CELLAR DARLING - Anna Murphy

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Die Fans haben den mit Abstand unkommerziellsten Song gewählt, das finde ich natürlich super.

Originärer Sound trifft durchdachtes, komplexes und dennoch unwiderstehliches Songwriting. Was die kreativen Köpfe von CELLAR DARLING zu ihren bisherigen Erfahrungen als junges Dreiergespann, sowie zum Meisterwerk "The Spell" zu sagen haben, erzählt uns Anna in diesem etwas verspäteten Interview!

Veröffentlicht am 07.06.2019

Stormbringer: Hallo ihr Lieben und viele Glückwünsche zum neuen Album. Wie fühlt ihr Euch nach den Aufnahmen? Wie sind die ersten Reaktionen?

Anna: Vielen Dank und tut uns sehr leid für die späten Antworten! Wir fühlen uns ziemlich gut. Wir sind gerade von einer sehr erfolgreichen ersten "The Spell" Tournee heimgekehrt. Wir waren in Schottland, Wales, England, Irland und Holland unterwegs. Die Reaktionen waren so richtig gut, das neue Material fühlt sich wirklich gut an live.

Stormbringer: Bevor wir zu "The Spell" kommen: Mit "This Is The Sound" seid Ihr zum ersten Mal nach dem Ausstieg bei ELUVEITIE als Dreiergespann durch die Lande getourt. In wie fern hat sich die Dreisamkeit auf das Bandgefüge ausgewirkt?

Anna: Es fühlt sich definitiv nicht so an wie bei ELUVEITIE. Ich würde sagen weder besser noch schlechter, einfach anders. Ein Trio, welches sich Nahe steht und sehr verbunden ist, ist etwas sehr Schönes. Andererseits kann man nicht wirklich "flüchten" wenn Zeiten mal etwas dunkel werden, man muss Problemen eher ins Gesicht sehen und sie ansprechen, da sich keine kleineren Gruppen bilden können. Wir holen aber auch immer gerne andere kreative Köpfe mit ins Boot und müssen dies sogar. Live sind das Sessionmusiker und im Studio unser Produzent Tommy Vetterli und Pianist Fredy Schnyder mit denen wir schon seit Beginn zusammen arrangieren und schreiben.

Stormbringer: Wie war es für Euch, die ersten Live Gigs zu dritt zu spielen? Wie wurdet Ihr von den Fans aufgenommen?

Anna: Die ersten Gigs spielten wir zu viert, da wir einen Session Bassist benötigen... das würde sonst alles etwas dünn klingen :) Auf der letzten Tour waren wir sogar fünf Leute mit einem Keyboarder. Wir sind in den letzten zwei Jahren sehr gewachsen als Live Band. Ich denke die ersten Gigs waren noch sehr verhalten und unsicher, vor allem von meiner Seite her... ich bin nicht wirklich die geborene Frontfrau was meinen Charakter betrifft. Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt und bin eher introvertiert. An dem hat sich zwar nichts geändert, aber ich habe gelernt mich auf eine authentische Art und Weise auszudrücken auf der Bühne welche auch das Publikum sehr anspricht. Solche Aspekte sowie auch das Zusammenspiel der Musiker kann man nur üben in dem man viel live spielt, im Proberaum lernt man das nicht.

Stormbringer: Auf "The Spell" versucht Ihr Euch zum ersten Mal an einem Konzeptalbum. Würdet Ihr das Konzept für unsere Leser in wenigen Worten kurz zusammenfassen?

Anna: Das Konzept beruht auf einem sehr alten und bekannten Motiv, nämlich das vom "Mädchen und dem Tod". Ich wollte jedoch eine eigene, persönliche Geschichte daraus kreieren. Ein Mädchen, welches aus dem Schmerz der Erde geboren wird, verliebt sich in den Tod. Dieser belegt es mit einem Fluch des ewigen Lebens sodass es nie zu ihm in das Totenreich gelangen kann. Sie begibt sich somit auf eine lange, schmerzerfüllte Reise auf der Suche nach dem Tod, doch geplagt von der Unsterblichkeit.

Stormbringer: Was war zuerst? Das Konzept, oder die Songs?

Anna: Das Konzept. Wir haben die Musik anhand der Geschichte geschrieben und uns von dem lyrischen Konzept und der bereits vorhandenen Trackliste leiten lassen.

Stormbringer: Heutzutage ist es sehr selten, eine Band zu finden, die musikalisch neue, originäre Pfade betritt, da ja alles schonmal irgendwie dagewesen war. Für mich persönlich seid ihr eine dieser Bands. Euren Sound habe ich so vorher noch nie gehört, ihr klingt absolut einzigartig. Insbesondere auf Grund der Tatsache, dass ihr zwar Folk Instrumente benutzt, aber Stücke schreibt, die mit traditionellem Folk so gut wie gar nichts zu tun haben. Wie geht ihr prinzipiell ans Songwriting heran? Wer steuert die Ideen, wer macht bei Euch die Arrangements?

