14.04.2009, Planet.tt, Bank Austria Halle, Gasometer

HAMMERFALL

Veröffentlicht am 16.04.2009

Es durften wieder Rüstungen geölt, Schwerter gewetzt, und Hämmer fallen gelassen werden - denn die Speerspitze der internationalen True Metal Szene, HAMMERFALL, gaben sich anlässlich der Tour zu ihrem aktuellen Album "No Sacrifice, No Victory" auch in Wien die Ehre. Mit dabei hatten sie noch Support von BLOODBOUND (welch namentliche Koinzidenz!) und ihren Landsmännern von SABATON. Alles in allem also ein durchaus ansprechendes Package - ob HAMMERFALL auch im Jahre 2009 noch eine Gewalt sind, soll nun kurz besprochen werden. Zugegeben, etwas spät angekommen konnte ich leider die Performance von BLOODBOUND nur noch erahnen, da gerade deren Backdrop hinter dem Drumset entfernt wurde, als ich die doch ansehnlich gefüllte Gasometer-Halle betrat. Nunja, ein Supportslot für HAMMERFALL ist definitiv keine schlechte Sache, insofern werden die Jungs von BLOODBOUND da sicher davon profitieren! Nach einer relativ kurzen Umbauphase wird dann alles bereit gemacht für die Kriegskünstler von SABATON, die nach kurzem Intro wie immer auf dieser Tour gleich mit "Ghost Division", dem Opener ihres aktuellen Albums "The Art Of War" in die Vollen gehen. Leider unangenehm fällt mir an dieser Stelle der Sound auf, der ziemlich verwaschen und untransparent ist; auch bei Bewegung durch die Gasometer-Halle will sich da kaum Verbesserung bei mir einstellen; und so bleibt der Gesang von Joacim Brodén, ebenso wie die Keyboard-Sounds von Tastenherr Daniel Myhr, die meiste Zeit nur zu erahnen, und weniger zu vernehmen. Schade eigentlich, denn Sabaton gelten ja als starke Liveband. Doch der schlechte Sound scheint die Jungs dennoch nicht davon abzuhalten, ordentlich Stimmung zu machen, und so wird auch bald eifrigst vor der Bühne gemosht, wenn die Jungs ihr knackiges Set runterspielen. Mit dabei natürlich Kracher wie "40:1", das Savatage-Tribute-Stück "Cliffs of Gallipoli", sowie die Gassenhauer "Attero Dominatus" und natürlich "Primo Victoria". Wie immer mit viel Spielfreude dargeboten wissen Sabaton auch unter widrigen Bedingungen ihr Publikum zu überzeugen, und so bleiben nach dem Abtritt der Schweden für heute auch durchaus glückliche Metalheads zurück, die dann schon begierig auf den Hauptact des Abends zu warten begannen. Vorher wollte allerdings noch eine (durchaus verschmerzbare) Umbauzeit abgesessen werden. Als sich diese dem Ende neigt und die Lichter ausgehen, bricht auch schon tosender Jubel aus. Kurz darauf entern Oscar Dronjak und Co in gewohnter Manier die Bühne, und legen auch gleich mit "Punish And Enslave" vom neuen Langeisen los. Interessant eigentlich - bisher hatten HAMMERFALL ja ihre Konzerte schon fast "traditionsgemäß" immer mit dem ersten Track ihres jeweils aktuellen Albums eröffnet; dies wäre wohl auch hier die bessere Wahl gewesen, denn obwohl die Jungs natürlich gleich mal lautstark abgefeiert werden, gibt es wohl andere Tracks auf dem aktuellen Scheibchen und im HF-Backkatalog, die sich als Opener besser eignen würden.

