10.07.2014 - 13.07.2014, Liqueur Company R. Jelínek

MASTERS OF ROCK FESTIVAL 2014 - Tag 3 & 4

Veröffentlicht am 23.07.2014



Samstag, 12.07.2014



SEBASTIEN feat. Tony Martin

Für mich begann der Samstag schon recht früh – nach den tschechischen Heimathelden SALAMANDRA, die für die offizielle „Masters Of Rock“-Festivalhymne verantwortlich zeichnen und diese auch gleich mal gemeinsam mit FREEDOM CALL-Chefstrahlemann Chris Bay in die begeisterte Meute feuerten, durften dann die ebenfalls aus Tschechien stammenden SEBASTIEN ran und die Band – die eigentlich für proggigen Power Metal bekannt ist – hat sich nach ebenfalls tollen Gastsänger-Performances im Vorjahr auch diesmal nicht lumpen lassen und niemand Geringeren als den ehemaligen BLACK SABBATH-Fronter TONY MARTIN nebst MASTERPLAN-Chef ROLAND GRAPOW und CRADLE OF FILTH-Drummer Marthus Skaroupka eingeladen. Ein Line-Up, das sich sehen und vor allem auch hören lassen kann: Zunächst beginnen die Jungs allerdings mit einigen eigenen Songs wie „Tears Of White Roses“ und „Man In A Maze“, die mit eingängigen Refrains punkten können; wirklich groß wird’s aber dann natürlich, als ROLAND GRAPOW zur Gitarre greift, Marthus Skaroupka hinter der Schießbude Platz nimmt und TONY MARTIN die Vocals übernimmt und das übermächtige „Headless Cross“ in beeindruckender Manier ins Publikum gefeuert wird. TONY MARTIN kann auch mit 57 Jahren immer noch überzeugen und nach dem abschließenden Band-Hit „Dorian“ von SEBASTIEN – unter Beteiligung von zahlreichen Gastsängern und –sängerinnen – verabschieden sich die jungen Tschechen nach einer absolut gelungenen Vorstellung in den frühen Nachmittag. Starke Performance! [Dragonslayer]

CITRON & TANJA

CITRON sind wohl so etwas wie die tschechischen STILETTO (falls jemand die Wiener Kult-Rock-Band kennt?) – zumindest Sänger Fany erinnert etwas an den charismatischen und eigenwilligen Stilo Stohl. CITRON selbst sind allerdings tatsächlich so etwas wie tschechische Rock-Legenden – bereits in den späten 70er-Jahren gegründet, musste die Band im Laufe der Jahre auch schon einige Todesfälle verkraften. Nichtsdestoweniger sind die alten Haudegen immer noch motiviert und kein bisschen müde und rocken sich durch ein Set bestehend aus Songs, deren Titel ich ebensowenig verstand wie deren Texte (wenngleich Parts wie „Rock, Rock, Rock“ auch mir durchaus nachvollziehbar waren) – doch glücklicherweise ist die Sprache der Musik eine universelle und dem heimischen Publikum schien auch die Performance von CITRON sehr zu gefallen. Handwerklich wurde jedenfalls gute Arbeit geleistet, wenngleich mich die Band rein musikalisch jetzt nicht unbedingt mitreißen konnte. Dennoch eine nette Einlage am Nachmittag. [Dragonslayer]

