Interview: ANDREAS GRUBER - Andreas Gruber

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Ich hatte schon mit fünf Jahren das Bedürfnis, dass ich Stories erzählen muss

Ich besuche einen „Krimi-Abend“ in Purkersdorf und komme mit dem, von mir sehr geschätzten Bestseller Autor Andreas Gruber ins Gespräch und erfahre dabei, dass er ein absoluter Metal-Fan ist, der im Auto, am Weg zu seinen Lesungen und Erledigungen nicht Ö1 hört, sondern sich die Birne wegbangt.

Veröffentlicht am 15.11.2022

Andreas Gruber – Bestseller Autor und Metal-Fan

Ein kalter, nebeliger Abend im Oktober.
Ich besuche einen „Krimi-Abend“ in der Bühne-Purkersdorf und komme mit dem, von mir sehr geschätzten Bestseller Autor Andreas Gruber ins Gespräch und erfahre dabei, dass er ein absoluter Metal-Fan ist, der im Auto, am Weg zu seinen Lesungen und Erledigungen nicht Ö1 hört, sondern sich die Birne wegbangt.
Was liegt da näher, als ihn um ein Interview für STORMBRINGER zu bitten.

Das Ganze läuft wunderbar unkompliziert ab – weder gibt es einen Manager, oder eine Agentur als quasi „Zwischen-Hinderni…. Äh…. Händler“, noch Vorgaben, welche Fragen man stellen bzw. man NICHT stellen darf.

Ich werde von Andreas zum Interview in sein Haus in der Nähe von Berndorf eingeladen und daraus werden aus dem vorab geplanten einstündigen Interview ein sehr nettes, dreistündiges Gespräch, in dem er von seinen Anfangstagen als Comic-Zeichner bis zum heutigen Status als Bestseller-Autor, aber auch von seiner Vorliebe zum Metal in allen möglichen Variationen erzählt. Aber lest selbst...

Andreas, wie hat alles bei Dir begonnen?
A: mit der Schriftstellerei?

Nein, Allgemein. Was war zuerst da, das Lesen, oder das Schreiben? Ich nehme doch stark an das Lesen, oder?
A: Nein, es ist zuerst das Schreiben dagewesen, da ich schon Geschichten zu einem Zeitpunkt erfand, wo ich noch gar nicht schreiben konnte. Da habe ich Comic-Strips gezeichnet.
Ich habe Geschichten in Comic-Strips-Form gezeichnet mit Sprechblasen – da ist halt nichts drinnen gestanden. Da hatte ich schon das Bedürfnis, dass ich Stories erzählen muss – mit 5 Jahren!

Das heißt, Du hast ziemlich viele Comics gelesen, schon als 5jähriger?
Ich habe (stockt kurz) – ich kann mich an diese Zeit nicht mehr gut erinnern, wahrscheinlich hatte ich einige dieser dünnen Micky Maus Hefte, aber die habe ich noch nicht lesen können, da ich noch zu klein war und die Comics, die ich damals gezeichnet habe, handelten davon, dass Micky Maus und Goofy nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel landen und dort versuchen zu überleben, in einem Baumhaus.
Also, was die Serie „Lost“ etliche Jahre später zum Inhalt hatte, habe ich damals schon als Comic gezeichnet.
Wie gesagt, Comics habe ich noch nicht gelesen und vermutlich habe ich nur etliche durchgeblättert und dann die Figuren abgepaust und Geschichten dazu erfunden.Und da war schon der Drang in mir drinnen, dass ich etwas Kreatives machen möchte, Geschichten erfinden und dann ein paar Jahre später, mit 8 oder 9 Jahren habe ich gewusst, ich möchte Schriftsteller werden.
Ich wollte ganz einfach schreiben.
Ich startete auf einer alten Olympia-Schreibmaschine, die meiner Mutter gehörte, ganz klassisch mit dem 2-Finger-System und habe die Buchstaben vorher gezählt, also ich habe ausgetüftelt, wie viele Buchstaben jede Zeile hat damit ich einen Block-Satz zusammenbringe.
Ein Blocksatz ist, wenn es links- und rechtsbündig ist, dass es aussieht, wie eine Buchseite.
Ich habe die Wörter so ausgewählt, dass nicht ausgefranzt ist, sondern das richtig, schöne Buchseiten entstehen.
Da war ich richtig stolz darauf – „ah, schau, eine Buchseite von mir“

Dann hast Du also angefangen, richtige Geschichten zu schreiben?
Im Folgenden habe ich dann immer wieder probiert Kurzgeschichten zu schreiben – auf der Schreibmaschine und habe aber erst dann mit 19, oder 20 Jahren die ersten Geschichten, die ich dann am Computer geschrieben habe, an die ersten Verlage und auch an Literaturagenturen geschickt.
Da habe ich aber nur Absagen bekommen.
Und erst mit 28, 29 Jahren habe ich nochmal versucht, Fuß zu fassen, nochmal Kurzgeschichten verfasst und dann wurden die ersten in Magazinen veröffentlicht. In so genannten Fan-Magazinen – mit 60 – 70 Stück Auflagen…..
Da sind meine ersten Science-Fiction Geschichten entstanden, die dann auch veröffentlicht wurden, war so ca. um 1997 herum.
Da hat es so richtig gestartet mit dem Schreiben UND Veröffentlichen.

Da hast Du dann das erste Feedback bekommen?
Genau.
Da hat es so ein Science-Fiction-Magazin gegeben mit 50, 60, 70 Seiten und diversen Kurzgeschichten und dieses Magazin ist dann in einem anderen Magazin rezensiert worden – die haben sich dann alle gegenseitig rezensiert, da waren halt viele Hobby-Rezensenten unterwegs.
Die haben dann geschrieben „Die Geschichte ist gut, diese ist schlecht ….“
Mir hat das richtig getaugt, dass ich meinen Namen GEDRUCKT in einem Heft gesehen habe und dann sind die ersten Feedbacks von Rezensenten gekommen.

Hast Du das 1. Heft noch, wo Dein Namen zum ersten Mal erschien?
Ja, auf dem Dachboden.
Letztendlich hat es so rund 150 Veröffentlichungen in diversen Magazinen und Buchanthologien mit Kurzgeschichten gegeben. Die habe ich alle aufgehoben, Anfangs in meinem Zimmer, aber aus Platzgründen sind sie dann alle in einem Karton gelandet und auf den Dachboden gewandert.

Das heißt auf gut Deutsch, dass du nicht wie wir Kabarettisten Gags z.B. im Internet recherchiert, oder besser gesagt gestohlen hast, sondern diese Geschichten waren in dir drinnen, oder hast Du dich doch auch inspirieren lassen von Filmen, oder anderen Büchern?
Also, ich bin schon irgendwie von Science-Fiction Filmen inspiriert worden.
Das auf jeden Fall, da ich seit meiner Teenager-Zeit viele Science-Fiction und vor allem Horror-Filme geschaut habe. John Carpenter war eines meiner großen Idole.
Stephen King, Dean R. Koontz habe ich als Jugendlicher viel gelesen und das hat mich ganz sicher inspiriert, aber ich habe ganz sicher keine Geschichte geklaut und nachgeschrieben, sondern versucht, eigene Charaktere, mit einem eigenen Setting, mit einer eigenen Story zu schreiben.

Ich nehme an, Du hast auch Clive Barker gelesen?
Klar habe ich Clive Barker gelesen. Ich habe sogar ein Autogramm von ihm.
Muss aber sagen, dass mir seine „Bücher des Blutes“ deutlich besser gefallen, als seine späteren Romane. Er ist mir zu sehr ins Fantasy abgedriftet.
Bin ja auch ein großer „Hellraiser“-Fan.

