DARKFALL 

Die Death/Thrasher DARKFALL feiern heuer ihr 20-jähriges Jubiläum und eine dieser Feierlichkeiten ging am zehnten "Rock On Halloween" über die Bühne.

Wobei der Begriff „Feier“ nicht ganz treffend ist: DARKFALL führten einen triumphalen Thrashed-Death-Metal-Blitzkrieg, ausgefochten mit brachialen Vocals, messerscharfen Riffs und Drums, die wie eine Panzerdivision losrollten: 

DARKFALL rammten ihre headbangenden, ekstatischen Fans mit einer elektrisierenden Show und entfesselter Spielfreude ungespitzt in den Boden, spielten ihr Set, als gäbe es kein Morgen, kündigten gegen Ende des Konzertes mit „Ride Through The Sky“ einen vielversprechenden Vorgeschmack auf das kommende Album (2016) an und rammten die Fans noch tiefer in den Boden.

Nachdem DARKFALL das Schlachtfeld siegreich verlassen hatten, standen die in den Boden gerammten Fans noch immer ganz unter dem Eindruck des eben Erlebten: Erschöpft vom exzessiven Headbangen, aber durch und durch zufrieden.   

Lediglich zwei Personen hatten – zumindest für kurze Zeit – Widerstand geleistet: Inmitten dieses brachialen Thrash-Armageddons standen eine junge Frau und ein junger Mann, eng umschlungen und küssten sich zärtlich. Echte Liebe findet auch bei DARKFALL Romantik.   

Nach dieser grandiosen Show kann man nur den Gösser-Humpen erheben und den Burschen zuprosten: Auf die nächsten 20 Jahre DARKFALL. Thrash till death!

Setlist

1. Intro
2. Phoenix Rising
3. Echoes From The Past
4. Fading Away
5. Gods Await
6. Never Ending Hate
7. Rise To Dominate
8. Ride Through The Sky
9. Peacemaker

Nach dieser genialen Thrash/Death-Walze kam es den erschöpften Fans gelegen, dass die darauffolgende Pause und der Soundcheck ein paar Minuten mehr in Anspruch nahmen. Man nutzte die Zeit vorwiegend um die eigenen Energiereserven aufzufüllen (eine weise Entscheidung angesichts dessen, was noch auf die Festivalbesucher wartete), oder einfach nur um zu quatschen. Mit einem Vertreter der hiesigen Polizei beispielsweise, der das "Rock On Halloween" seit seinen Anfängen begleitet und die Bands und ihre Shows, sowie die Fans großartig findet (obwohl sein Musikgeschmack in eine andere Richtung gehen dürfte).

VINEGAR HILL

Lights out. Während das Intro begann, wurde die Bühne in teuflisches Rot getaucht, Nebelschwaden krochen über die Bühne. Lichtkegel wanderten durch den Nebel, ließen die Umrisse der Bandmitglieder sichtbar werden. Als der Opener „The Shadowman“ begann, waren die Fans bereits in einer Art Ausnahmezustand. Die Band spielte auf Hochtouren, Sänger und Rampensau Dominik Stadler suchte immer wieder die Kommunikation mit dem Publikum, das seinerseits enthusiastisch antwortete: VINEGAR HILL hatten ihre Fans voll im Griff, einen Aufruf zum Wall Of Death bzw. Mosh Pit ließen sich die aufgeheizten Fans nicht zweimal sagen…

Ein Melodic-Death-Metal-Brett nach dem anderen rollte über die Fans, die stellenweise lautstark mitsangen, hinweg. Die Samples waren dezent, der Gitarrensound klar, die (cleanen) Vocals, bzw. Growls kraftvoll und die Zugabe Ehrensache. Der Energie dieser Band konnte man sich an diesem Abend einfach nicht entziehen. Fans, die gerade Erleichterung am Pissoir suchten, headbangten vermutlich am WC weiter. Echte Metalfreaks wissen eben aus jeder Situation das Beste zu machen.

VINEGAR HILL zeigten eindrucksvoll, - und für die Fans auf ziemlich schweißtreibende Weise - dass sie den Ruf einer exzellenten Live-Band zu Recht genießen.

Setlist

1. Intro
2. Shadowman
3. The Cage
4. Promises
5. Dead End Bride
6. Firebirds
7. Beauty No More
6. The Ominouse Needs
9. Solitary Bay
10.Faint Cold Fear

DUST BOLT und THE SORROW

Leider konnte ich diese zwei Schwergewichte der Metalszene aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr sehen. Schade, zumal THE SORROW auf dem zehnten "Rock On Halloween"-Festival ihre einzige Österreich-Show gaben. Eine Nachfrage bei anwesenden (kritischen) Freunden zu diesen zwei Top-Bands ergab ein eindeutiges Urteil: „Heftig und der Hammer“, „bin immer noch k.o. vom Headbangen“, „was soll ich sagen – das sind Götter, das hat sich gestern wieder einmal bestätigt“ (Originalzitate). 

Setlist DUST BOLT

1. Violent Abolition
2. Awake The Riot
3. Soul Erazer
4. Living A Lie
5. Drowned In Blind Faith
6. Children Of Violence
7. You Lost Sight
8. Distant Scream Outro
9. Toxic Attack
10. Agent Thrash

Setlist THE SORROW

1. Her Ghost Never Fades
2. Where Is The Sun
3. Crossing Jordan
4. Far Beyond The Days Of Grace
5. Savior Welcome Home
6. Suffering Quotes
7. Interlude 
8. Retracing Memories
9. My Immortal Guardian
10. Elegy/Dagger
11. Burial Bridge
12. Knights Of Doom
13. Perspectives
14. Death From A Lovers Hand

Fazit

Das "Rock On Halloween X" feierte sich, seine Bands und die Fans in einem einzigartigen Metal-Rausch, dem sich niemand entziehen konnte oder wollte. Der Metalfan verbeugt sich dankend vor den Organisatoren (perfekt organisiert!) und den Bands und wartet bereits sehnsüchtig auf „Rock On Halloween XI".

Apropos danken: An dieser Stelle soll auch jenen gedankt werden, die in Reviews zwar selten erwähnt werden, aber für die Umsetzung derartiger Festivals erfolgsentscheidend sein können: dem umtriebigen Völkchen der Sponsoren. 

Horns up für: Kultur Niklasdorf, Twsp Sound Project, Hairstyle Hinteregger, Timeless Ink und insbesondere spark7, die sich seit Jahren (nicht nur) in der steirischen Musikszene engagieren und ein Herz für Metal beweisen.

Photo credits / Copyrights:

APIS: APIS

DARKFALL: Band Meets Band

DUST BOLT, THE SORROW und Gitarre: Klaus Pressberger, spark7

VINEGAR HILL:  Martin Ett

 

 


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