Interview: VOODOO KISS - Achim Ostertag

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Wenn ich „Woho“ bei mir im Auto hab, dann brüllen meine Kids total mit, die finden das super.

27 Jahre nach ihrer Gründung und pünktlich zum Festival veröffentlicht die Band, wegen der das Summer Breeze seinerzeit überhaupt ins Leben gerufen wurde, ihr Debüt-Album. Grund genug, mit VOODOO KISS Drummer und SBOA-Chef Achim Ostertag einen ausgiebigen Plausch zu halten.

Veröffentlicht am 18.08.2022

 

Hallo Achim, schön dass es geklappt hat und wir ein wenig plaudern können. Ich hoffe, Du bist nach diesem Interview-Marathon-Tag und nach den Terminen, die ich in Deiner Mail gesehen haben, noch relativ fit und halbwegs aufnahmefähig?

 

Alles gut! Ja, auf jeden Fall.

 

Ich denke, großartig vorstellen musst du dich eigentlich nicht. Für unsere Leserschaft, auf der anderen Seite des Monitors sitzt Achim Ostertag, der Gründer und Chef von Deutschlands zweitgrößtem Metal-Festival, dem Summer Breeze Open Air. Allerdings geht es heute nicht vordergründig um das Festival, sondern vielmehr um Achims Band VOODOO KISS. Wobei man diese beiden Sachen schlussendlich nicht wirklich trennen kann, da ja zwischen dem Breeze und der Band ja doch ein unbestreitbarer Zusammenhang besteht, richtig?

 

Ja! Ohne VOODOO KISS würde es wahrscheinlich kein Breeze geben. Wir haben hier bei uns damals lokal viele Shows gespielt und wollten halt auch auf Festivals auftreten. Wir waren aber nur lokal bekannt und hier gab es keine Festivals, daraufhin haben wir dann unser eigenes gestartet – das Summer Breeze Open Air.

 

Es war also tatsächlich keine Legende, sondern es ging wirklich darum VOODOO KISS eine adäquate Auftrittsmöglichkeit zu verschaffen?

 

Genau!

 

VOODOO KISS hatten ja auch bei der zweiten Auflage des Festivals 1999 noch einen Auftritt, aber dann wurde es relativ schnell ziemlich ruhig, um nicht zu sagen totenstill um euch. Kannst du uns die Gründe schildern, warum VOODOO KISS im Jahr 2000 zu Grabe getragen wurde?

 

Also das erste Festival, das war eigentlich die Hochzeit von uns, lokal. Es spielte sich alles im direkten Umkreis ab, im Ostalbkreis, in Aalen und Umgebung, da haben wir viel gespielt. Damals dann auch beim Summer Breeze als Headliner, dafür haben wir das Festival schlussendlich gegründet. 1998 haben wir an gleicher Stelle ein kleines Festival [kein SBOA, Anmerkung des Verfassers] gemacht, zusammen mit dem Jugendzentrum Abtsgmünd, dort waren wir auch Headliner und dann ist irgendwann unser Sänger ausgestiegen, und wir haben dann keinen ordentlichen Frontmann mehr gefunden – ich hoffe, der Nachfolger liest das nicht… (lacht).

 

Es war anschließend einfach nicht mehr diese Magie von vorher da, und irgendwie gab es dann einen gewissen Stillstand. Das zweite Breeze für uns war das mit DARKSEEDNIGHT IN GALES und CRACK UP. Das waren aufstrebende Bands von Nuclear Blast, und für uns als totale Metalheads waren das schon natürlich ordentliche Namen. Es gab dann eine neue Magie und ich habe gemerkt, dass das Festival Potenzial hat. Darauf habe ich dann den Fokus darauf gelegt, nachdem es mit der Band einfach nicht mehr voranging und kein Sänger in Aussicht war, mit dem wir die Musik so präsentieren konnten, wie wir das geplant hatten. Ich habe auch ein bisschen die Lust am Schlagzeugspielen verloren und dann bin ich quasi ausgestiegen.