Und wie war es mit den „Groschenromanen“ wie John Sinclair, Tony Ballard, Professor Zamorra etc.?
Bevor ich mit Stephen King begann, habe ich Larry Brent, John Sinclair, Professor Zamorra, Tony Ballard und die Gespenster-Krimi aus dem Bastei-Verlag gelesen.
Was ich nicht gelesen habe, war Damona King und Dämonen Killer Dorian Hunter, wusste aber dass es sie gab.
Ich hatte ja nur ganz wenig Taschengeld und konnte mir nicht die neuen Hefte kaufen, sondern bin zu den Roman-Tauschzentralen gegangen und dort konnte man gebrauchte Hefte um 50 Groschen, oder einen Schilling die Hefte eintauschen bzw. um 2, 3 Schilling die gebrauchten Hefte käuflich erwerben.
Was mir neben Larry Brent, John Sinclair, und Professor Zamorra sehr gut gefiel waren die Western-Romane von G. F. Unger. Die lese ich heute auch noch. Die haben einen echt guten Stil.
Kein typischer Groschenroman-Stil, sondern wirklich gut geschrieben.

Die gibt es heute noch?
Der Autor ist schon längst verstorben, doch er hat um die 400, 500 Western-Romane geschrieben und die haben eine sehr hohe Qualität. Und der hat einen knappen Stil, den man schon fast mit Ernest Hemingway vergleichen kann.
Wie gesagt, mit den Groschenroman fing alles an, dann folgten Stephen King, Dean R. Koontz und von denen landete ich dann bei Clive Barker, Shaun Hutson und Joe R. Lansdale.
Das war so die Entwicklung bei mir.

Deine ersten Veröffentlichungen waren dann im Festa Verlag?
Du meinst die ersten Buchveröffentlichungen?
Abgesehen von den Kurzgeschichten in den Science-Fiction-Magazinen und Buchanthologien … das erste Buch war in der Edition Medusenblut, das war ein ganz kleiner Kleinverlag, der sich auf Horror spezialisiert hatte, der hat mein erstes Buch herausgebracht. Das erschien im Jahr 2000 mit 9 Horror-Kurzgeschichten.
Das zweite Buch erschien dann auch bei einem kleinen Verlag, dem Shayol-Verlag aus Berlin, ehemaliges Ost-Berlin – „Die letzte Fahrt der Enora Time – mit einer Auflage von 300 Stück. Das waren 7 Science-Fiction-Kurzgeschichten.
Dann kam ein Episoden-Roman raus, mit einem jiddischen Detektiv in Wien, der so Phantastik-Fälle löste, das war mein 3. Buch.
Mein 4. Buch, gleichzeitig auch mein 1. Roman, erschien dann 2005 im Festa Verlag – „Der Judas Schrein“. Da habe ich es richtig krachen lassen, da der Roman um die 450 Seiten hatte. An dem habe ich über 2 Jahre gearbeitet.

Ich fragte nur, da, wenn ich mir das Angebot vom Festa Verlag ansehe – da erscheinen fast nur mehr Extrem-Horror Bücher.
Der Verlag ändert halt alle paar Jahre sein Programm. Er versucht nur zu überleben, wie alle anderen Verlage auch. Der sieht sich einfach ein, was die Groß-Verlage herausbringen und sucht sich seine eigene Nische, wo er in den Buchhandel reinkommt.
Das sind im Moment eben die extremen Splatter-Sachen, die Gore-Geschichten, dann die alten Grusel-Klassiker aus den 1920er, 1930er Jahren.
Der Verlag erfindet sich alle paar Jahre neu und erfüllt die Wünsche der Kunden, die die großen Verlage nicht bedienen, denn so wie jeder andere Verlag, so muss auch er überleben.

Hast Du damals die ganzen Verlage angeschrieben, oder haben die zufällig Deine Sachen gelesen?
Es war damals so – die Phantastik-Szene und da reden wir über die ganzen Klein- und Kleinstverlage und die Autoren, die dort veröffentlicht haben, alle in den Genres Science-Fiction und Fantasy, also mit dem Überbegriff Phantastik, war eine ganz kleine Szene im deutschsprachigen Raum.
Eine Gruppe von 100, wenn es hoch kommt 150 Leute, die das rausgebracht und geschrieben haben und diese Leute haben sich alle untereinander gekannt. Man traf sich auf Science-Fiction und Horror-Conventions und lernte sich kennen.
Und diese Magazine und Verlage habe ich angeschrieben, Manuskripte eingereicht und je mehr meiner Geschichten veröffentlicht wurden und je mehr Rezensionen diese bekamen, desto bekannter bin ich in dieser kleinen Community geworden.
So bin ich dann zum Festa-Verlag gekommen, der meinte, er würde gerne ein Buch von mir herausbringen und das habe ich dann auch für Festa geschrieben. Da hatte ich noch keine Literatur-Agentur, diese ganzen Kontakte habe ich mir selber geschaffen. Ich muss dazu sagen, es war damals extrem schwierig, als Österreicher in diese Kreise, in diese Szene reinzukommen. Es hat da fast keine Österreicher gegeben, 2, 3 vielleicht. Der Rest war fest in deutscher Hand.
Das war ziemlich mühsam – als Österreicher wurdest Du damals belächelt. Die Einstellung war damals: „Die Österreicher können nicht schreiben“.

Mir kommt vor, dieses Phänomen zieht sich durch die ganze Szene. Österreichische Bands, österreichische Schriftsteller und auch österreichische Kabarettisten.
Ja, richtig. Das habe ich damals extrem bemerkt.
Als Österreicher wurdest Du damals nicht ernst genommen.

Und die Chance hast Du dann beim Festa-Verlag genutzt?
Die Chance habe ich dann genutzt und, Gott sei Dank, ist das Buch gut besprochen worden, hat sogar einen Literatur-Preis bekommen, also einen Genre-Literatur-Preis.
Von da an ist es immer stetig bergauf gegangen.

Ist es bei Dir konstant bergauf gegangen, oder hast Du mal DEN Knaller gehabt?
Es ist immer konstant bergauf gegangen, jedes Jahr ist etwas dazu gekommen, der Bekanntheitsgrad ist gestiegen, die Verlage sind größer geworden, ebenso die Auflagen, die Literaturpreise ebenso und auch die Fan-Gemeinde.
Im Jahr 2010 hat es einen größeren Sprung gegeben, also 1997 habe ich zum veröffentlichen angefangen, mein 1. Buch kam im Jahr 2000 raus, 2010 habe ich dann eine Literatur-Agentur gefunden, die mich unter Vertrag genommen hat, die AVA, von Roman Hocke in München, der hat es dann geschafft, ein Manuskript an den Goldmann-Verlag zu verkaufen.
Der Goldmann-Verlag war genauso wie Heyne, Piper, Rowohlt, Suhrkamp, Fischer, Knaur einer der großen Publikumsverlage. Unerreichbar für einen kleinen Autor wie mich, der halt in der Fan-Szene veröffentlichte.
Und meine Agentur hat, wie vorher erwähnt, dann ein Manuskript von mir an den Goldmann-Verlag verkauft und dieser Roman hat sich 10.000 mal verkauft. Das war für mich damals ein Quantensprung.

Welcher Roman war das?
„Rachesommer“, der 1. Teil aus der „Rache-Reihe“.
Und ab da ging es kontinuierlich bergauf für mich, bis jetzt.

Hast Du zu diesem Zeitpunkt nur mehr geschrieben, oder warst Du noch berufstätig?
Bis 2014 hatte ich einen „normalen“ Job, nebenbei. Oder sagen wir es so, ich hatte einen Job und habe nebenbei geschrieben. Der Job hatte mit Kostenrechnung in verschiedenen Konzernen zu tun, ich habe ja an der Wirtschaftsuni studiert und war 22 Jahre im Controlling.
Ich habe aber relativ bald auf Teilzeit reduziert – zuerst auf 25 Stunden, dann auf 20 und am Schluss nur mehr 15 Stunden in der Woche. Hatte ein relativ kleines Gehalt, dadurch aber mehr Freizeit.
Das lief so ab: Ich kam nach der Arbeit nach Hause und habe sofort geschrieben, nur geschrieben, bis am Abend. Anders hätte ich es gar nicht geschafft, meine Romane zu schreiben.
2010 also meine erste Veröffentlichung im Goldmann-Verlag, 2014 habe ich meinen Job im Controlling an den Nagel gehängt und seit Herbst 2014 bin ich freiberuflicher Autor.