Nichtdestoweniger ist die Stimmung natürlich völlig in Ordnung, und auch beim folgenden "Crimson Thunder" bleibt die Meute frenetisch. Aber fast ein bisschen zu gemächlich beginnt man hier das Set, und das sehr routiniert und schon fast abgebrüht wirkende Stageacting kann mich bislang auch noch nicht wirklich mitreißen. Aber gut, ich habe HAMMERFALL mittlerweile ja auch schon etliche Male live gesehen - irgendwann stellt sich wohl auch als Zuseher eine gewisse Routine ein. Aber wirklich los geht's dann überraschenderweise mit "Legion", ebenfalls vom aktuellen Album - und meine Herren, die Nummer ging aber wirklich ordentlich ab! Positiv fielen mir hier erstens die soliden Backing-Vocals von Neo-Gitarrist Pontus auf, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Metal-Hamster Stefan Elmgren, auch tatsächlich eine anhörbare Stimme hat, und zweitens der Einsatz von Backing-Chören vom Band, die dem Gesamtsound noch ein zusätzliches Bombast-Element verpassen; so gefällt mir das! Nach kurzer Begrüßung der Fans in Wien legen HAMMERFALL auch gleich wieder los - und zwar mit der ersten Single des "Chapter V"-Albums, "Blood Bound". Die dankende Fanschar frisst den Schweden ab jetzt eigentlich eh aus der Hand, und das Spiel ist für die "Templars of Steel" definitiv gewonnen; und so zockt man sich dann bei durchwegs sehr gutem Sound durch alte und neue Hits wie "Heeding The Call", "Last Man Standing", "Riders Of The Storm", "Hallowed Be My Name" und natürlich "Renegade"; und bei den Balladen "Glory to the Brave" und "Between Two Worlds" dürfen dann auch mal die Feuerzeuge gezückt werden. Hach!

Sehr positiv überrascht war ich an diesem Abend übrigens von Fronter Joacim Cans, der ja früher nicht unbedingt den Ruf eines allzu sattelfesten Sängers in der Livesituation hatte - heute ließ er sich aber nicht lumpen, sang seine Parts absolut fehlerfrei, und leistete sich auch mal den einen oder anderen wirklich hohen Ton, den er früher wohl übergangen hätte! Respekt an dieser Stelle! Überraschend fand ich auch die Setlist; so sich nämlich einige Tracks ihren Weg da hineingefunden, die ich nicht erwartet hätte - so etwa "Keep The Flame Burning" vom "Renegade"-Album (das aber leider wohl auf Grund mangelnder Beliebtheit beim Publikum nur sehr verhalten angenommen wurde) oder die erste Zugabe "Trailblazers". Aber dennoch schön, auch mal diese Songs live zu erleben! Zu bekritteln gibt's allerdings leider auch ein paar Sachen: Zum Einen haben sich doch recht viele Spielfehler in die Performance geschlichen; besonders eklatant fiel das etwa bei "Something For The Ages" nach Anders Johanssons kurzem Drumsolo auf, als die ganze Band kurzzeitig aber sowas von überhaupt nicht mehr beieinander ist, dass es schon fast Schmerz; und auch Oscar Dronjak sollte sich eher auf die Rhythmus-Gitarrenarbeit beschränken - bei seinen (dankenswert kurzen) Solo-Einlagen kommt meistens eher unfreiwilliges Schmunzeln auf. Ansonsten passt aber hier alles - schöner Bühnenaufbau (obwohl nichts jemals an die legendäre Zugbrücke der "Renegade"-Tour rankommen wird!), nettes Stageacting, teils ungewöhnliches Set, starke Leistung von Joacim Cans und eine opulente Bühnenschow mit Wasser-Screen (sehr nett anzusehen übrigens bei "Let The Hammer Fall"!) - mittlerweile sind HAMMERFALL halt einfach eine DER Top-Bands des Genres geworden, was nicht zuletzt der hohe Besucherandrang zeigte, und so können sie sich nun auch solche Shows erlauben. Als Zugaben gab's dann das schon erwähnte "Trailblazers", "Let The Hammer Fall" und natürlich das unvermeidliche "Hearts on Fire" - überraschenderweise wurde aber "Hammerfall", das ja ebenfalls traditionell immer jedes HF-Livekonzert beendete, ebenfalls nicht mehr ins Set genommen. Alles in allem ein, wie ich fand, doch sehr gutes HAMMERFALL-Konzert; definitiv eines der besten, das ich von ihnen bis dato gesehen habe. Manchmal wirken die Herren allerdings schon fast ein bisschen zu routiniert im Stageacting, und gar so viele Spielfehler sollten (bei den ja nicht gerade anspruchsvollen Nummer von HAMMERFALL) eigentlich auch nicht passieren. Aber die Stimmung hat definitiv gepasst, und so werde ich auch das nächste Mal wieder gerne vor Ort sein, wenn es wieder heißt - "LET THE HAMMER FALL"!!!


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