SUICIDAL ANGELS

Mit dem letzten SUICIDAL ANGELS-Output „Divide And Conquer“ war ich ja nicht zu 100 Prozent zufrieden, live ist die mittlerweile in Duisburg lebende Greek-Thrash-Partie aber noch immer über nahezu jegliche Zweifel erhaben. Sie hatten die bis dato größten Moshpits, unglaubliche Wall Of Deaths und gerade die Songs des aktuellen Albums wie „Marching Over Blood“, der Titeltrack, „Pit Of Snakes“ oder die Mid-Tempo-Brumme „Seed Of Evil“ entfalteten on Stage einen wahren Thrash-Orkan. Dem stand aber älteres Material wie die pfeilschnellen „Bloodbath“ und „Bleeding Cries“, sowie die Mid-Tempo-Walze „Beggar Of Scorn“ in nichts nach. Faszinierend an SUICIDAL ANGELS ist ja nach wie vor Drummer Orpheas Tzortzopoulos, ein Hulk von einem Mann, der mittlerweile fast das doppelte eines Gene Hoglan auf die Waage bringt, sein Kit aber immer noch mit einer Präzision und ohne jegliche körperliche Einbußen zu vermöbeln mag. Auch tut der 2012 in die Band gekommene Gitarrist Chris Tsitsis dem Gesamtsound insofern gut, als er die meiste Soloarbeit von Mastermind Nick Melissourgos übernommen hat und diesem somit deutlich mehr Freiraum ermöglicht. Den nutzte die komplette Band (bis auf Drummer Orpheas) beim abschließenden Kult-Thrasher „Apokathilosis“, um kurzerhand den Photopit zu entern und dort einfach weiter zu zocken. [Reini]

GRAND MAGUS

Hauptargument für mich am diesjährigen Masters Of Rock teilzunehmen war meine Lieblingsband GRAND MAGUS, für die ich zugegebenermaßen voreingenommen bin (siehe auch mein Album-Review von „Triumph And Power“ und den letzten Konzertbericht in der Szene Wien). Auch hatte ich 2010 am tschechischen Festival um 11 Uhr vormittags bei glühender Hitze meine GRAND MAGUS-Premiere. 2014 war also der zweite Auftritt der musikalischen Götter des Nordens und auch wenn sie noch nicht im Schatten spielten, war ein Slot um kurz vor 17 Uhr eine deutliche Aufwertung im Line-Up. Im Publikum (und auch beim Kollegen Siegfried) [Doch doch, die Band ist schon fein – sie ist nur einfach nicht der musikalische Heilsgral, den Kollege Rosenberger darin sieht – Anm. Dragonslayer] ist die Geilheit dieser Band aber anscheinend noch nicht angekommen, denn die Tschechen feierten davor ihre Landsmänner und -frau von CITRON ab und waren bei GRAND MAGUS nicht mehr aufzufinden. Das Loch im Publikum lud mich dazu ein meine Helden an vorderster Front abzufeiern und meine Stimme beim Mitsingen herauszufordern. „I, The Jury“ mit der Textzeile „Cause I‘m The Law“ fetzt so ordentlich geil weg, dass es für mich kein Halten mehr gab. Bei „Sword Of The Ocean“ grölte ich schon fleißig „we bring the fire and the flame“ mit. Richtig episch wurde es dann beim Opener „On Hooves Of Gold“ vom aktuellen Meisterwerk „Triumph And Power“. Die Introklänge führten mich in die „Into Glory Ride“-Phase von MANOWAR zurück. Der große Auftritt des Bassisten Fox war bei „Ravens Guide Our Way“ gekommen, die fetten Basslines, auf denen dann die lässigen Riffs von JB aufbauen, sind einfach schweinecool. Bei Zeilen wie „legions stand against us“ muss man sich einfach wie ein Wikinger fühlen. Der absolute Übersong war mit „Like The Oar Strikes The Water“ gekommen, geilere Klänge hört man selten. Musik, bei der Bilder im Kopf entstehen, finde ich einfach genial. Die markante Stimme von JB ist über jeden Zweifel erhaben und das Drumspiel von Schlagzeuger Ludwig Witt sehr dynamisch, was er auch beim kurzen Drum-Solo vorzeigen konnte. Nur eine kurze Verschnaufpause für die Saitenfraktion vor der nächsten Großtat „Steel Versus Steel“ und Mitgröler der allerfeinsten Sorte: „And in the end it’s the steel!" Nicht erst das epische „Valhalla Rising“ brachte mich dann endgültig zum Durchdrehen, die Fäuste wurden gen Himmel gestreckt und den Göttern gehuldigt. Grandios hier auch das Gitarrensolo. Ging es eh schon die ganze Zeit Schlag auf Schlag, wurde mit dem Abschluss-Triple dann alles gesagt, was gesagt werden musste. „Iron Will“ eine Ansage ans „niemals aufgeben“, „Triumph And Power“ eine True-Metal-Hymne wie sie im Buche steht und „Hammer Of The North“ mit obligatorischem Mitsingteil sind alles Göttergaben. Um es mit Joey de Mayos (Joey DeMaio - bis Kollege Rosenberger den Namen seines größten Helden auch nur EINMAL richtig schreibt, geben wir ihm noch fünf MANOWAR-lastige Artikel Zeit... Anm. d. Verf.) Worten zu sagen: „If you don’t like GRAND MAGUS, fuck you!“ (Anscheinend kann man halt nicht allen helfen.) [Florian Rosenberger]

