Interview: Rockclub Nordbayern - Alexander Prechtl

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Das soll ein musikalisches Fest für alle sein, wo die Familie genauso gut ihren Spaß haben kann, wie auch der eingefleischte Metal Head.

Feines und gar nicht kleines Festival im Anrollen.

Veröffentlicht am 23.07.2022

Normalerweise werden ja nur die Künstler auf der Bühne mit Fragen durchlöchert und zu Interviews gepresst. Und da ich „normal“ anderen überlasse, werden auch die Menschen hinter den Bühnenbrettern freundlich gebeten, Rede und Antwort zu stehen, in diesem Fall Alexander Prechtl, Vorstand und verantwortlich fürs Booking beim Rockclub Nordbayern e.V. und außerdem Redakteur beim HARDLINE-Magazin.

Hallo Alex, vielen Dank, dass du dir die Zeit für einen kleinen Plausch mit mir nimmst. Hat man bei der vielen Arbeit und den derzeitigen Hühs und Hotts noch Spaß am Organisieren von Veranstaltungen?

Natürlich haben wir als Verein immer noch Spaß am Organisieren solcher Veranstaltungen, sonst würden wir das ja nicht machen. Wir arbeiten größtenteils alle ehrenamtlich aus der Liebe zur (härteren) Musik. Natürlich erlebt die komplette Branche aktuell eine sehr schwere Zeit, welche gefühlt fast noch schlimmer ist als 2020 oder 2021. Es werden reihenweise kleinere und mittlere Events abgesagt, aber wir versuchen jedes Event durchzuziehen, auch wenn es hin und wieder dann finanziell ein Verlustgeschäft ist. Das bin ich der Branche oder dem Metal, dem ich so viel zu verdanken habe, schuldig. (lacht)

Wie bist du dazu gekommen? Und was war zuerst da: der Redakteur oder der Terminjongleur?

Ich schreibe seit 2012, aber der Plan selbst zu veranstalten, entstand beim LORDI-Gig am Wacken Open Air 2008, als Mr. Lordi stolz sagte, dass er endlich die Ehre hatte, mit seinen Idolen wie DEE SNIDER oder UDO DIRKSCHNEIDER zu arbeiten. Da kam mir die Idee, dass ich gerne mit Bands, die mir gefallen, in der Region zusammenarbeiten würde. Es dauerte aber einige Jahre, bis ich eine schlagkräftige Truppe zusammen hatte. 2016 hatten wir die ersten Konzerte ohne eigene Location, und Ende 2018 haben wir dann eine eigene Location angemietet, welche im März 2019 eröffnete. Man muss natürlich schon sagen, dass wenn man in der Branche nicht hauptberuflich unterwegs ist, sehr viel Freizeit drauf geht. Das machen nicht alle Partner oder Familienangehörigen mit. Ich habe schon viele aus der Branche kommen und gehen sehen. Nur die positiv Gestörten bleiben für immer. (lacht)

Mit dem Rockclub Nordbayern habt ihr euch ein kleine, feine Bühne für eure Tätigkeiten gezimmert. Wie habt ihr das in so (relativ gesehen) kurzer Zeit geschafft?

Ich kam mit meinem mittlerweile zweiten Vorstand Klaus Marquardt auf die Idee, eine eigene Location aufzubauen. Während er den Bühnenplan anfertigte und für die ganzen Umbaumaßnahmen zuständig war, habe ich den Rest koordiniert. Wir hatten nur Zeit vom 1.1.2019 bis zur Eröffnung am 13.4.2019. Es hat aber sehr gut funktioniert und wurde alles just in time fertig. Unsere Freunde und Familien haben uns Zwei in den Wochen aber nicht oft zu Gesicht bekommen. Somit wurde aus einem ehemaligen spanischen Restaurant ein kleiner gemütlicher Rockclub. Natürlich haben wir keinen Luxus, dafür punkten wir mit tollem und netten Publikum, und wir versuchen alles für „unsere“ Bands möglich zu machen. Mittlerweile haben wir aber auch schon in Schirnding in der Gemeindehalle, wie auch in Oberkotzau in der Saaletalhalle Konzerte veranstaltet. Im Herbst sind wir dann in Rehau bei unserem Open Air, und LORDI haben wir in die Frankenhalle auf Naila gebucht. Wir versuchen somit immer in den Landkreisen Hof und Wunsiedel zu bleiben.

Gibt es auch manchmal Diskussionsrunden bezüglich der Musikgenres, oder schafft ihr da eine gute Balance?

Ich bin hauptverantwortlich für das Booking und gehe nach folgendem Muster vor: Würde ich für eine Band, die bei uns spielt, auch Eintritt zahlen? Wenn ich das mit 'ja' beantworten kann und die restlichen Konditionen passen, wird die Band oder das Tour-Package gebucht. Natürlich werde ich es nie jedem recht machen können. Die Frage, die man sich als Mitarbeiter in der Kulturbranche dann aber stellen sollte, ob man das auch überhaupt will...

Wieviel Zeit geht für die Vorbereitung einer solchen Veranstaltung wie dem Metal Masters Open Air drauf?