 

 

 

Es gibt leider heutzutage kaum (noch) Infos zum ersten Leben von VOODOO KISS. Hattet Ihr damals schon eigene Aufnahmen produziert, als zumindest ein Demo oder so? Denn als Festival-Headliner 1997 habt Ihr ja sicher eigene Songs gespielt.

 

Wir haben hier und da mal ein bisschen was versucht aufzunehmen, aber es gibt tatsächlich nur zwei Songs von einem Demo, das als richtige Aufnahme geplant war. Martin Winkler, der zwischendurch auch mal bei STORMWITCH Gitarrist war, hatte das dazumal mit seinem neuen DAT-Gerät für uns aufgenommen. Das war ja damals noch deutlich schwieriger das Ganze zu recorden und irgendwie, weil das DAT-Gerät halt neu war, hat sich da ein Piepston eingeschlichen auf der ganzen Aufnahme und wir konnten nur zwei Songs irgendwie halbwegs retten, weil bei denen eine Spur nicht drauf war. Die anderen Songs waren alle dahin. Die zwei Songs gibt es noch als Demo aber wir haben es nie geschafft, was aufzunehmen. Das war auch der Grund, warum wir gesagt haben, wenn wir jetzt wieder was machen, dann müssen wir auch was aufnehmen. Das hat mich die letzten 20, 22 Jahre eigentlich so am meisten geärgert, dass wir das nie geschafft haben, weil ich auch das eine oder andere Mal gefragt wurde, ob es etwas von VOODOO KISS zu hören gibt, und man konnte nichts zeigen, das war ein bisschen schade, gerade weil das Breeze so eng verbunden war mit der Band.

 

Wird man dann bei eurem Comeback- Auftritt ausschließlich neue Sachen zu hören bekommen oder habt ihr auch noch ein oder zwei alte Nummern in petto, oder ist das noch geheim?

 

Die acht Songs, die wir jetzt aufgenommen haben, sind tatsächlich alles Songs, die im ersten Jahr unseres Bestehens entstanden sind. Außer der erste veröffentlichte Song, der Opener, „The Beauty And The Beast“, der ist zwei Monate später entstanden. Aber ansonsten sind das alles Songs, die in den ersten zehn, zwölf Monaten nach Bandgründung entstanden sind. Wir hatten, quasi um das Ganze wieder zu erarbeiten, eine alte V8-Aufnahme vom ersten Auftritt des zweiten Sängers, die in einer guten Phase, die wir hatten, entstanden ist, das war ein Jahr vor dem Summer Breeze an gleicher Stelle auf dem Festplatz in Abtsgmünd, aus dem September 1996. Da haben wir uns dann in sieben der acht Songs dieser Aufnahme wieder reingearbeitet, diese aber natürlich hier und da minimal verändert. Wir mussten auch Texte schreiben. Englisch wurde 1996 ja noch nicht so großgeschrieben, da hat man dann irgendwas gesungen, meist einen Gedanken, der sich gut angehört hat, so Deutsch-Englisch irgendwie und manches hat man auch wirklich nicht verstanden und das musste man komplett neu erarbeiten. Aber ja, die Texte haben wir jetzt neu geschrieben, ansonsten sind das eigentlich alles Songs aus den ersten 14 Monaten.

 

Also schließt sich ja auch da wieder der Kreis. Man hört das Alter allerdings überhaupt nicht. Es klingt alles sehr frisch, aber zur Musik kommen wir nachher noch. Mit den Jahren ist das Breeze ja immer größer geworden, 2006 kam der Umzug nach Dinkelsbühl. Mittlerweile sind wir bei rund 130 Bands pro Jahr, und seit ein paar Jahren gibt es bereits dienstags Live-Musik. Deine freie Zeit dürfte bei diesem Wachstum ja nicht mehr geworden sein. Wieso also gerade jetzt die Re-Union von VOODOO KISS? Hat das etwas mit dem Jubiläum zu tun?