FREEDOM CALL

Pünktlich um 18:05 Uhr begann die große Happy-Metal-Party und viele waren gekommen. Mit dem Opener „Union Of The Strong“ kam die Sonne wieder durch und die Tschechen feierten, klatschten und sangen von der ersten Note an begeistert mit. Die Band um den charismatischen Frontman Chris Bay dirigierte die Feier gekonnt und feuerte einen Party-Kracher nach dem anderen von der Bühne. Bei großartigem Sound und beinahe schmerzhaft fröhlichen Liedern wie „We Are One“, „Freedom Call“ oder „Farewell“ blieb kaum ein Mundwinkel im Publikum unten. Die Truppe aus Nürnberg ist eine ausgezeichnete Liveband, die kein großes Bühnenbild oder aufwendige Konstruktionen braucht, um alle mit ihrer guten Laune anzustecken. Spätestens beim Kracher „Power & Glory“ hatte jeder im Publikum verstanden, dass es nicht immer die härtesten Riffs und den brutalsten Gesang braucht, um mit Heavy Metal Spaß zu haben. „The time has come for power & glory, and tonight – for a happy metal party!” – besser als die Band selbst kann man es wohl kaum beschreiben. Und bevor ich mich komplett in Lobeshymnen verliere, fasse ich zusammen: An diesem Gig gab es einfach nichts auszusetzen. Die bereits seit 1998 existierende Band erntete an diesem Tag die Früchte ihrer oft sehr polarisierenden Arbeit. Auf dem Masters Of Rock 2014 fanden sie das Publikum, das sie verdienen und konnten eine große Happy-Metal-Party feiern. Es ist ein bisschen schade, dass eine Band wie FREEDOM CALL, die im Nachbarland ein so großes Publikum erreicht, in Wien nur vor vielleicht 150-200 Leuten spielen kann. Leider war die Sause nach nur 60 Minuten viel zu schnell vorbei und die Band verabschiedete sich brav mit Verbeugungen und einem letzten Foto. Mit so zahlreichem und begeistertem Publikum und der tollen Leistung der Band haben sich FREEDOM CALL als Headliner der Herzen positioniert – das nächste Mal dürfen sie gerne auch als einer der Headliner des Festivals aufspielen. An diesem Tag haben sie bewiesen, dass sie das könnten. [Herb]



MICHAEL SCHENKER’S TEMPLE OF ROCK

Der übercoole MICHAEL SCHENKER, dessen Gitarrenspiel einen eigenen Stil und Sound prägt, sein Mode- und Frisurgeschmack aber doch ebenfalls recht eigen sind, startete sein Set mit wohl einem der größten Rockklassiker aller Zeiten, „Doctor Doctor“ von UFO, gefolgt von „Where The Wild Winds Blow“ von seinem aktuellen Release „Bridge The Gap“. Danach wurde den SCORPIONS mit „Lovedrive“ und „Another Piece Of Meat“ Tribut gezollt. Doogie White gab während des kompletten Konzerts einen lässigen und souveränen Frontmann, der den Klassikern seinen eigenen Stempel aufdrückte. Nach ein paar alten („Assault Attack“, „Armed And Ready“) und einem neuen („Before The Devil Knows You're Dead“), von Doogie White eingesungenen MICHAEL SCHENKER-Song, war das Finale mit „Lights Out“, „Too Hot To Handle“ wieder sehr UFO-lastig. Der SCORPIONS-Rockhit-Nr. 1 „Rock You Like A Hurricane“ durfte natürlich auch nicht fehlen und als am Schluss noch „Rock Bottom“ wiederum von UFO geboten wurde, war die Hard-Rock-Welt in Ordnung. JB von GRAND MAGUS, der sich mit seinen Bandkollegen kollektiv das komplette Konzert ansah, war begeistert von seinem Gitarristen-Idol und ließ sich daraufhin auch seine eigene Gitarre vom Maestro signieren. Das Publikum war an dem Abend aber anscheinend am meisten von der vorherigen Band FREEDOM CALL angetan, denn bei der Geschichtsstunde mit MICHAEL SCHENKER waren gefühlt nur die Hälfte anwesend, was wahrscheinlich an dem eher spärlich anwesenden älteren Hard-Rock-Publikum lag. [Florian Rosenberger]