Diesen Schritt hast Du nie bereut?
Nein, habe ich nie bereut. Es hätte aber auch alles schief gehen können.
Ich hatte nie die Option, dass ich wieder zurück in meine alte Firma zurückgehen könnte, das war von Anfang an klar. Die haben gesagt „wenn Du jetzt gehst – zurückgenommen wirst Du nicht!“ Wir sind im Guten auseinander gegangen, aber so war die Firmen-Philosophie und es gab von Anfang an keinen Plan B für mich. Es musste einfach klappen.
Es sah aber damals gut aus, ich hatte einen Vertrag für zwei Bücher, das heißt ich hatte finanziell ausgesorgt für zwei Jahre, wo ich mich in die Romane reintigern konnte und ich hatte meine Literatur-Agentur. Das hat mir die Sicherheit gegeben, dass es zumindest so klappen könnte, dass ich mich finanziell über Wasser halten konnte.

Eine Literatur Agentur, ist das so eine Art Management?
Richtig. Bei einer Literatur-Agentur bist zu als Autor unter Vertrag. Die Agentur nimmt Deine Manuskripte, Deine Ideen und bietet sie auf den Buchmessen den diversen Verlagen an.
So quasi „Ich habe da den Autor Andreas Gruber und der hat einen Roman geschrieben, wollt ihr den kaufen?“ Der Heyne Verlag sagt „Nein“, der Rowohlt-Verlag sagt „Ja, schau ich mir an“, der Goldmann-Verlag sagt „Ja, das interessiert mich, das kaufe ich.“
Dann handelt der Literatur-Verlag einen Vertrag zwischen Verlag und Autor aus, mit allen Konditionen etc. Also er arbeitet für den Autor. So wie wahrscheinlich ein Musik-Management ein Album an ein Label verkauft.

Was mir irrsinnig bei meiner Recherche zu Deiner Karriere getaugt hat, war die Lese-Reise in Japan, wo Autoren nicht vorlesen müssen, sondern die Leute den Autor kennenlernen wollen, da sie ja das Buch selber lesen können. Ganz anders also, als bei uns.
Ich war ja bei der Krimi-Nacht in Purkersdorf, wo 10 AutorInnen aus ihren Büchern vorgelesen haben und ich dachte mir, dass das irrsinnig schwierig ist, die passenden 8 Minuten aus einem Roman zu finden, die die Leute fesselt, bzw. dazu bringt, das Buch zu kaufen.
Es muss für einen Autor die Hölle sein, du darfst nicht zu viel von der Handlung verraten, versuchst einen Teil zu finden, der extrem spannend ist, oder auch witzig – also nicht einfach. Und das in 8 Minuten.

Japan hat mir die Augen geöffnet.
Ich weiß jetzt nicht mehr, in welchem Jahr ich in Japan war, meine Frau hat mich auf dieser Lesereise begleitet. Wir waren bei 5 Terminen in Tokio.
Da wird nichts aus dem Buch vorgelesen, da die Japaner der Meinung sind, es ist reine Zeitverschwendung, da sie das Buch ja selber lesen können. Die wollen den Autor kennenlernen. Genau das wurde später mein Konzept, Ich kam aus Japan zurück und änderte alles.
Seitdem lese ich bei einer Lesereise maximal 15 Minuten aus meinem Buch und die restlichen 1 ¼ Stunden erzähle ich von mir, von meinem Werdegang und über die Recherchen. Damit fahre ich sehr gut.
Ich bin draufgekommen, die Leute sind gar nicht so sehr an dem Buch interessiert, die wollen den Autor kennenlernen. Die Person des Schriftstellers ist für sie noch immer ein Mysterium. Der Schriftsteller, der zu Hause sitzt, die Muse küsst ihn, er bekommt seine Inspiration und dann schreibt er halt.
Wie ist der Alltag von einem Schriftsteller, wie recherchiert er, wie kommt er auf die Ideen? DAS interessiert die Leute und DAS erzähle ich bei den Lesungen.
Ich erzähle über mich, über die Recherchen, über das Buch, über die Handlungen und Figuren darin und dann lese ich ein wenig aus dem Buch vor. Am Schluss dann, und das ist mir wichtig, kommt immer eine Fragerunde mit dem Publikum.
Manchmal klappt es nicht so, da sind die Leute nicht so interessiert, aber manchmal kommen Fragen, wo eine lustige Diskussion mit dem Publikum entsteht. Das taugt mir irrsinnig.

Wie ist das eigentlich so, wenn Du nach einer gelungenen Veranstaltung – die Leute und Du hatten Spaß, es gab viel Applaus – und Du kommst dann alleine ins Hotelzimmer. Hast Du dann ein massives Down?
Ich bin erschöpft, wenn ich dann im Hotel bin.
Es klingt jetzt lächerlich, aber wenn ich jetzt auf Lesetour bin, sagen wir 5 Termine hintereinander, mache ich meine 1 ½ Stunden Programm, dann gibt es die Fragerunde und zum Abschluss noch  Autogramme, und dann vielleicht mit den Besuchern noch an der Bar stehen, dann bin ich komplett erledigt, denn teilweise kommen da immer wieder dieselben Fragen und es wiederholt sich alles.
Du stehst da an der Bar und zum 100.000 Mal kommt da diese Frage „Woher haben Sie ihre Ideen?“ Ich muss gestehen – ich kann diese Frage nicht mehr hören.
Aber ich kann den Leuten keinen Vorwurf machen, die wollen das halt genau wissen, für mich ist es aber extrem anstrengend. Und dann bin ich dann ganz froh, wenn ich im Hotelzimmer bin, ein Down habe ich nicht, aber ich bin geistig komplett ausgelaugt. Ich könnte zu dem Zeitpunkt z.B. keinen Thomas Mann lesen, ich brauche dann irgendwas Triviales.

Also, du liest dann noch im Zimmer, damit Du einschlafen kannst?
Ja, ich lese immer vorm Einschlafen. Ich bin niemand der nach der Lesung  durch die Bars zieht.
Oft fragen Veranstalter, ob ich noch etwas mit ihnen trinken gehen möchte, doch ich möchte lieber ins Hotel gehen. Das ist das Erste, was ich mache wenn ich in ein neues Hotelzimmer einchecke – ich lege mir alles zurecht:  meinen Pyjama aufs Bett, dann meine Lesebrille und ein Buch aufs Nachtkasterl und wenn ich dann am Abend ins Zimmer zurückkomme, ist das ein Stück Heimat für mich.
Da freue mich, wenn ich mich ins Bett lege und solange lese, bis ich einschlafe.

Gibt es ein Buch, das Dich so richtig umgehaut hat. Du liest ja sehr viel. Ein Buch, wo Du gesagt hast: „Wow, Wahnsinn!“
Warte, da muss ich jetzt nachdenken.
Stephen King „Das letzte Gefecht“ und vom selben Autor „ES“. Die beiden Bücher habe ich in meiner Teenager-Zeit gelesen, so mit 19, 20.
Würde ich die in der Jetztzeit lesen, würde ich vielleicht sagen „Das ist ein langatmiger Schas“, da hätte ich richtig Angst davor, die nochmals zu lesen, ich will ich mir meine Jugenderinnerungen nicht zerstören.
Später, wie ich schon ein halber Erwachsener war, kaufte ich ein sehr gutes Buch von Dennis Lehane, einem Autor aus Boston, USA. Einige seiner Bücher wurden verfilmt u.a. „Shutter Island“ von Martin Scorsese, „Gone baby gone“ von Ben Affleck und „Mystic River“ von Clint Eastwood. Von dem gab es auch 5 Thriller über ein Privatermittler-Pärchen.
Da habe ich den zweiten Band „Darkness, take my hand“ zufälligerweise auf einem Drehständer am Flughafen Schwechat gefunden, auf Englisch, da ich damals viel auf Englisch gelesen habe.
Ich war auf dem Weg in den Urlaub und als 29jähriger, also die Zeit wo ich zum Schreiben und zum Veröffentlichen angefangen habe, da bin ich alleine zu so einem „all inklusive“-Club Urlaub in die Türkei geflogen, das war kurz nach meiner Scheidung, da wollte ich einfach auf andere Gedanken kommen und wie gesagt, ich habe mir das Buch gekauft und gedacht „Bist du deppat, das Buch ist gut!“
Die Charaktere waren cool, die Handlung und die Dialoge auch – das Buch war wie eine Offenbarung für mich. Gibt es, meines Wissens nach, mittlerweile auch auf Deutsch, ist aber schon wieder vergriffen. Weiß leider nicht, wie es auf Deutsch heißt.
Damals dachte ich mir, wenn ich Thriller schreibe, möchte ich so schreiben wie Dennis Lehane und sowas versuche ich dann auch. Mit coolen Dialogen, coolen Figuren, vielen Cliffhangern, mit viel Wendungen und einer schnellen Handlung.
Ein Buch, das mich auch ziemlich umgehauen hat, war „Roter Drache“ von Thomas Harris.
Das war so der erste Serienkiller-Roman, den ich bis dahin gelesen hatte, der so in die Psyche eines Serienkillers reinging. Wo ich mir dachte „Wahnsinn, wie stark ist das!“ 
Das waren also so die Lese-Highlights für mich.
Die größte literarische Niederlage für mich war dann „Herr der Ringe“. Das Buch habe ich versucht auf Englisch zu lesen, vielleicht war das der Fehler, aber nach ¾ des Buches habe ich dann abgebrochen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, es war für mich zu zäh.
Wenn ich es als Teenager und auf Deutsch gelesen hätte, wäre ich vielleicht ein großer Fan geworden …