Sehr, sehr viel Zeit. Man muss mit den Caterern reden, Sicherheitsgespräche mit Polizei, dem Jugendschutz und dem Ordnungsamt führen, Bands verpflichten, Unterkünfte buchen und, und, und…Aber man macht das gerne, denn ich denke uns, bzw. mir ist da ein ganz gutes Line Up gelungen. Ich habe es mir seit März 2020 abgewöhnt, in Zeiten zu messen. Sonst hätte ich wahrscheinlich während des Lockdowns hingeschmissen. Die Shows von THUNDERMOTHER oder SERIOUS BLACK z.B. habe ich drei bis vier Mal verschoben. 

Wie selektiert ihr die Bands für die Veranstaltungen, und wie können Bands bei euch aktiv werden?

Es gibt in der Regel drei verschiedene Wege als Band auf unseren Veranstaltungen zu landen. Was wir öfter bei kleineren Bands haben, dass sich diese über unser Kontaktformular bewerben. Bei den größeren Bands meldet sich häufig deren Booking Agency. Und hin und wieder stelle ich mir auch die Packages ganz individuell zusammen, was aber immer die teuerste Alternative ist.

Kommen wir mal zum aktuellen Event. Da sind ja einige ganz schöne Wummer dabei. Allein der Headliner lässt mein kleines schwarzes Herz höherschlagen. (GRAVE DIGGER) Wie schafft ihr es dieses Line-Up bereit zu stellen?

Ich habe die Bands einfach gefragt. An GRAVE DIGGER war ich schon länger dran, und beim ersten Mal hat es leider noch nicht geklappt. MYSTIC PROPHECY und insbesondere deren Sänger Lia sind gute Freunde von mir und so etwas wie DIE Rockclub-Band. Die habe ich schon mehrmals in unsere Ecke geholt. Je einmal auf Hof, Selb, Markneukirchen, Schirnding und jetzt auf Rehau. IRON SAVIOR hätten im Mai eine Show bei uns gespielt, die aber aus gesundheitlichen Gründen verschoben werden musste. Dann wollte ich noch „jüngere“ bzw. neuere aufstrebende Bands. Dies ist mir mit WARKINGS, HAMMERKING und VICTORIUS auch gelungen. Abgerundet werden diese doch überregional bekannten Bands von den Insider-Tipps BLACKSLASH und OLD MOTHER HELL und unseren local Opener CHAPTER ELEVEN.

Mir war wichtig, dass es kein zu spezielles Line Up wird, denn es soll ein musikalisches Fest für alle sein, wo die Familie genauso gut ihren Spaß haben kann, wie auch der eingefleischte Metalhead.

Warum nur einen Tag?

Darüber haben wir echt länger diskutiert. Ich bin aber der Meinung, dass es schon genügend mehrtägige Festivals während des Sommers gibt. Dann lieber an einem Tag 'ein Brett' raushauen und da alles geben. Wem das noch nicht genug ist, der kann aber schon am Freitag anreisen. Im Nachbarlandkreis spielt kein geringerer als UDO DIRKSCHNEIDER (in Markneukirchen). Somit kann man sich da seine ganz eigene Warm Up Show gönnen. (lacht)

Der Eintrittspreis liegt bei 45 €, was extrem kulant ist. Rechnet sich das heutzutage noch?

Wir wollen keinen Gewinn damit erzielen. Wir wollen ein Statement setzen, dass in den Landkreisen Hof und Wunsiedel ein solches Event durchaus jedes Jahr stattfinden könnte. Wenn es erfolgreich ist, gerne dann auch 2023 wieder. Die ersten Bewerbungen dafür haben wir schon. Und wie ich oben schon sagte, soll es ein Fest für alle sein, da wollte ich den Preis fair halten. Übrigens gibt es auf unserer Homepage Festivalshirt plus Ticket für schlanke 60 €.

Wenn man so viel mit Musik und Künstlern zu tun hat, wie ist da die persönliche Sichtweise? Hat man seine „Lieblinge“, oder schafft man den Spagat zwischen professioneller Zusammenarbeit und Fansein?

Es ist ganz normal, dass man in diesem Genre nicht nur Veranstalter oder Organisator ist, sondern auch Fan. Ich mache mir eigentlich nie wirklich einen Kopf, weil ich mit den Künstlern immer so umgehe, wie ich selbst gerne behandelt werden würde. Also kumpelhaft professionell. Aber natürlich bucht man schon mal eher eine Band, bei der man auch Fan ist. Zufällig spielt LORDI nicht im Oktober bei uns. (lacht) Man muss aber auch sagen, dass 99 % der Bands sehr nett und kollegial zusammenarbeiten, in diesem Genre. Das macht die Arbeit etwas einfacher.

Wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würden, welche Bands würdest du gerne mal bei euch sehen?

Ich hatte bei der Gründung des Rockclubs zwei große Träume. Einmal ein Open Air und einmal LORDI zu veranstalten. Das erfülle ich mir dieses Jahr. Wenn ich Wünsche äußern dürfte: Ich würde gerne einmal mit DEE SNIDER zusammenarbeiten. Er verkörpert für mich den idealen Rockstar. Hinter den Kulissen ein extrem professioneller Musiker und Familienvater und auf der Bühne 90 Minuten Vollgas.

Ich bin wirklich sehr auf das Metal Masters gespannt. Vielen Dank Alex für deine Zeit.


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