ARCH ENEMY

Alissa „Fucking“ White-Gluz (wie sie von Gitarrist Michael Amott stilecht angekündigt wurde) kam, sah und siegte auf allen Linien. Dabei war es bei Gott nicht einfach eine mittlerweile zur Ikone hochstilisierte Person wie Angela Gossow am Sangesposten von ARCH ENEMY zu ersetzen. Aber die 29-jährige Kanadierin meisterte diese Situation mit lässiger Bravour und ließ den 70-minütigen ARCH ENEMY-Gig zu einem wahren Triumphzug ausarten. Das zierliche Persönchen dirigierte Band und Publikum nach Belieben, zeigte keinerlei Schwächen und brüllte sowohl brandneues „War Of Ages“-Material (Titeltrack, „You Will Know My Name“, „No More Regrets“ und „As The Pages Burn“), sowie etliche gediegene Klassiker in das Rondo der Rudolf Jelinek-Destillerie. Natürlich darf man bei all diesem Enthusiasmus auch nicht die überdimensionale musikalische Klasse von Michael Amott, Nick Cordle (ex-ARSIS), Sharlee D’Angelo und Drummer Daniel Erlandson außer Acht lassen. So wurde z. B. „Ravenous“ doch eine ganze Spur schneller dargeboten als auf dem „Wages Of Sin“-Album und nach einem Hammer-Tripple („Dead Eyes See No Future“, „No Gods, No Masters“ un d“We Will Rise“) war erstmal Schicht im Schacht. Als erster erschien Gitarrist Nick Cordle wieder auf der Bühne, schon bald assistiert von Michael Amott um mit dem Klassiker-Reigen „Snow Bound“, „Nemesis“ und „Fields Of Desolation“ (!!!) den finalen Rundumschlag einzuläuten. Definitiv das unabdingbare Highlight des hiesigen Masters Of Rock-Festivals! [Reini] [Anm. Herb und Dragonslayer: Auch die sonst dem Einhorn-Metal zugeneigte Fraktion der Stormbringer-Redaktion unterstreicht an dieser Stelle die übermächtige Darbietung von ARCH ENEMY - eine unfassbare Performance der gesamten Band, mit Abstand die "Gewinner" des diesjährigen Masters Of Rock; wer da nicht mitgerissen wird, ist taub oder tot. Grandios!]