 

Ja auf jeden Fall. Unser Booker (der Jagger) kam irgendwann im Herbst 2020 zu mir und sagte: „Jetzt haben wir ja Jubiläum nächstes Jahr…aber durch Corona natürlich wenig Budget um irgendwelche Pyro-Spezialgeschichten oder irgendwelche großen Headliner oder sonstiges, was eh nicht wir sind, zu machen. Deshalb haben wir uns entschieden, viele kleine Sachen zu machen." Unter anderem haben wir am Dienstag entschieden, eine Roots of Summer Breeze-Show mit alten Bands aus den ersten zwei Jahren zu machen und mit FLESHCRAWL noch eine Besonderheit, auch wenn die in den ersten beiden Jahren nicht dabei waren, weil Svenson [Sven Groß, der 2021 verstorbene Sänger von FLESHCRAWL. Anm. des Verfassers] ja ein enger Freund von uns war und ein langjähriger Begleiter, der ja hier auch aus der Ecke stammte.

 

Da habe ich gesagt: „Das ist eine super Idee, aber VOODOO KISS muss dann auch spielen.“ Und dann habe ich das ehrlicherweise so ein paar Monate vor mir hergeschoben, weil ich habe halt 22 Jahre nicht hinter dem Schlagzeug gesessen, ich hatte nicht einmal mehr ein Drumset.

 

Ich habe dann den Sohn von unserem ehemaligen Gitarristen in Aalen getroffen, der ist mit uns aufgewachsen, und der hat mich gleich auf VOODOO KISS angesprochen und dann habe ich ihm von der Idee erzählt. Und er meinte ich müsse unbedingt seinen Vater anrufen, der würde sich so freuen und der findet das sicher mega. Und das habe ich am gleichen Tag noch gemacht und zwei Tage später saßen wir bei ihm im Musikraum/Wohnzimmer und haben die alten V8-Spuren durchgehört mit unserem ursprünglichen Basser und haben geschaut, welche Songs wir uns vielleicht wieder draufarbeiten können. Wir dachten so an drei bis vier Songs vielleicht. Aber irgendwie konnten wir uns nicht entscheiden und dann waren es ja irgendwann eben diese acht, eine halbe Stunde Programm. Und dann habe ich gesagt: „Aber wenn wir das machen, dann richtig und dann nehmen wir das auch auf!“ Und so kam das Ganze dann ins Rollen.

 

Dazu kam der Flori noch ums Eck von Reaper [das Label von VOODO KISS, Reaper Entertainment, Anm. des Verfassers], der hat auch noch mal extra Benzin ins Feuer gegossen hat, weil er so begeistert von der Idee war. Er ist ja auch nur zwei, drei Jahre jünger als ich, und er hat das Ganze damals auch miterlebt, er kommt ja auch aus unserer Ecke. Er war gleich Feuer und Flamme, und deshalb ist das alles dann doch einen Ticken größer geworden und mit ein bisschen mehr Aufwand und auch mehr zu tun jetzt. Aber ja, es macht unglaublich viel Spaß und ist definitiv trotz des ganzen Stresses mit dem ersten Festival nach zwei Jahren und den vielen neuen Herausforderungen, die eh schon da sind, ein Stück weit schön, um den Kopf frei zu bekommen. Die Probe oder auch Dinge dafür zu organisieren, geht dann eigentlich trotzdem relativ leicht von der Hand, weil es unglaublich viel Spaß macht.

 

Das war mir erst gar nicht so bewusst, aber als ich mich etwas intensiver mit den Flyern beschäftigt habe, ist es ja gerade auch für die Fans der ersten Stunde eine ganz tolle Sache, dass da wirklich zwei Bands von 1997 und zwei Bands von 1999 da sind und dann noch FLESHCRAWL, die ja auch einiges zu verkraften hatten, und jetzt denke ich einmal die Segel so ein bisschen wieder auf Neuanfang setzen. Ich glaube, dass wird eine richtig tolle Geschichte. Und es wird sicherlich auch einige emotionale Momente geben.

