ONLY ATTITUDE COUNTS - Mike

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„Almost The End“ bedeutet bekanntlich ja nur fast am Ende zu sein. Durch die neue Band-Besetzung kehrten alter Spaß und altes Feuer zurück.

Auch im 27. Dienstjahr erweisen sich die Wiener Hardcore-Haudegen von ONLY ATTITUDE COUNTS als umtriebig. Sänger Mike sprach über das aktuelle Album "Almost The End" und klärt offene Fragen zum Thema "Attitude".

Text: Sandy
Veröffentlicht am 03.02.2020

Only Attitude Counts

ONLY ATTITUDE COUNTS sind bereits seit 1993 aktiv. Bitte um die Vorgeschichte zum aktuellen Release „Almost The End“?

Die letzte CD kam zum 20-jährigen Bandjubiläum raus. „20 Years Of Attitude“ enthielt damals zehn neue Songs, und zehn neu aufgenommene Bandklassiker. Nach den darauffolgenden Konzerten hatten wir zunächst keine Pläne für ein Nachfolgewerk. Vor drei Jahren hatten wir außerdem einen Besetzungswechsel zu verkraften, was die Veröffentlichungspause zusätzlich verlängerte. Flo, unser Drummer und ich standen so gut wie alleine da. Unterstützt wurden wir zu dem Zeitpunkt noch von unserem Gitarristen Fips, zwei Langzeitmitglieder hatten wir aber verloren. Aber „Almost The End“ bedeutet bekanntlich ja nur fast am Ende zu sein. Durch die neue Band-Besetzung kehrten alter Spaß und altes Feuer zurück. Das Songwriting lief schließlich ganz locker ab. Es bedurfte nur weniger Proberaum-Sessions, bei denen sich das Material wie von selbst ergab.

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Erzähle doch mal von der musikalischen Ausrichtung auf „Almost The End“!

Wie du im Review bereits angemerkt hast: Wir sind eindeutig eine Hardcore-Band. Der Bandname kommt nicht von ungefähr, sondern entspringt der HC-Ideologie. Zu Beginn waren wir zwar noch relativ unfit auf den Instrumenten, aber wir wollten unbedingt diesen von uns verehrten Musikstil spielen können. Wir sind also einfach unserer Leidenschaft gefolgt. Vor allem im New York Hardcore der 80er bis Mitte der 90er liegen unsere Wurzel: CRO-MAGS und AGNOSTIC FRONT seien hier stellvertretend für viele weitere genannt. Durch unseren im Metal versierten Gitarristen Raphi haben mittlerweile aber auch Gitarrensoli auf der neuen Platte Einzug gehalten.

Stichwort New York Hardcore: Wie muss man sich die Zeit vorstellen, als du begonnen hast diese Musik für dich zu entdecken?

Ich fing Anfang der 90er an, durch meinen Freundeskreis diese Musikrichtung kennenzulernen. Viele Bands haben damals schon in Wien gespielt. Die Szene war aber noch viel kleiner. Gruppen die heute in der großen Arena spielen wie MADBALL, sind damals vor 150 Leuten aufgetreten. AGNOSTIC FRONT kamen überhaupt erst 10 Jahre nach ihrer Gründung das erste Mal so 1992 nach Europa herüber. Es gab auch noch kein Internet im heutigen Sinn. Du bist nur über Mailorder an die Platten gekommen, hast dir in Fanzines und Magazinen die Infos zusammengesucht. Heutzutage steht alles online. Auch der Metal war übrigens noch durchaus mehr Underground, und weniger Mainstream. Das „Why not“ in der Wiener Kirchgasse war ein wichtiger Treffpunkt. Dort bekam ich durch einen Freund, der so eine Art Ziehvater für mich wurde, die neuesten Hardcore-7“ präsentiert.

Was war ausschlaggebend für deine persönlich Identifikation mit Hardcore?

Es gab für mich zu Beginn Bands wie SFA, YUPPICIDE oder LIFE'S BLOOD. Die würde ich aber noch eher dem Punkrock zuordnen. In ihrem Auftreten waren sie dafür durchaus politischer als z.B. AGNOSTIC FRONT, welche mich gleich im Anschluss sehr geprägt haben. Die extreme Energie und rohe Gewalt in der Musik, besonders Live haben mich total beeindruckt. Die Lyrics mit ihrer Gesellschaftskritik und den sozialen Themen haben mir auch sehr gut gefallen, und wurden für mich sehr wichtig.