HELLOWEEN

HELLOWEEN, Masters Of Rock und ich – das ist nicht unbedingt das, was man eine enge Freundschaft nennt. Denn die Performance der Kürbisköpfe beim letzten Gastspiel am Festival in Tschechien kam einer desaströsen Demontage gleich; insofern wartete ich doch mit einem etwas flauen Bauchgefühl auf den erneuten Einstand der einstigen Metal-Legende. Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder: Denn diese Performance von HELLOWEEN sollte sich zur wohl besten entwickeln, der ich vom aktuellen Line-Up der Band je beiwohnen durfte! Vielleicht auch etwas angespornt von der Jahrhundert-Performance von ARCH ENEMY nur Augenblicke zuvor, legen sich auch die Haudegen rund um Markus Grosskopf und Michael Weikath diesmal richtig ins Zeug und auch Sänger Andi Deris präsentiert sich mit viel Elan, Einsatz und in Bestform – da kommt sogar ein sonst für ihn scheinbar unsingbares „Eagle Fly Free“ als Opener mehr als solide aus den Boxen, und neuere Kracher wie „Where The Sinners Go“ und „Waiting For The Thunder“ schmettert er auch in feiner Manier aus den Boxen. Es folgen dann aber auch schon die ersten Highlights des Sets: Nämlich die mittels Internet-Voting „reingewählten“ HELLOWEEN-Urgesteine „Ride The Sky“ und das erstmals(!) live gespielte „Starlight“ – und auch hier geben sich die Kürbisse keinerlei Blöße. Die zweistimmigen Soli von Sascha Gerstner und Michael Weikath sitzen sicher wie selten zuvor, Andi Deris singt sauber und kraftvoll und drückt sich auch nicht um die sonst so gefürchteten Kiske-Screams – ja mein lieber Herr Gesangsverein, was ist denn da passiert?! Aber sei’s drum, diesen Rezensenten freut’s – und als zum Abschluss dann noch die unsterblichen Bandklassiker der Marke „Halloween“, „Future World“ und natürlich „I Want Out“ bei astreinem Sound ausgepackt und ebenfalls in amtlicher Manier werden, dann darf getrost gesagt werden: Auch wenn ARCH ENEMY zweifelsfrei die Show des Festivals abgeliefert haben, dann haben sich HELLOWEEN nach dem letzten Masters of Rock-Auftritt aber jedenfalls rehabilitiert. Eine runde Sache! [Dragonslayer]

CIVIL WAR

Bei CIVIL WAR handelt es sich ja bekanntermaßen um die geschassten früheren SABATON-Mitglieder, die sich ASTRAL DOORS-Sänger Nils Patrik Johansson gekrallt haben und nunmehr weiterhin klassischen melodischen Power Metal zelebrieren. Es geht hier sicherlich etwas abwechslungsreicher und melodischer zu als noch anno dazumal bei den früheren Brötchengebern, aber dennoch fehlt ein bisschen das „gewisse Etwas“. Vielleicht ist man einfach als Band noch nicht ganz so aufeinander eingespielt, vielleicht ist auch das Songwriting einfach nicht ganz so gut; doch Songs wie „Sons Of Avalon“, „Gettysburg“ und „I Will Rule The Universe“ sind zwar gefällig, aber eben auch nicht mehr. Der Mitternachts-Slot am Masters Of Rock ist sicher eine willkommene Gelegenheit für die Schweden, die tschechischen Fans von sich zu überzeugen – aber mehr als ein Achtungserfolg ist heute leider nicht drin. Aber gut, nach den gottgleichen ARCH ENEMY und überraschend starken HELLOWEEN noch den „Deadliner“ bei einem restlos ausgepowerten Publikum zu machen, das ist wahrlich keine leichte Aufgabe. [Dragonslayer]

Sonntag, 13.07.2014



KATAKLYSM

Vizovice, Sonntag um kurz vor 15 Uhr am Nachmittag. Vier Death-Metaller aus Kanada schicken sich an um gehörig ein paar Ärsche zu versohlen. Maurizio Iacono, ein Fels in der aufkommenden Brandung, die filigrane, aber druckvolle Gitarrenarbeit von Jean-François „JF“ Dagenais und die unglaubliche Schlagzeug-Versiertheit eines Oli Beaudoin klangen an diesem äußerst sonnigen Sonntag-Nachmittag zu keiner Sekunde nach dem manchmal verunglimpfend benutzten Substantiv „Nintendo-Metal“. Im Gegenteil: Bei Bombensound drückten KATAKLYSM gerade unabdingbare Klassiker wie „The Resurrected“ oder das famose „Crippled And Broken“ mit einer Wucht aus den Boxen, die zu keiner Sekunde auch nur eine Spur von Sterilität oder Hochglanz-Produktions-Mief aufkommen ließen. Auch das Stage-Behaviour von Iacono war bei aller Brutalität immens sympathisch: So ließ er den „Serenity in Fire“-Classic „As I Slither“ gleichmal zum „Stress-Test for the Security“ ummodeln, indem er das Auditorium aufforderte wie wild Crowd zu surfen. Logisch, dass das Publikum dieser Aufforderung nur zu gern nachkam und die muskelbepackten Herren im Fotograben gehörig ins Schwitzen brachten. Was allerdings auffiel: Generell waren es die älteren Tracks („Taken The World By Storm“, „Shadows & Dust“, aber auch das abschließende „Blood In Heaven“), die einen richtigen Orkan on Stage aufkommen ließen. Trotzdem: Geiler Auftritt der Kanadier. [Reini]