 

Ja, ich bin auch extrem stolz, dass wir CRACK UP haben. Das ist ja so eine ähnliche Geschichte. Die gab es ja auch 15 oder 20 Jahre nicht. Die Platte von CRACK UP, „Heads Will Roll“, lief damals bei uns rauf und runter, die hat bei uns jeder abgefeiert! Die Band hat sich dann ja dann kurze Zeit später mehr oder weniger aufgelöst. Und die machen jetzt auch nach knapp 20 Jahren noch einmal einen letzten Auftritt, bevor sich der Schlagzeuger und der Sänger einem neuen Projekt widmen, was dann auch noch mal eine schöne runde Geschichte ist. Dass FLESHCRAWL noch einmal eine Show machen, in der sie speziell an Svenson erinnern, wird sicherlich noch einmal sehr emotional und sehr schön werden.

 

Dann wird es ja auch noch regelrecht historisch mit dem letzten CRACK UP-Auftritt…

 

Genau.

 

 

Lass uns über die Musik sprechen. Ich war direkt begeistert vom Cover eures Debüts, und richtig gespannt, was da musikalisch auf mich zukommen würde. Und war schon überrascht über die Heavyness von VOODOO KISS. Diese Mischung aus traditionellem Metal und grundehrlichem Heavy Rock scheint genau euer Ding zu sein, richtig?

 

Irgendwie ist es echt schwer zu beschreiben, wie es dazu kam. Weil, wir waren ein wirklich zusammengeworfener Haufen. Der erste Sänger hat mich damals angerufen, mit dem hatte ich davor schon Musik gemacht. Der brauchte noch einen Schlagzeuger. Wir hatten einen Bekannten, der ein paar Jahre älter ist, aus dem Nachbarort, der Gitarre spielt und sein Schwager spielte auch Gitarre, aber der sollte Bass spielen. Der Basser war 32, der Gitarrist war 27, der Sänger 24 und ich 17. Ich habe am Anfang immer erzählt, dass ich mit alten Leuten Musik mache. Weil, wenn man 17 ist, kommen einem Leute, die 32 Jahre auf dem Buckel haben, uralt vor.

 

Wir hatten überhaupt nicht darüber gesprochen, was für Musik wir machen. Wir sind einfach in den Proberaum, und der Gitarrist hat ein bisschen ein Rock `n Roll/ Blues-Feeling verbreitet. Der Sänger hatte die Heavy-Stimme, und das hat sich auch so die nächsten Sänger durchgezogen. Der Basser hatte einen ganz speziellen Einfluss, auch dadurch, dass er den Bass mehr als Gitarre spielt und eher ein bisschen wie die alten IRON MAIDEN klingt. Aber wir wollten jetzt nicht wie diese oder jene Band klingen, weil wir da gar keinen gemeinsamen Nenner hatten.

 

Und das ist irgendwie so entstanden, vielleicht auch in der damaligen Zeit, wo eben Scheiben von METALLICA (das schwarze Album) oder auch die ganzen AC/DC-Scheiben und DEF LEPPARD noch groß waren. Es waren halt die 90er, die noch von den Ausläufern der 80er, wie dem Hairmetal, beeinflusst waren. So kam alles zusammen, ganz viele Einflüsse.

 

Wie genau die Songs aber entstanden sind, kann keiner mehr so genau sagen, das wissen wir selbst nicht mehr. Was allerdings echt überraschend ist, ist wie viele Leute uns heute noch auf die alten Songs wie „The Prisoner“ oder „The Eagle In The Sky“ oder die anderen, die jetzt noch auf dem Album sind, ansprechen, weil sie eben diese eingängigen Refrains haben.

 

Ich glaube auch dass diese verschiedenen Einflüsse auch etwas Einzigartiges ausmachen. Es klingt dadurch nicht wie irgendeine andere Band, sondern eben einzigartig.

 

Ja, genau!

 

Gerrit Mutz ist seit Ewigkeiten der Frontmann von Sacred Steel. Wie habt ihr es geschafft diese ja doch sehr markante Stimme für VOODOO KISS zu gewinnen?