Man sagt, die Essenz des Hardcore liegt vor allem in der Live-Umsetzung. Wie viele ONLY ATTITUDE COUNTS-Konzerte haben seit 1993 eigentlich stattgefunden?

Das kann ich dir wirklich nicht sagen, denn da fehlt mir der Überblick. Sicher gab es auch Jahre mit weniger Gigs, aber eine Zahl zu nennen ist praktisch unmöglich. Im Booklet unseres 2001er-Album „Hard to Swallow“ haben wir Tourdaten reingeschrieben. Das müssen so um die 50 – 60 Shows in dem Jahr gewesen sein. Die Band ist auf jeden Fall ein Live-Act, denn ja: Hardcore und Punk sind schließlich Live-Musik.

Only Attitude Counts Live Poland

Wie würdest du das Schlagwort „Attitude“ deiner Oma erklären? Oder sagen wir jemandem der in dieser Hinsicht unbedarft ist, denn vielleicht hast du ja eine HC-Oma.

Attitude hat viel mit Idealismus zu tun. Die Hardcore-Attitude bedeutet, sich die Dinge selbst zu checken – DIY: „do it yourself“ - Tourneen selber organisieren, Platten selber rausbringen. Diese Einstellung verbindet ganz stark. Die Menschen in dieser Szene (Mitläufer ausgenommen) begegnen auf besondere Art und Weise, nämlich sehr freundschaftlich. Als wir z.B. das erste Mal in Holland auf der „European Hardcore Party“ in Maastricht spielten – ein durchaus größeres Festival mit damals 2000 Besuchern - waren wir auf dem Weg durch Kassel, wo RYKER‘S herkommen. Ich kannte deren Bassisten Chris Luft vorher nur vom Telefonieren, aber er hat uns spontan angeboten vorbeizukommen, und uns eine Unterkunft besorgt. Das ist eben typisch, dass sich die Bands gegenseitig pushen und supporten. Dieser Zusammenhalt ist etwas sehr spezielles, und das länder- und kulturübergreifend. Viele unserer Fans folgen uns seit 20 Jahren, so auch unsere vielen Freunde in Polen. Es ist schon fast mehr Freundschaft als nur Musik. Natürlich gehört auch ein politisches Bewusstsein dazu, und dass du den Kampf mit den negativen Dingen des Lebens aufnimmst. Harley Flanagan von den CRO-MAGS (mit denen wir 2000 getourt haben) sagt, wenn er die Musik nicht gehabt hätte, wäre er schon längst nicht mehr am Leben. Die Musik kann da ein echter Lebensanker und Pol sein an dem du dich ausrichtest. Begegnungen zwischen Fans, Labels, Bands und Veranstaltern finden auf Augenhöhe statt. Nicht zuletzt unsere Plattenfirma WTF Records wurde vom vormaligen Fan Tim van Kleven gegründet. Dadurch ist die Vertrauensbasis ganz hoch, abgesehen davon, dass eh keiner reich mit Hardcore wird. Man wird als Künstler ernst genommen, und entscheidet im Konsens welche Richtung eine Band gehen will.

Was hat es eigentlich mit dem „Vienna Style“ auf sich? Nur ein Slogan aus Spaß, oder steckt mehr dahinter?

Wir verwenden diesen Begriff schon seit dem ersten Album. Es ist damit weniger ein musikalischer Stil gemeint, als ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Es ist meiner Meinung nach nicht selbstverständlich, dass sich in einer Stadt wie Wien alle Leute im Hardcore-Umfeld so gut verstehen. Wir haben das in der Vergangenheit auch richtig institutionalisiert mit Vienna Style-Hardcore Festen. Abgesehen davon versuchen wir uns auch sonst gegenseitig zu fördern, Erfahrungen und Ziele werden ausgetauscht, Aktivitäten abgesprochen und koordiniert. Im Jahr 2015 konnten wir so eine ziemlich coole Nightliner-Tour mit der SPIDER CREW, COMPANION und eben ONLY ATTITUDE COUNTS durchziehen. Nur  zusammen war es möglich, das zu stemmen und für jeden war die Reise sehr komfortabel. In diesen zwei Wochen gab es null Stress, Probleme oder Streit. Es war ein regelrechter Hardcore-Urlaub.

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