BONFIRE

Statt den Schweizer Hard Rockern KROKUS sprangen kurzerhand die deutschen BONFIRE ein und waren sicher nicht die schlechteste Wahl als Ersatz. Einige neuere Songs wie der Opener „Bells Of Freedom“ und „But We Still Rock“ als auch ältere Songs wie „Tony’s Roulette“ rockten durchaus, zündeten aber auch nicht immer im Publikum. Hauptaugenmerk in der Setlist wurde auf die Klassiker-Alben der 80er wie „Don’t Touch The Light“ und „Fireworks“ gelegt. Also gab es mit „Never Mind“, „Hot To Rock“, „Don’t Touch The Light“ und „Fantasy“ eine Vollbedienung für Fans. Ich muss zugeben, dass mich die Songs nicht sehr fesselten. Auch der doch schon recht deutliche Altersunterschied machte die Zugänglichkeit nicht besser. Auf die Aussage eines Kollegen, dass die Herren vor drei Jahren deutlich besser performten, konnte ich nur antworten, dass sie damals aber auch drei Jahre jünger waren. Wenn ich BONFIRE mit einer meiner „alten“ Lieblingsbands vergleiche, dann ziehe ich ihnen deutlich SAXON vor. Nach den weiteren Klassikern „Sword And Stone“ und „Give It A Try“ kam es zur Showeinlage des Drummers, der mit angezündeten Drumsticks hantierte und zwischendurch auch immer ein paar Feuerspuckaktionen ablieferte. Ist ja ganz nett, besonders da es zu dem Zeitpunkt gerade einen ordentlichen Gewitterschauer gab, aber so richtig geil ist auch was anderes. Sei's drum, mit dem BONFIRE-Hit „Sweet Obsession“ wurde ein solides, aber nicht aufregendes Set beschlossen und die Bühne frei für spannendere Acts gemacht. [Florian Rosenberger]

TERRANA

Anfang des Jahrtausends galt er als Wunderwuzzi, als er gemeinsam mit Peavy Wagner und Gitarrengott Victor Smolski bei RAGE lärmte; als die Allüren seinen Bandmembers ein wenig zu viel wurden, fand der charismatische Wirbelwind hinter den Fellen von ex-NIGHTWISH-Goldkehlchen TARJA TURUNEN Zuflucht und versucht sich nun mit TERRANA auch auf Solo-Pfaden. Klar, MIKE TERRANA ist sicher ein überdurchschnittlich guter Schlagzeuger, allein das Songmaterial, mit dem er sich dieses Jahr am Masters Of Rock – unterstützt von zwei italienischen Rock-Musikern der Band FEAST – präsentiert, lässt mehr als nur zu wünschen übrig. Blutleere, nicht mal am Rock-Standard kratzende 08/15-Kalauer wechseln sich da ab und nicht einmal das beherzte Spiel und der überdurchschnittlich gute Gesang können das zähe Songmaterial hier interessant machen. Auch das obligatorische Drum-Solo des Meisters fällt schmächtig aus; beeindruckend sind an dieser Show nur die überdimensionierten Bass-Drums. Bitte weiter im Programm. [Dragonslayer]