Zu viele Personen?
Nein, zu langatmig. Wobei, ich liebe die Filme, die sind super. Aber, wie gesagt, das zu lesen war zu mühsam. Eines der wenigen Bücher, wo ich abgebrochen habe. Muss ich zu meiner Schande gestehen. Das habe ich nicht durchgehalten.

Ich habe schon nach 2 Seiten aufgegeben….
(Lacht) Das hätte ich vielleicht auch machen sollen.

Ich habe mir schon bei „Game of Thrones“ schwer getan. Ich merke mir ja so schlecht Namen und Begriffe und war froh, wenn jemand in den Büchern starb, da ich mir dann diese Figur nicht mehr merken musste.
(Wieder Gelächter)  Da warst Du ja eh oft froh.

In deinen Büchern steckt viel Liebe drinnen und mir kommt vor, Du schreibst zu jeder handelnden Person so kleine Mini-Romane. Z.B. Sneijder, da gibt es wahrscheinlich eine Hängemappe mit exakter Personenbeschreibung, Steckbrief mit Vorlieben, was er genau macht usw. usw.
Oder irre ich mich da?
Das überrascht mich jetzt, dass Du das sagst. So ist es nämlich NICHT. Es ist nicht so, dass ich zu jeder Figur so ein richtiges Dossier habe.
Es stimmt, da gebe ich Dir recht, dass ich mich bemühe, sogar bei den kleinsten Nebenfiguren, z.B. wenn ein Tatortreiniger bei 2, 3 Kapiteln vorkommt, versuche ich diese Figur so schräg, oder originell wie nur möglich zu machen.
Aber die Personen entwickeln sich alle beim Schreiben, die wurden nicht vorher entwickelt.
Als Beispiel auch: Krzysztof, der polnische Auftragskiller, der ist zuvor im Knast gesessen, der ist ein harter Typ, tätowiert, zäh, trägt seine Kraftbänder an den Armen, hat graue Haare und einen Zopf – aber beim Schreiben entwickle ich diese Figuren.
Ich stelle mir das so vor, als ob es ein Film wäre, wie wenn ich einen coolen Thriller, z.B. von Quentin Tarantino oder Guy Ritchie anschauen würde. Da denke ich darüber nach, wie diese Figuren in dem Film agieren würden, das entsteht beim Schreiben.

Also keine Dossiers – habe ich mich scheinbar sehr getäuscht.
Bei den 2 – 3 Hauptfiguren im jeweiligen Roman, hast Du teilweise recht, aber die Nebenfiguren entwickeln sich beim Schreiben.

In wie vielen Sprachen werden Deine Bücher übersetzt?
Wahrscheinlich aktuell gerade 12.

Ich frage nur, da ich mich wunderte, dass es Deine Facebook-Seite nur auf Deutsch gibt.
Das ist absichtlich so. Die deutschsprachigen Fans sind meine Base, die haben von Anfang an meine Bücher gekauft, mich unterstützt und das ermöglicht und hingebracht, wo ich jetzt als Autor stehe.

Ich fragte nur, da es z.B. bei Bands immer wieder Gruppen in den jeweiligen Landessprachen gibt, z.B. „Ghost Sweden“, „Ghost Germany“, „Ghost France“ usw.
Bei Musik geht das wahrscheinlich leichter, da man sich das Album ja nur – in diesen Fall „GHOST“ – nur auf Englisch anhören kann. Egal, in welchem Land Du lebst, Du kannst es nur in einer Sprache hören.
Bei der Literatur ist es so, dass die ersten drei Sneijder Romane auch ins Niederländische übersetzt wurden, die ersten 3 „Rache“-Romane auf Koreanisch, die Peter Hogart-Romane auf Japanisch.
Jetzt hat jedes dieser Länder nur ein paar Romane zur Verfügung und die Überschneidung ist sehr gering.
Was könnten sich die z.B. auf Englisch erzählen?
Das eine Land: „Dieses Buch ist super.“
Das andere Land: „Sorry, gibt es bei uns nicht.“
Ist dann wahrscheinlich mühsam.

Deine Bücher in den Büchereien zu bekommen ist nicht leicht. Da hat man Wartezeiten von mehreren Monaten.
Nein?

Doch, so ist es. Jedenfalls bei den e-Books.
Das wusste ich gar nicht.

Dich zu bekommen ist teilweise eine Lebensaufgabe. Ich fahre ja jeden Tag viel mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und da sitzen die Leute und starren nur in ihr Handy. Kein Mensch liest.
Wer liest Deine Bücher, oder wo werden die gelesen?

Vielleicht lesen die Leute am Handy.

Hast du unterwegs schon mal jemanden getroffen, der gerade eines Deiner Bücher liest und bist spaßhalber hingegangen um einen Spruch wie „Das Buch ist ein Schas, lesen sie lieber den Aichner“ losgelassen?
Pass auf, das ist eine wahre Geschichte:
Ich muss nach einer Lesung ein Flugzeug benutzen. Ich betrete den Flieger, gehe zu meinem Platz, setze mich hin und neben mir sitzt eine junge, hübsche Dame und die liest gerade „Rachesommer“. Ich schnalle mich an, mache mich bereit für den Flug und frage die Dame „Wie gefällt ihnen das Buch?“ Sie so „ja, eh nicht so schlecht“ Sie war schon bei den letzten 10 Seiten. Ich denke mir „Ok, sie findet es eh nicht so schlecht“ und warte, bis sie es zu Ende gelesen hat.
DANN gebe ich mich zu erkennen.
Also sie hat das Buch fertig, packt es in die Tasche, wir sind inzwischen in der Luft und ich sage „Ich habe sie vorhin deshalb gefragt, wie Ihnen das Buch gefällt, da ich das Buch geschrieben habe. Ich bin der Autor.“
Sie sieht mich an, kramt in der Handtasche herum, ich glaube sie will das Buch herausholen, um es von mir signieren zu lassen…… TROMMELWIRBEL!!!! - Sie nimmt aber ihr Handy heraus, dreht es auf und spielt für den Rest des Fluges irgendein Spiel darauf. Die hat KEIN Wort mehr gesprochen. Den ganzen Flug nicht mehr! Wahrscheinlich dachte sie, das ist eine plumpe Anmache, ich will sie vielleicht anbaggern. 
GELÄCHTER - War eine sehr interessante Erfahrung.

Besser, als wenn sie einen Pfefferspray rausgenommen hätte….
Mir war das echt peinlich. Habe dann den restlichen Flug darüber nachgedacht.
Habe das aber nicht mehr aufgeklärt.   LACHT  Sonst ist mir das noch nie passiert, dass ich jemanden mit einem meiner Bücher gesehen habe, weder in der U-Bahn, noch im Urlaub.