 

Es war irgendwann klar, dass die alten Sänger nicht mehr zur Verfügung stehen, und es wäre auch nicht nur am Englisch gescheitert, sondern auch an anderen Gründen, warum das nicht mehr geklappt hätte. Die haben ja auch seit 20 Jahren keine Musik mehr gemacht und das ist eben bei einem Sänger auch schwierig.

 

Ich kenne Gerrit auch schon seit Ewigkeiten. Er war beim Open Air 2000 mit SACRED STEEL dabei. Ich habe dann bei Metal Blade mit ihm anderthalb Jahre im Lager gearbeitet und ich kannte seine Stimmfarbe und ich wusste, dass er einen sehr eigenen Gesang hat, aber ich dachte, die Stimmfarbe, die passt eigentlich ganz gut zu dem, was wir früher gemacht haben – gerade in Bezug auf Peter, unseren zweiten Sänger. Und ich dachte, ich haue ihn einfach mal an, weil das ganz gut passen könnte. Und er hat ja auch dieses Eingängige, diese eigene Technik. Und dann klappte es auch gleich bei den Proben, auch die grundsätzliche Gesangsmelodie, da hat Gerrit auch noch einmal seinen ganz eigenen Stil ein bisschen mit reingebracht.

 

Ich glaube, wir haben das alle zusammen ganz gut hinbekommen, dass das jetzt so klingt. So kennt man Gerrit vielleicht auch nicht unbedingt, das ist wahrscheinlich das Eingängigste, was er je gemacht hat und ja, es ist doch noch einmal ein bisschen anders und es passt trotzdem perfekt und dann auch noch Steffi im Background, die eher modern ist.

 

Ich finde, Gerrit drückt eurer Musik noch mal einen ganz speziellen Stempel auf, allerdings nicht in Richtung seiner Hauptband, sondern vielmehr VOODOO KISS-mäßiges Alleinstellungsmerkmal. In „The Prisoner“ wird er allerdings von einer wundervollen Frauenstimme unterstützt. Verrätst du uns, wer die Duett-Partnerin von Gerrit ist?

 

Das ist Steffi [Stefanie Stuber, Anm. d. Verfassers]. Sie ist hier aus Aalen, ist ein deutlich jüngerer Jahrgang, also 20, 30 Jahre jünger als wir alle. Steffi hat eine extrem große Range bei dem, was sie so singt und sie ist hier lokal in der Band MISSION IN BLACK [die übrigens auch auf dem diesjährigen SBOA auftreten. Anm. d. Verfassers]. 2019 war sie war dann bei The Voice of Germany und hat da LAMB OF GOD gesungen und keine Ahnung was noch alles. [Neben „Ghost Walking“ von LOG in den Blind Auditions auch noch „Crawling “von LINKIN PARK in den Battles und schließlich „Broken“ von SEETHER feat. AMY LEE in den Sing-Offs. Anm. d. Verf.] Also relativ heftig. Sie kann von Soul über Rock bis hin zu Metal alles singen und hat ein extrem weites Stimmvolumen.

 

Und weil halt ihr Freund hier beim Summer Breeze schon Jahre lang bei uns im Team dabei ist und man sich kennt, haben wir gedacht, fragen wir Steffi, ob sie mal vorbeikommen würde, um mit uns zu proben, ob das vielleicht passt. Und wir fanden es super. Aber es war halt doch deutlich anders als das, was wir früher gemacht haben. Und so kam es dann, dass sich das mit Gerrit und Steffi einfach perfekt ergänzt hat. „The Prisoner“ fand Steffi gleich von Anfang an extrem gut, und das war direkt ihr Song, und so kam es zu dem Duett. Und diese traditionelle Stimme von Gerrit und dazu Steffi, die halt auch ganz anders klingen kann und hier und da growlt oder screamt, dass passt unserer Meinung nach richtig gut. Also JA, wir sind mega happy mit dem Ergebnis!