ELUVEITIE

Um 19 Uhr starteten die nach hinten gerückten ELUVEITIE ihr Set. Nach dem doch eher faden Hard-Rock-Nachmittag bot der Schweizer Folk-Metal-Export eine willkommene Abwechslung. ELUVEITIE sind eine gute Liveband und das haben sie wieder einmal bewiesen. Allerlei interessante Instrumente wie Drehleier, Dudelsack, Geige, Whistle, Laute u.ä. wurden gekonnt eingesetzt. Bei basslastigem Sound wurde die eigenwillige Mischung aus Folk und Melodic Death Metal der Göteborger Schule zum Besten gegeben. Und das ist eine Mischung, die live einfach zum Mitbangen oder zumindest Mitschunkeln anregt. Dem Publikum gefiel's, mir auch. Live sehe ich ELUVEITIE immer wieder gerne, auch wenn ich zugegebenermaßen kein großer Fan ihrer CDs bin. Zwischendurch gab es mit dem wunderschön vorgetragenen „The Call Of The Mountains“ auch ruhigere Töne (für ELUVEITIE zumindest). Hits wie „Thousandfold“, „A Rose For Epona“, „Havoc“ und natürlich „Inis Mona“ wurden zu Recht und gebührend von den Tschechen gefeiert. ELUVEITIE hatten keinerlei Probleme ihre Fans zum mitmachen zu bewegen und diese wurden nach nur 65 der 75 Minuten Spielzeit leider zu früh verabschiedet. [Herb]

UNISONIC

Für mich bildete UNISONIC den Abschluss des Festivals. Überpünktlich enterten die Mannen um Michael Kiske um 20:40 Uhr die Bühne und UNISONIC legten mit dem Kracher „Unisonic“ ihres gleichnamigen Debütalbums los - als ob hier jemand ein Statement abgeben wollte. Gesangsmeister Kiske musste sich die ersten paar Lieder noch warmsingen und der Sound hatte auch lange Zeit mit Problemen zu kämpfen. Das sorgte zusammen mit der einsetzenden Kälte der Nacht dafür, dass der sprichwörtliche Funke erst spät aufs Publikum übersprang. Beim vierten Song, „Star Rider“, war es dann endlich so weit und das Publikum zeigte erste deutliche Reaktionen. Man versuchte ein Zeichen zu setzen, indem man auf Songs von HELLOWEEN weitestgehend verzichtete und hauptsächlich eigenes Material spielte. Vor allem die neueren Lieder davon funktionierten live recht gut, auch wenn das Publikum verhältnismäßig verhaltene Reaktionen zeigte. Leider war der Sound der Lead-Gitarre schrecklich und Gitarrist Mandy Meyer leistete sich einige böse Schnitzer. Kai Hansen hielt sich bis auf wenige Soli im Hintergrund und genoss es sichtlich, nicht an vorderster Front wie bei GAMMA RAY zu stehen. Als neuntes Lied gab es „endlich“ HELLOWEENs „March Of Time“ zu hören. Ob es daran lag, dass die Leute doch schon fast vier volle Festivaltage in den Knochen hatten, oder an dem doch fast akzeptablen Gig der Band, die sich heute HELLOWEEN nennt, am Tag davor, oder dem gleichzeitig stattfindendem Fußball-WM-Finale, so richtig ließ sich die große Masse auch davon nicht zum Mitfeiern überreden. Es wurde aber besser – die Power-Ballade „Over The Rainbow“, das trocken dargebrachte „We Rise“ und das abschließende (sehr unsauber gespielte, aber genial gesungene) „I Want Out“ von HELLOWEEN hinterließen ein nach Zugaben rufendes Publikum. Leider verschenkte UNISONIC die letzten fünf Minuten Spielzeit und die Rufe der Fans blieben unbeantwortet. Fazit: Das neue UNISONIC-Material überzeugt, die Gesamtleistung der Band war an diesem Tag aber nur okay. [Herb]