Wie wichtig ist das Feedback Deiner Fans für Dich?
Wichtig für mich ist einmal das Feedback meiner Testleser im Schreibprozess. Ich habe 10, 15 Testleser, die mich schon viele Jahre begleiten.
Ein Feedback, ob das Ganze jetzt spannend, stimmig, flüssig, plausibel, oder langweilig ist. Oder auch konfus. Dann ist das Feedback meiner Lektorin wichtig. Und dann harrst Du bis zur Veröffentlichung, bis die ersten Rezensionen kommen. Da bibberst Du und schwitzst Du Blut, da es vielleicht ja ein totaler Flop wird und alle Leute sagen „Das ist diesmal aber ein Schas“
Und dann kommen die ersten Buchbesprechungen, die ersten Rezensionen – und das ist für mich dann extrem wichtig. Genau da, wenn Du die ersten 10 Rezensionen liest, hast Du schon die erste Richtung, in die die Kritiken zu dem Buch gehen werden. Wie die Fans das auffassen.
Das ist für mich ein extrem wichtiger Zeitpunkt, wo ich sage „Gott, sei Dank. Es gefällt ihnen“, oder „Verdammt, das Buch habe ich jetzt verkackt. Das ist jetzt unten durch.“

Das ist Dir aber noch nicht passiert?
Das ist, zum Glück, noch nicht passiert. Aber es wird eines Tages passieren, denke ich mir. Es kann nicht sein, dass JEDES Buch von den Fans gefeiert wird.
Oft denke ich mir, das ist nur Zufall, oder großes Glück.

Wie viele Romane planst Du noch mit Sneijder & Co?   ACHTUNG SPOILER!!!!!!!
Das weiß ich schon. Die Reihe ist auf 9 Teile ausgelegt. Dann ist es vorbei.
Am Ende vom 9. Teil……..

NEIN, BITTE NICHT!!!!
Also am Ende vom 9. Teil gibt es …..   ZENSUR ZENSUR ZENSUR

Darf ich das ins Interview reinnehmen?
Es ist eigentlich ein Geheimnis gewesen, dass die Sneijder-Reihe auf 9 Teile ausgelegt ist, aber die Josefine Preuss, die in den Verfilmungen die Sabine Nemez spielt, hat das in einem Interview verraten …

DANKE!!!
Damit ist es jetzt offiziell und das wissen jetzt eh schon viele Leute.

Und danach? Planst Du neue Thriller, Science-Fiction-Romane, oder sogar einen Horror-Roman?
Zwei Horror-Romane habe ich ja schon geschrieben, aber ich habe seit 20 Jahren ein Science-Fiction-Manuskript in meiner Schublade liegen.
Eine Space-Opera mit Raumschiffen, Raumschlachten, Robotern, alles Möglichem… Das möchte ich endlich einmal überarbeiten und herausbringen. In einem Kleinverlag.
Das wird sich nicht verkaufen wie ein Sneijder-Roman, das ist mir klar, ist ja ein Science-Fiction-Roman, aber es ist eine Herzensangelegenheit von mir.

Sneijder-Romane sind absolute Bestseller?
Ja, die Sneijder-Romane verkaufen sich am Besten.
Auf Platz 2 folgen dann die „Rache“-Romane, dann die „Peter Hogart“-Reihe, dann „Herzgrab“, ein eigenständiger Roman, danch kommt lange nichts… LACHT
Dann kommt seeeeehr lange nichts….
Und dann kommen meine Horror-Romane, die Horror-Kurzgeschichten und die „Code Genesis“-Romane, eine Jugendbuch-Serie.

Finde es interessant, dass etliche, heute bekannte Persönlichkeiten wie z.B. Torsten Sträter mit Horror-Romanen gestartet sind. Torsten Sträter kennst Du?
Ja, kenn ich – und pass auf, das ist jetzt richtig tragisch.
Die Sträter-Kurzgeschichten waren, für mich, die BESTEN je veröffentlichen Kurzgeschichten- auch im internationalen Vergleich,  generell - EVER. Der hat ein super sprachliches Talent, saugute Ideen, das ist so gut geschrieben, ich liebe alle 3 Kurzgeschichten-Sammlungen von ihm.
Und dann geht der in die Kabarett-Szene!!!!

Also, ich finde ihn super!
Ja, eh, aber ich möchte seine Kurzgeschichten weiter haben!
Er hat so gute Bilder, Methapern. Er ist ein echtes Genie, was das betrifft. Ewig Schade!

So, ich würde jetzt gerne zu den Musik-Fragen rüber schwenken….
Hast Du jetzt alle Frage zu den Büchern durch?

Ja, falls mir noch etwas einfällt, frage ich einfach dazwischen, oder… Doch, Deine Hauptfigur aus der „Rache“-Reihe, Pulaski spielt ja im letzten Sneijder-Roman „Todesrache“ mit. Planst Du weiter Crossover in Deinen nächsten Büchern?
Das war eine einmalige Angelegenheit, diese Crossover-Geschichte.
Ich möchte schon weitere Crossover planen, aber es muss wirklich zur Handlung passen, es darf nicht gewollt sein. Es darf nicht mit der Hammer-Methode sein, dass ich die Figur in die Handlung reintreibe. Die wirkt dann so wie ein Fremdkörper.
Ich schreibe ja gerade den „Rachefrühling“, den 4. Pulaski-Roman und da wollte ich einen Gastauftritt von „Peter Hogart“ einbauen, das ist der Privatdetektiv aus „Die Knochennadel“, oder „Die schwarze Dame“ (eigene 3 teilige Serie – UNBEDINGT lesen – Anm. d. Verfassers), aber es hat einfach sehr gekünstelt gewirkt, dass er plötzlich auftaucht. Der kam wie ein Fremdkörper rüber, das hat nicht reingepasst. Darum habe ich ihn wieder rausgenommen.
Also, Crossover ja, aber es muss auch wirklich stimmig sein und nicht um jeden Preis.

Es hat ja in den „Groschenromanen“ immer wieder Crossover gegeben, John Sinclair tauchte bei Tony Ballard auf, oder Professor Zamorra bei Damona King etc. etc.
Das waren richtige Highlights damals!
Die 2- oder 3 Teiler waren echte Highlights und dann auch die Crossover!

Es folgt eine kurze Diskussion über die John Sinclair-Romane, Perry Rhodan, die Entwicklung der Handlungen und den heutigen Wert dieser Romane und da ich den von mir sehr geschätzten Autor nicht noch viel länger von seiner Arbeit abhalten möchte, versuche ich zu den Musik-Fragen zu schwenken. Funktioniert aber nicht so.

Ich beneide Autoren ja, da man so richtig in ihre Welt eintauchen kann. Jeder Leser hat seine eigenen Bilder im Kopf, jeder stellt sich die Orte anders vor, oder auch die Hauptakteure wie Sabine Nemez, oder Maarten S. Sneijder.
Ja, manche Leute haben mir geschrieben, dass sie so enttäuscht waren, wie sie den Film gesehen haben, da sie sich z.B. den Sneijder vorgestellt haben, wie die TV-Figur „Columbo“. Klein, ein  bisschen dick, und das ist interessant.
Er wird ja immer als dünn und groß beschrieben, aber manche haben trotzdem die Vorstellung, dass er ganz anders aussieht. Das ist ja auch ok, jeder stellt sich die Figuren anders vor. Das ist ja auch der Grund, warum es Verfilmungen so schwer haben, da jeder Leser seine eigene Fantasie hat, was ja sehr schön ist.

Warst Du mit den Verfilmungen zufrieden?
Mir haben beide sehr gut gefallen.
Bin aber einer der Wenigen…. GELÄCHTER

AH, Du warst der eine Zuschauer!
Ja, ich war der Zuschauer!
Bin einer der Wenigen, die echt begeistert waren, da ich von befreundeten Autoren-Kollegen weiß, was man bei einer Verfilmung alles falsch machen kann. Ich war echt heilfroh, dass sie es SO verfilmt haben.
Ich finde die beiden Filme super, sie gefallen mir echt gut, verstehe aber die Kritiker, die meinen „Die Figuren sind anders, die Handlung ist anders“. Das verstehe ich alles, da ich als Fan auch will, dass das Buch 1 zu 1 verfilmt wird. Als Autor weiß ich aber, ok, man muss Kompromisse eingehen, wo es nicht anders geht.