 

 

Sie hat eine wundervolle Stimme in den Backing Vocals, aber auch speziell eben im „The Prisoner“-Duett. Das hat mir sehr gut gefallen. Einer meiner anderen Lieblingssongs auf eurer Debüt-Scheibe ist „Bat An Eye“. Die herrlich punkige Attitüde der Nummer erinnert mich sofort an MOTÖRHEAD und die wilden Speedsters von MIDNIGHT. Liege ich da halbwegs richtig?

 

Auf jeden Fall! Also ich habe vor VOODOO KISS früher tatsächlich in Punkbands gespielt. „Bat An Eye“ hieß davor eigentlich nur der Song mit der Musik, der Text selbst war nicht mehr zu erkennen, der ist komplett neu entstanden. Aber es war tatsächlich eine Nummer, die wir wahrscheinlich gar nicht so lang gespielt haben und auf diesen ersten Aufnahmen war der eher zufällig drauf und es war tatsächlich so, dass wir uns gefragt haben: „Was ist das eigentlich für ein Song?“ An den konnte sich keiner mehr so richtig erinnern, aber er hat so eine Energie, wie ich finde, und es ist ein richtig guter Song.

 

Ein richtig schöner Lemmy-Spirit, der die ganze Sache umweht. Und ich finde auch, Abwechslung wird auf dem Album wirklich großgeschrieben. Dennoch sind die NWOBHM-Anleihen in einer Reihe von Stücken unüberhörbar. Jedes Mal, wenn der Chorus von „The Eagle Of The Sky“ beginnt, warte ich darauf, dass Gerrit jeden Moment „Alexander The Great“ anstimmt. Sind da eventuell MAIDEN-Fans bei VOODOO KISS zugange? Die Twin Leads, Songtitel wie „The Eagle In The Sky“ oder der klassische Wohohoho-Refrain in „Thousand Steps Of Goodbye“ lassen zumindest darauf schließen.

 

Also ich glaube nicht, dass damals wirklich ein MAIDEN-Fan dabei war. Tatsächlich kam bei mir MAIDEN erst viel, viel später. Einen Song wie unseren Album-Closer mit diesem „Woho“, so was gibt es ja tatsächlich auf – war es „The X Factor“? – auf jeden Fall auf einem der Blaze Bayley Alben von MAIDEN. [Und nicht nur dort! Anm. d. Verfassers] Aber das kam tatsächlich erst viel viel später, als wir den Song längst geschrieben haben.

 

Und letztens hat jemand gedacht, dass „Thousand Steps Of Goodbye“ von MAIDEN geklaut wäre. Aber tatsächlich haben MAIDEN diesen Song drei oder vier Jahre nach uns geschrieben. Und das ist tatsächlich so ein Stück weit Zufall. [Oder MAIDEN haben halt von VOODOO KISS geklaut.  Anm. d. Verfassers] Ich habe uns früher nie mit MAIDEN verglichen, aber jetzt muss ich auch sagen, nun, da das Album fertig ist, kann ich die frühe MAIDEN-Zeit sehr oft darin erkennen. Vor allem einige Bass-Parts gehen in die Richtung der Eisernen Jungfrauen.

 

Ja, schon allein ein Titel wie „The Eagle In The Sky“ suggeriert ja eine gewisse Nähe. Du hast es vorhin schon angesprochen, die Songs sind alle älteren Kalibers. Wer ist bei VOODOO KISS fürs Songwriting zuständig? Entstehen euere Songs in Gemeinschaftsarbeit, oder habt ihr Experten für Lyrics und Kompositionen?

 

„The Prisoner“, „The Eagle In The Sky“ und „Woho“ [Achims Abkürzung für „Thousand Steps Of Goodbye“. Anm. d. Verfassers] und „The Killer“ sind auf jeden Fall Songs aus den ersten fünf, sechs Proben bei den schon Grundzüge standen, und sie stammen aus den Zeiten, in denen wir ein zusammengewürfelter Haufen waren, in denen die Chemie gestimmt hat und so eine gewisse Magie vorhanden war – so wie man das als 17jähriger eben wahrnimmt – musikalisch waren das die ersten Gehversuche.