SEBASTIAN BACH

Zum Finale des Festivals durfte kein geringer als Rock-Diva SEBASTIAN BACH himself beweisen, dass er es noch drauf hat. Machte es letztes Jahr YNGWIE MALMSTEEN dem Veranstalter mit seinen Sonderwünschen schwer, durfte die Stombringer-Crew bei der Anfahrt zum letzten Festivaltag einen Zwischenstopp in Zlin einlegen, um Herrn Bach mit frischen Handtüchern zu versorgen. Auch, dass ihm das 4-Sterne-Hotel im selben Ort nicht genehm war, es aber leider weit und breit kein 5-Sterne Hotel gibt, brachte den Veranstalter fast zum Verzweifeln. Keine Ahnung, wo er dann wirklich untergebracht wurde, backstage sah man Herrn Bach nur kurz aus seinem Tourbus huschen, er gab sich aber durchaus freundlich und zeigte auch Interesse an der für amerikanische Verhältnisse sehr ungewöhnlichen Band ELUVEITIE. Aber nun zur Show, die von vielen schon (teilweise berechtigt) mit Skepsis erwartet wurde. Vor allem, ob die Gesangsleistung des launischen Frontmannes seinem Rockstar-Status entsprechen würde; sein Auftreten zumindest tat dies so. Die Songauswahl ließ auf alle Fälle wenig zu wünschen übrig. Da startete SEBASTIAN BACH gleich mit dem Opener „Slave To The Grind“ in die Vollen. Danach wurde kurz die durchaus starke Single „Temptation“ vom aktuellen Soloalbum „Give 'Em Hell“ vorgestellt, ehe mit „The Threat“, „Big Guns“ und „Piece Of Me“ große Klassiker dem nach SKID ROW-Material lechzenden Publikum vor den Latz geknallt wurde. Andauernd wirbelte der Frontmann mit seinem Mikrokabel so wild, dass seine Mitmusiker fast in Deckung gehen mussten. Zwischendurch gab es mit „Harmony“ wieder aktuelles Material, bevor das Publikum mit dem große SKID ROW-Hit „18 And Life“ belohnt wurde. Bisher nur einmal, als Vorband von GUNS 'N' ROSES, hatten die Tschechen das Vergnügen SEBASTIAN BACH zu bewundern. Dass hier unzählige Fans lauthals mitsangen, war zu erwarten. Danach ging es mit dem Cover „American Metalhead“ weiter, bei dem der Maestro den Song in „Czech Metalhead“ umtaufen wollte, was er aber in jedem Land so macht (aber sich anscheinend nicht sicher bei der Aussprache ist, war es auf der Live-DVD in Frankreich irgendwas wie „Frenzy“, tat er sich in Tschechien mit Czech Republician schwer). Teilweise war SEBASTIAN in seinen Ansagen ein wenig unbeholfen, den Vogel schoss er mit der Aussage ab, dass Vizovice so eine schöne Stadt und die Luft hier so gut sei („The air is so good here“). Vielleicht hatte aber einfach nur der Schapsduft der Destillerie seine Gedanken vernebelt. Sei's drum, mit dem Cover und den nächsten beiden eigenen Songs „Tunnelvision“ und „Taking Back Tomorrow“ flachte die Stimmung ein wenig ab. Erst mit „In A Darkened Room“ und „Monkey Business“ nahm die Show wieder etwas an Fahrt auf. „I Remember You“ war dann ein weiterer Höhepunkt, dazwischen „All My Friends Are Dead“, bevor mit der SKID ROW-Hymne „Youth Gone Wild“ der Knüller gezündet wurde und damit der letzte Song des Festivals ein lautstarkes Ausrufezeichen setzte. Nach der Bandvorstellung zum Schluss verzog sich der auch nicht mehr so junge Rockstar dann in seinen Tourbus und durfte sich seinen Rockstar-Schweiß mit frischen Handtüchern von seinem Rockstar-Körper wischen. [Florian Rosenberger] Und so geht auch ein weiteres Masters Of Rock in die Annalen der Rock-Geschichte ein und Stormbringer bedankt sich bei Veranstalter und den Sponsoren, auch diesmal wieder vor Ort mit dabei gewesen zu sein! Es war uns ein Volksfest, und das Stormbringer-Team freut sich auf eine Fortsetzung 2015! [Dragonslayer]


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: ROCK SHOCK THEATRE 2020
ANZEIGE