Es folgt wieder eine kurze Diskussion über andere Verfilmungen, z.B. über dieses filmische Verbrechen von RTL (oder Pro Sieben) namens „John Sinclair“ und die Verfilmung eines Perry Rhodan-Buches, aus den 70ern. Empfehlung des Autors – die Dylan Dog-Verfilmung, die gar nicht mal so schlecht ist. Gut, jetzt zur Musik.
Deine ersten Berührungen mir der „harten“ Musik.

Gotthard Rieger

GRs Rockshow?
Nein, „Hard Rock Café“ hat das damals geheißen. Und da hat er immer gesagt, das war DIE Sensation damals, dass er die Songs komplett ausspielt, damit die Leute die Songs aufnehmen können.
Er hat die Leute richtig darauf hingewiesen, dass sie auf den REC-Knopf drücken sollen. Wahnsinns-Unterschied zu Sendern wie Ö3, wo die Moderatoren immer in den Song reingequatscht haben. Da habe ich damals die Songs mithilfe von Musikkassetten aufgenommen und….

Kurzer Schwenk zum damals 9, 10 jährigen Andreas Gruber
..
und eine der Bands, die ich damals so richtig bewusst gehört habe, waren THE BEATLES, THE BEACH BOYS waren auch super und CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL.

Schwenk zurück zu den Kassettenaufnahmen –
Die erste aufgenommene „harte“ Musik war aber „Lazy“ von DEEP PURPLE, in der Live-Version von „Made in Japan“.Der Song beginnt mit einem ganz wilden Gitarrensolo und dann kommt diese Bluesrock-Nummer und da habe ich gewusst „Bist du deppat, DAS ist genau Meines!“ Das war härter als BEATLES, BEACH BOYS, oder CCR.

Mein erstes Album war dann DEEP PURPLEs „In Rock“ und „Back in Black“ von AC/DC, das war so um 1980 herum. Ab da an habe ich gewusst, dass mir Hard Rock gefällt. Ah, bevor ich es vergesse – QUEEN habe ich vorher auch noch viel gehört. Dann kam ich relativ schnell zu IRON MAIDEN mit „The Number of the Beast“. Alleine der Titelsong selber – bei DER Gitarrenarbeit kamen mir vor Freude die Tränen.
Dann ging alles ganz schnell, innerhalb einer Sommerferien-Periode entdeckte ich dann von SAXON  „Wheels of Steel“ und „Strong arm of the Law“ und das geile Live-Album „The Eagle has Landed“.
War damals alles NWOBHM (New wave of british Heavy Hetal). Ich wusste nicht, dass das damals so hieß, aber ich wusste, es war super!

Mein Weg führte dann über SAXON zu MOTÖRHEAD, JUDAS PRIEST und dann, das sage ich mit großem Stolz - meine Freunde und ich haben den „Speed Metal“ erfunden. Tatsache!
Wir haben nämlich die LPs von MOTÖRHEAD und JUDAS PRIEST auf 45 (Tempo Einstellung bei Schallplattenspielern) gespielt und die Bässe VOLL aufgedreht, damit es nicht so schrill klingt.
Dann hat es den „Metal Hammer“ gegeben, ich glaube die ersten Ausgaben erschienen 1983, 1984 und da wurde wirklich der Speed-Metal erfunden. Ich habe damals schon in Niederösterreich gewohnt und meine Freunde und ich sind dann nach Wien zum „MEKI“ gefahren. Das war ein Schallplattengeschäft in der Nähe vom Karlsplatz und dort haben wir uns die ersten LPs von „METALLICA“ und „SLAYER“ gekauft. Bands, die im ersten Metal Hammer besprochen wurden.

Ich kann mich noch erinnern, wie ein Freund die „Kill em all“ abgespielt hat und wir uns alle dachten:  „Ha, Du willst uns jetzt verarschen. Du spielst die jetzt auf 45 ab, wie wir es immer gemacht hatten“. Und er meinte nur „Nein, die ist nicht auf 45, die ist ORIGINAL so!“ Wir haben unser Leben nicht mehr gepackt – DAS WAS DAS, WAS WIR IMMER HÖREN WOLLTEN!!!! „Kill em all“ war die größte Offenbarung überhaupt.
Beim Flohmarkt Kettenbrückengasse habe ich mir dann bei einem Stand extrem viele „Bootlegs“ vor allem von Iron Maiden gekauft. Der Händler dort hatte viele Importe aus Holland mit extrem grindiger Qualität und ich habe die auf Kassette überspielt, vorher noch hochgetunt und es hat dann wirklich besser geklungen als auf der Schallplatte.

Und dann kauftest Du Metal quer durch den Gemüsegarten, wie man so schön sagt?
Ich war dann ein großer Fan von RUNNING WILD und von MERCYFUL FATE und KING DIAMOND, da die extrem komplex gespielt haben.
Mit unberechenbaren Rhythmus- und Tempo-Wechseln, wechselndem Gesang zwischen Hoch und Tief, es wurden in den Songs Stories erzählt und die Songs dauerten oft bis zu 10 Minuten. Das hat mir irrsinnig getaugt, also bin ich ein großer MERCYFUL FATE-Fan geworden Dann war ich noch ein Fan von RAVEN, die mir bis heute sehr gut gefallen.

Als kleiner Ausflug-Tipp. METALLICA spielen jetzt ein spezielles Konzert in Las Vegas, nur mit Klassikern aus den Jahren 83 bis 86 und Raven spielen im Vorprogramm.
RAVEN haben einen sauguten Gitarristen.
SLAYER waren mir damals eine Spur zu hart, damals halt als Teenager, die waren mir zu wild und rau – ich weiß, das klingt jetzt ein wenig paradox. ABER dann erschien „Reign in Blood“ und die war grandios. Witzigerweise, war die aber viel härter als die Vorgängeralben von ihnen.
Sagen wir so - „Hell awaits“ und „Show no mercy“ waren mir zu schrill, „Reign in Blood“ war viel besser abgemischt. Man kann natürlich darüber streiten, ob es viel härter war, aber dieses Album machte mich zum SLAYER-Fan. ANTHRAX haben mir sowieso immer gefallen, MEGADETH war mir zu „dünn“, also der Sound, vor allem der alten Alben. Warum lachst Du?

Ah, nix. Ich finde es nur extrem interessant, wie Leute ihre Favoriten und Nicht-Favoriten beschreiben.
Ah, so. Zurück zu MEGADETH, die „Rust in Peace“ hat mir dann supergut gefallen. Hm, was hat mir damals noch sehr gut gefallen?

Vielleicht fällt mir noch einiges im Laufe des Interviews ein. Du bist dann wahrscheinlich viel auf Konzerte gegangen?
Ja, aber nur in Wien. Wir sind jetzt nicht z.B. nach München gefahren, sondern blieben in Wien. Da hat es als Konzertort vor allem die Arena gegeben. Und dort haben wir auch viele österreichische Bands gesehen. Bands wie BLOWIN FREE, NO BROS, die habe ich leider nie live gesehen, die waren damals schon zu berühmt, dann gab es noch BLIND PETITION, die haben damals viel auf den ersten Donauinsel-Festen gespielt. SEXTIGER gab es noch …
Leider habe ich auch nie DRAHDIWABERL live gesehen, aber BLIND PETITION haben wir extrem gut gefallen. Vor allem das Live-Album „Tschingo-Bingo“ war sensationell. BLIND PETITION war extrem nah an der Musik der NWOBHM dran.