 

In der Band hatte jeder so das Gefühl, das ist irgendwie ein anderes Level, auch wenn das natürlich trotzdem relativ simpler (Heavy) Rock war. So als lokale Band hat man da schon eine gewisse Magie gespürt, und die Songs wurden natürlich damals immer von allen zusammen beim Proben geschrieben. Jemand kam mit einer Idee, und so hat natürlich jeder Einfluss genommen. So sind die Songs damals entstanden, und wir haben uns jetzt auch auf diese Stücke konzentriert, weil eben diese V8-Aufnahme von 1996 noch vorhanden war.

 

Mittlerweile haben wir noch zwei drei weitere gefunden, unter anderem die mit dem letzten Auftritt von Peter, unserem damaligen Sänger. Es hat ja tatsächlich noch ein paar andere Songs gegeben, die wir nicht mehr so auf dem Schirm hatten. Aber das ist so die erste Zeit quasi gewesen. Wir haben halt immer versucht es so hinzubekommen, dass es eingängig ist, dass man schnell mitsingen kann, und ich glaube das ist es auch nach wie vor. Also wenn ich „Woho“ bei mir im Auto hab, dann brüllen meine Kids total mit, die finden das super.

 

Funktioniert hervorragend! Mich interessiert es auch sehr, wie jetzt für euch die Zukunft von VOODOO KISS aussieht, speziell NACH dem Festival. Ist es nur ein Projekt gewesen, für das 25jährige Jubiläum, oder plant ihr regelmäßige Veröffentlichungen und damit verbundene Liveauftritte? Oder seid ihr da jetzt noch nicht so weit in der Entscheidungsfindung?

 

Also es war tatsächlich als Projekt gedacht, zum Summer Breeze 2022. Eine Warm-Up Show, und wir machen ein Album in erster Linie für uns selbst. Und jetzt dadurch, dass Flori ebenso Gas gibt, haben wir natürlich Blut geleckt und finden das mega. Wir haben jetzt auch schon ein paar weitere Shows angenommen, teilweise für nächstes Jahr. Und wir wollen auf jeden Fall noch ein bisschen weitermachen. Wir haben, wie schon gesagt, ein paar alte V8-Tapes gefunden, mit zusätzlichen Songs, bei denen wir sagen, schade dass wir die nicht auch noch mit aufgenommen haben. Vielleicht gibt es also noch ein zweites Album und noch ein paar mehr Auftritte.

 

Ich weiß nicht, ob Du es schon gelesen hast, die Sache mit dem Summer Breeze in Brasilien. Das haben wir am Wochenende in den sozialen Netzwerken geteilt. Und zwar gibt es im nächsten Jahr im April in São Paulo einen Summer Breeze-Ableger. Und die Brasilianer, speziell Claudio vom Road Crew Magazin (der auch totaler Fan und da federführend und Kopf der ganzen Geschichte ist), hat mich halt auch auf VOODOO KISS angesprochen. Und da habe ich ihm die Geschichte erzählt, dass das Summer Breeze eigentlich durch unsere Band entstanden ist. Da kam halt eins zum anderen, und so sollen wir nächstes Jahr beim ersten Summer Breeze in Brasilien die Main Stage am ersten Tag eröffnen, und das lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Das ist eine once-in-a-lifetime Geschichte für uns alle.

 

Ja, mal schauen, was das bringt. Alles kann, nichts muss und solange es Spaß macht – das ist glaube ich das Wichtigste. Wir wollen aber auch keinem auf den Sack gehen, so nach dem Motto: Jetzt spielen die schon wieder. Es ist einfach Spaß und ein ehrliches Album, wir sind total glücklich damit. Wir können selber gar nicht so einschätzen, wie gut das jetzt ist. Es gibt viel bessere Musiker als uns, aber das Album ist ehrlich, es hat diese Mitsingnummern, und das macht es, glaube ich, schon ein bisschen besonders. Ich denke, wir können so ein bisschen die 90er Jahre in die Neuzeit transportieren. Und weil wir alles live eingespielt haben, was man eigentlich gar nicht mehr so macht und weil wir auch mit Gerrit so eine gewisse Oldschool-Stimme dabeihaben, und weil es eben auch die alten Songs von damals sind, die nicht zu sehr verändert wurden, auch wenn wir uns herausgenommen haben, richtige Texte zu schreiben, passt das alles sehr gut.

 

Lass uns zum Schluss noch mal zum Summer Breeze zurückkommen. Es ist ja schon etwas Besonderes nach dieser langen Zeit wieder auf der Bühne zu stehen. Was geht dir durch den Kopf, wenn du an euren bevorstehenden Auftritt auf dem Jubiläums-SBOA denkst? Ihr eröffnet am Dienstag ja als erste Band das diesjährige Jubiläumsfestival. Kommen da Erinnerungen an 1997 hoch? Hast Du schon ein Kribbeln? Bist Du schon aufgeregt?

 

Auf jeden Fall. Ich tue alles dafür, dass wir uns nicht blamieren. Ich gehe einfach mal davon aus, denn dafür ist die Musik ja auch eigentlich zu einfach (lacht). Aber na klar ist es eine gewisse Herausforderung, nach so langer Zeit sauber zu spielen, dass es auch passt. Es gibt natürlich eine gewisse Spannung und Aufregung aber auch eine riesige Freude, dass wir nach 25 Jahren erneut das Festival eröffnen können, das hätte ich mir nie erträumt und daran wahrscheinlich vor einem halben Jahr noch gar nicht gedacht.

 

Und dann noch das Album, das sogar auf Vinyl rauskommt mit Leuten wie Flori und Gregg, die so dahinterstehen und die Geschichte auch so genial finden und so pushen, das ist mega. Ja und das Cover hast Du vorher schon angesprochen. Sebastian Jerke, der das Cover gemacht hat, dessen Arbeit fand ich bei AHAB oder beim letzten Album von MOTORJESUS so genial! Ich habe aber nie Kontakt zu ihm gehabt. Und irgendwie hatten meine Grafiker, mit denen ich arbeite, mit mir viel darüber gesprochen und Björn – früherer NIGHT IN GALE-Sänger – sagte: „Da musste jemanden fragen, der das zeichnen kann. Kennst Du Sebastian Jerke? Der macht MOTORJESUS.“ Und MOTORJESUS spielten jetzt auch bei der SUMMER BREEZE Warm-Up-Show (in Aalen am 15. Juli 2022) nach uns, weil ich MOTORJESUS total cool finde und dass dann sowas mir oder uns noch über den Weg läuft, das ist wie ein Puzzle, bei dem ein Teil zum anderen kommt und dass alles mega zusammenläuft.

 

Und das Single-Cover von „The Beauty And The Beast“, das wir als T-Shirt Design haben machen lassen, das hat Jan Meininghaus gestaltet, der 2003 die erste Summer Breeze Maske gemacht. Wir hatten ja damals fünf Jahre lang solche Voodoo-Masken als Hauptdesign, aus denen dann später der Totenschädel geworden ist. Und jetzt das Cover für dieses T-Shirt und die erste Single-Veröffentlichung, das passt halt wie ein Rädchen ins andere, das ist einfach schön zu sehen und fühlt sich gut an.

 

 

Na, dann wünsche ich euch richtig viel Andrang vor der Bühne bei eurer Comeback-Show! Mich hat das Debüt von VOODOO KISS absolut überzeugt, ich werde definitiv in der ersten Reihe stehen. Und VOODOO KISS werden die erste Band sein, über die wir in unserem auch 2022 wieder umfangreichen Stormbringer Festival-Bericht berichten! Lieber Achim, vielen Dank für dieses super angenehme, umfang- und aufschlussreiche Gespräch! Wir sehen uns am Breeze!

 

Ich danke dir! Wir sehen uns!


 

Das Review zum VOODOO KISS Debüt-Album findet ihr hier!

 


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