Eine kurze Diskussion über die Live-Erfahrungen mit BLIND PETITION aus der Sicht von Andreas Gruber und mir entwickelt sich…. Andreas reagiert auf meine Eindrücke, dass die harte und leiwaunde Musik von BLIND PETITION öfters nicht zur Optik ihrer Sänger passten, da einige, die ich gesehen habe, sehr Poser-mäßig rüber kamen.
So richtig sympathisch waren sie nicht, dass stimmt. Ich muss aber dazu sagen, dass ich zu wenig über die Band wusste. Sie sind mir wie eine Mischung aus saufende Proleten und Motorradgang vorgekommen, die nicht wussten, ob sie Rocker, oder Musiker sein wollen, dasselbe galt auch für ihre Fans. ABER die Musik war grandios und hat mir extrem gut gefallen. Was mich auch noch sehr begeisterte, war das Live-Album von NO BROS „Heavy Metal Party“

Das war halt der Beginn meiner Metal-Phase, wo ich mich total wohl gefühlt habe: Die ersten Metal-Hammer-Ausgaben, der regelmäßige Besuch beim „MEKI“, die Donauinsel-Festivals. Da gab es so viel zu entdecken, alles war neu, Internet gab es noch nicht, da hat man noch nichts recherchieren können. Da bist Du halt zum „MEKI“ gefahren, da gab es diesen Typen mit langen schwarzen Haaren, der in irgendeiner Band gespielt hat. Ich glaube, er war sogar Mitglied bei PUNGENT STENCH. Er hat auf jeden Fall Martin geheißen. Vielleicht war er aber auch nur ein Roadie von PUNGENT STENCH. Der hat uns alles Mögliche über die Bands erzählt, uns Alben empfohlen, da er genau wusste, was uns gefiel.
Wir waren so ca. 15, er war schon 19, also schon sehr erfahren und unser ganzes Taschengeld ist für Schallplatten draufgegangen und wir haben das klug gelöst. Einer unserer Clique hat nur Speed-Metal gekauft, einer nur Thrash, der andere nur  KISS  usw. usw. Dann haben wir zuhause für die anderen die jeweiligen Alben auf Kassette überspielt.

Eh so, wie wir alle.
Anders ist es, rein aus finanzieller Sicht, nicht gegangen.

Also Du warst viel auf Konzerte, aber Autogramme hast Du Dir nie geholt.
Autogrammjäger bin ich nie gewesen. Mir fällt gerade ein. Abgesehen von der ARENA hat es noch das FRITZ gegeben.
Dort habe ich zum ersten Mal HALLOWEEN gesehen und als Headliner OVERKILL.
Da habe ich einen Kassettenrekorder reingeschmuggelt und das Konzert aufgenommen. Ich habe also ein eigenes Bootleg produziert, auf Kassette. War aber schrecklich zum Anhören, es hat nur gerauscht. Habe ich zuvor vergessen, war auch ein totaler OVERKILL-Fan.

Blitz und Co.
Ja, ja. Der Blitz. Komischer Typ, Komische Figur. Aber trotzdem grandiose Musik.

Und in letzter Zeit? Irgendeine Band, die Dich richtig vom Hocker gehaut hat?
In letzter Zeit umgehaut hat mich, spät, aber doch entdeckt, UFO, die hatte ich nie am Schirm gehabt. Ich glaube, da hat eine Zeit ja der Michael Schenker mitgespielt.
Von den neueren Band, also relativ neueren Bands, die ich als Erwachsener entdeckt habe war vor 10 Jahren,  PRO PAIN, TYPE O NEGATIVE und z.B. auch die H-BLOCKX, wobei ich immer der Meinung war, Rap und Metal passt nicht zusammen, aber H-BLOCKX fand ich genial.
Auch Bands, die so ein wenig in die Gothic-Richtung gingen wie HIM fand ich sehr gut und beim melodiöseren Metal NIGHTWISH.

Hast Du eigentlich genug Zeit, um immer neuere Sachen, bzw. Bands für Dich zu entdecken? Gehst Du auf YouTube und lässt den Algorithmus für Dich arbeiten?
Wenn mich etwas interessiert, oder wenn mir etwas empfohlen wird, bestelle ich mir die CD, oder kaufe die Downloads und bastle mir selber die CDS inkl. Cover. Ich will das Produkt haptisch in der Hand haben.
Zu Hause höre ich überhaupt keine Musik, dafür fehlt mir die Zeit, dafür aber dauernd beim Autofahren. Schon seit vielen, vielen Jahren höre ich Musik rein beim Autofahren und es war extrem mühsam für mein neues Auto, dass ich seit 2 Jahren habe, einen externen CD-Player zu bekommen, den ich über den USB-Stecker anhängen kann. Da hat der Händler gemeint, ich soll doch die CDs rippen und über den USB anhören. Ich habe nur gemeint, dass ich sicher keine 4.000 CDs rippen werde.
Ich will, wenn ich jetzt z.B. auf Lesetour unterwegs bin und ich 15 Stunden im Auto sitze, meine Musik hören und da suche ich mir schon vorher meine CDs raus, so ca. 20 CDs und die höre ich mir auf der Fahrt der Reihe nach an.

Ich nehme jetzt an, Du hast keinen E-Book-Reader, sondern Du möchtest noch ein „echtes“ Buch in der Hand halten.
Ja, richtig. Ich möchte richtige, physische Bücher in der Hand halten. Meine Frau hat einen E-Book-Reader, die schwört darauf, die liest aber viel mehr als ich, aus Zeitgründen. Wenn wir in den Urlaub fahren hat sie so rund 10 Bücher am E-Book-Reader dabei und ich schleppe die schweren Bücher mit.
Im letzten Urlaub habe ich mir 15 Bände der Hardcover Ausgaben von „The Walking Dead“ mitgenommen. Habe dafür weniger Gewand mitgenommen. Das ist mir wichtig - dass ich die in der Hand habe.

Du hast aber nur CDs, keine Vinyl-Alben?
Nicht mehr. Ich hatte etliche Alben auf Vinyl, habe aber keinen Plattenspieler mehr, doch die Alben und vor allen die Picture-Discs und andere Sammelstücke, vor allem von KING DIAMOND und IRON MAIDEN, stehen jetzt am Dachboden.

Das heißt, Du hast nichts hergegeben, oder verkauft?
Doch. Wie ich meine Speed-Metal-Phase hatte, habe ich all meine Rock-Sachen verkauft, wie ich meine Thrash-Phase hatte, dann meine NWOBHM-Platten usw. Ich habe immer wieder so ca. 20 LPs verkauft und um das Geld 10 neue LPs gekauft. So hat das immer rotiert und rotiert. Ich würde sagen, ich hatte so ca. 250 LPS und jede Menge Musikkassetten und davon habe ich jetzt nur noch ca. 70 Stück.

Wie groß ist jetzt Deine CD-Sammlung?
Ca. 4000 Stück.

Und welche Bands haben die live so richtig umgehaut?
H-BLOCKX - Die habe ich, ich glaube es war am „Aerodrome“ in Wr. Neustadt gesehen. Kannte ich vorher nicht,
MOTÖRHEAD habe ich dort zum ersten Mal live gesehen. Wir standen da auf einem Hügel und zwischen uns und der Bühne lagen gefühlte 700 Meter. Man konnte gerade noch etwas von der Band hören und sich gut unterhalten und um 16.00 Uhr spielten Motörhead, da konnte man sich plötzlich nicht mehr unterhalten. Der Sound hat einen ganze einfach davongeblasen.
H-BLOCKX haben mich da wirklich begeistert, die hatten, trotz der mir nicht favorisierten Mischung aus Rap und Metal, dieses gewisse Etwas, gute Songs und eine tolle Bühnenshow. Extrem gut, diese Band.
APOCALYPTICA haben mich live auch überzeugt, diese Art und Weise, wie die auf ihren Cellos, Metal-Songs nachspielten – unglaublich.
HIM waren toll und eines der besten Konzerte ever war im Bank Austria Zelt in Wien
DIE ÄRZTE, das war kurz nach ihrer Reunion, nachdem sie „Die Bestie in Menschengestalt“ herausgebracht hatten. Da haben sie einige Songs vom neuen Album gespielt und vor allem viele, viele alte Sachen und die Leute haben jeden Song Wort für Wort mitgesungen, alle sind herumgehüpft und die Stimmung war sensationell.
Das war mit Abstand mein bestes Live-Konzert. Und das lausigste Konzert – wäre das auch eine Frage von Dir gewesen?

Nein, sag es mir!!!
Das lausigste Konzert, das ich je gesehen habe war……..    MANOWAR…..!!!!!

Sag jetzt nicht, DAS Konzert in der Halle beim Prater, wo sie das Konzert abgebrochen haben!
Doch. Wo die Bierbecher auf die Bühne geflogen sind. Da warst Du auch dabei?

Ja, war das einzige Konzert in meinem Leben, wo ich mir in der Halle die Kronen Zeitung gekauft habe und mich aufs Klo verzogen habe……
Warst Du derjenige, der das Bier geworfen hat??????

Nein, ich würde nie einen Musiker mit Bier bewerfen. Das tut man einfach nicht!
Moment, Moment

Warst Du der Werfer????
Nein, ich bin viel zu weit hinten gestanden. Irgendwer hat da ein Bier geworfen, da bin ich bei Dir, sowas macht man einfach nicht.
Aber, als Musiker macht man sowas aber auch nicht, dass man sagt „Wenn nochmal ein Bier auf die Bühne fliegt, dann komme ich runter und der Werfer geht ins Krankenhaus….“
Das braucht man Wiener Rockern nicht zu sagen und es war klar, dass da noch etliche Bierbecher rauffliegen werden wie nur was. Die Fans wollten es halt wissen, ob das wirklich so ist. MANOWAR haben das Konzert abgebrochen und angekündigt, „Austria is finished forever“.
Aber sie sind halt Poser und sind wieder nach Österreich gekommen. Keine Typen, die zu ihrem Wort stehen. Aber, um die Lanze für MANOWAR zu brechen, ich bin ja ein großer MANOWAR-Fan. Auch wenn das Poser-Metal ist. Ist mir egal. MANOWAR taugen mir einfach.

Die ersten Alben sind auch sensationell!
Die ersten Alben sind Wahnsinn! Die ersten 4 Alben sind die größten Dinge im Metal überhaupt.
Also, noch einmal. Um die Lanze für MANOWAR zu brechen. Ich habe mal ein Konzert von ihnen gesehen, da haben es die Roadies mit der Nebelmaschine zu gut gemeint. Es war weder von der Band noch von der Bühne etwas zu erkennen und da hat die Band gemeint, „Ok, wir beginnen das Konzert noch mal von vorne“
Das fand ich super, dass sie wirklich nochmal gestartet haben.

Hörst du beim Schreiben keine Musik? Du lässt Dich von nichts ablenken. Kein Handy, nichts?
Richtig. Kein Internet, kein Handy. Da versuche ich mich zu konzentrieren.
Was ich schon mache, ist, dass ich mir Film-Musik anhöre.
HANS ZIMMER z.B., oder die Film-Musik von „RAMBO“ von JERRY GOLDSMITH, ebenso die Soundtracks der Tarantino und Guy Ritchie-Filme. Wenn es halt zur Stimmung passt und ich muss etwas Cooles schreiben, inspiriert mich Filmmusik, oder auch Bahnfahrt- oder Gewitter-Geräusche in Endlos-Schleife, kann man sich auf YouTube anhören. Kommt immer auf die Stimmung an.
Romane schreibe ich ja immer auf meinem Laptop im Wintergarten und die ganzen bürokratischen Sachen erledige ich in meinem Arbeitszimmer. Recherchieren, überarbeiten, Facebook, E-mail, Interviews schreiben – das alles passiert in meinem Schreibbüro. Dort kann ich einfach nicht kreativ arbeiten, da sind tausende CDs, Bücher und DVDS um mich herum. Das lenkt mich ab. Ich schaue z.B. ins Narrenkastel, sehe die DVD-Hülle und denke mir „Ah, was ist der neue James Bond? Da schaue ich mir jetzt den Trailer an.“ Unten im Wintergarten gibt es Nichts, was mich ablenkt. Es ist wie ein Büro-Job für mich.
Etwas, was ich auch mittlerweile kann, das musste ich aber erst lernen, dass ich unterwegs z.B. im Zug schreiben kann, nach, oder vor der Lesung im Kaffeehaus, oder Hotelzimmer. Oder auch im Restaurant. Auch wenn es dort laut ist, Remmidemmi, stört es mich auch nicht mehr. Wenn da ein konstanter Lärm-Pegel ist, kann ich schreiben. Es darf aber nicht sein, dass das komplette Kaffeehaus leer ist und am Nebentisch sitzen zwei Leute, die sich lautstark unterhalten – da bin ich auch abgelenkt.

Und wenn du jetzt auf der Autobahn mit 130 km/h unterwegs bis und plötzlich DIE IDEE, DER TWIST fürs nächste Buch….
Das kann auch passieren. Von MOTÖRHEAD gibt es einen Song „One more fucking time“. Das war beim Hören die Initialzündung für eine Science-Fiction-Kurzgeschichte. Ein verdammtes Mal noch muss der Held in einen Krieg ziehen und ein Monster vernichten. Keine Ahnung, um was es in diesem Song ging, aber beim Anhören entstanden diese Bilder bei mir im Kopf und wenn so etwas passiert, muss ich bei einer Raststation stehen bleiben, oder wenn ich gleich zuhause bin, muss ich das sofort aufschrieben, sonst ist die Idee weg. Also es passiert schon, dass mir bei Teilen eines Songs Ideen kommen und die muss ich sofort aufschreiben..

Schon mal passiert, dass Du Ideen wieder vergessen hast, da Du sie nicht rechtzeitig aufschreiben konntest?
Ich sitze am Heimtrainer und sehe mir irgendeine TV-Serie an und da kommt irgendeine coole Dialogzeile vor. Ich denke mir „Ah, da könnte man so reagieren und das, oder das drauf sagen.“ Und das würde perfekt zu einer Szene in aktuellen Buch passen. Ich schreibe es natürlich NICHT auf, „das merke ich mir schon“.
Ich schaue die Serie weiter und 20 Minuten später habe ich KEINE Idee mehr, was für ein Dialog das gewesen ist. Bin aber zu faul, dass ich mir die ganze Folge nochmal ansehe….
Oft sind Ideen einfach futsch, aber das zeigt mir einfach, dass ich auf Pause schalten muss um mir zumindest ein paar Stichworte aufzuschreiben.

Du musst ja wirklich viel recherchieren. Sich in einen Profiler reinzuversetzen und das Ganze auch noch schlüssig aufzuschreiben ist ja eine eigene Kunst. Hast Du viele Gehilfen?
Na ja, Ich habe 10 – 15 Testleser. Das sind Freunde und Bekannte, Autorenkollegen und Verwandte von mir. Die lesen das Manuskript in der Rohfassung und geben mir Feedback, ob alles stimmig, schlüssig und spannend ist.
Ob das Timing passt, ob die Figuren interessant sind, ob die unsympathischen Figuren auch wirklich unsympathisch sind und dann habe ich einen Haufen Leute, Gerichtsmediziner, IT-ler, Leute von der Kripo, Mediziner usw. denen ich Fachfragen stellen darf. Psychologinnen erklären mir diese Dinge, und mit denen erarbeite ich dann Themen für diesen Roman.

Die Autistin MIYU, Ich habe genau gewusst, DIE wird im nächsten Buch eine größere Rolle bekommen ….
Im vorigen Roman, der in Norwegen spielte, ja, da kommt Miyu auf Seite 38 kurz vor. Vielleicht hatten schon viele Leser da den gleichen Verdacht wie du, da sie mit Liebe eingeführt wurde. Wegen Miyu habe ich mich auch mit einer Ärztin in Wien getroffen, die Spezialistin für Autismus ist und auch das Thema erforscht. Diese Dame hat sich dankenswerterweise Zeit für mich genommen und wir sind die ganzen Szenen mit Miyu durchgegangen.
Wir haben einmal genau definieren müssen, wie Miyu eigentlich so drauf ist, und da hat mir die Ärztin genau gesagt „Das passt“, oder „Nein, Miyu würde sich so, oder so verhalten“

Besuchst Du heute noch viele Konzerte?
Nein, ich bin nicht mehr der große Konzertbesucher. Mir ist das oft zu mühsam, z.B. am Donnerstag-Abend nach Wien, als Beispiel, ins Gasometer zu fahren. Verkehr, Parkplatzsuche, die Ohrenstöpsel habe ich sowieso drinnen, zu viele Leute. Es ist mir, bedingt durch meine Arbeit zu stressig.

Danke für Deine Zeit, lieber Andreas!


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