Anna: Danke vielmals, das ist ein großes Kompliment! Wir sind eine sehr authentische Band und schreiben viel zusammen. Ob an Songwriting Camps an denen wir uns bewusst zurückziehen für diesen Zweck, oder auch einfach so im Proberaum. Die Songs entstehen immer zuerst bei mir oder Ivo, wir nehmen dann aber die Songskizzen und arbeiten sie zusammen aus. Wenn ich einen Song schreibe muss ich alleine sein vorerst und viel Raum haben, um die Ideen im Kopf so aufzunehmen wie sie gemeint sind... aber ich möchte auch genug Spielraum lassen, damit die Anderen ihre Ideen einbringen können, denn nur so entsteht der Cellar Darling Sound. Wenn ich oder Ivo alleine schreiben würden, wären die Songs völlig anders und wir haben ja beide schon Solo Projekte also ist es wichtig, dass wir zusammen komponieren. Dieses Mal haben wir vieles auch erst im Studio geschrieben, zusammen mit unserem Produzenten Tommy Vetterli und auch Multiinstrumentalist Fredy Schnyder.

Stormbringer: Hat euch die Tour mit LACUNA COIL beim Songwriting beeinflusst? Die Refrains von "Death" oder "Pain" erwecken melodisch bei mir zumindest die eine oder andere Assoziation.

Anna: Nicht bewusst. Wir hören alle so viel Musik und vor allem so viel Verschiedenes, dass es unmöglich ist festzustellen, woran wir uns wirklich inspirieren lassen. Aber wir waren immerhin sehr lange mit ihnen unterwegs und haben uns auch oft ihre Konzerte angesehen da sie fantastische MusikerInnen sind. Kann schon was ausgelöst haben :)

Stormbringer: Wie frei seid ihr beim Songwriting? Mischt sich das Plattenlabel ein und verlangt nach Hits? Ich frage, da ich das Album und das Songwriting nach dem ersten Hör sehr mutig, aber auch zunächst als sehr sperrig empfand. Einen klaren Eisbrecher wie "Avalanche" sucht man vergeblich. Die Melodien und Hooks entfalten sich erst nach mehrmaligen Spins, dafür dann aber umso gewaltiger. Dennoch: So ein ungewöhnlicher MY DYING BRIDE-Doom-Break wie in "Death" muss erst einmal verdaut werden. Wie kam es dazu?

Anna: Unser Label mischt sich gar nicht in das Songwriting ein und verlangt auch nicht nach Hits (sonst hätten wir mit "The Spell" wohl ein Problem gehabt, haha!). Ich denke das ist mitunter der Grund weshalb wir Nuclear Blast so ein tolles Label finden. Wir haben unseren A & R und unsere Promo Zuständige nach Luzern eingeladen wo wir gerade in meinem Studio die erste Hälfte des Albums fertigstellten. Wir hatten gerade "Insomnia" fertig geschrieben und eine schon ziemlich anständig klingende Demo, welche wir ihnen dann gezeigt haben mit dem Vorschlag, dass es die erste Single wird. Sie waren beide begeistert und haben sofort verstanden um was es uns dabei geht... das ist nicht selbstverständlich, dass ein Label unterstützend reagiert bei einem siebenminütigen, ziemlich bizarren Song.

Als sperrig empfinden viele das Album, aber nicht auf eine negative Art. Wir haben es nicht bewusst so geschrieben, wir machen einfach wonach uns gerade ist und wonach wir uns fühlen. Ich könnte nie nach Plan oder nach einem bestimmten Rezept Musik schreiben, welche mir dann auch wirklich gefällt. Ich glaube desto sperriger unsere Musik ist, desto mehr gefällt sie mir persönlich. Das Konzept hat auch viel vorgegeben dieses Mal.

Stormbringer: Ein ebenso spektakulärer Song ist "Drown", bei dem man den Unterschied zwischen panischen Momenten und erhabenem Schwelgen praktisch spürt. War es die Absicht, diesen Kontrast so deutlich wie möglich herauszuarbeiten?

Anna: Ja auf jeden Fall! Dieser Song lebt von den Kontrasten. Er muss musikalisch das untermalen was im Text passiert. Und das ist einerseits ein wohliges Gefühl, in der Wiege des ruhigen Wassers, aber auch ein Irren, die Angst im Sturm und den reissenden Wellen. "Drown" war die grösste Herausforderung musikalisch. Es war der zweite Song vom Album welcher von mir geschrieben wurde. Ich hatte X Versionen und wir brachten keine Einzige davon zum funktionieren. Es kam dann soweit, dass wir fast aufgegeben haben und ich um den Song kämpfen musste. Schlussendlich hat dann Tommy einen guten Freund und Musiker, Dennis Russ, ins Studio geholt und wir haben die Nacht durchgearbeitet. Wir sind zu der allerersten Demo Version zurück, haben da angeknüpft und es dann tatsächlich geschafft, den Song fertigzustellen, so dass er allen gefallen hat.

Stormbringer: Ihr habt Eure Fans im Zuge der Promotion zum Album über Facebook nur anhand der Songtitel und Songlängen voten lassen, welcher Song als Single ausgekoppelt werden soll. Heraus kam "Drown". Wie zufrieden seid ihr mit dem Ergebnis? Wie war die Resonanz zur Aktion und zur finalen Single? Könntet Ihr Euch vorstellen, so etwas bei dem nächsten Album noch einmal zu wiederholen?

Anna: Ich finde das Ergebnis sehr cool! Die Fans haben den mit Abstand unkommerziellsten Song gewählt, das finde ich natürlich super. Und ich mag solche Aktionen auch, ich wollte das schon immer mal machen. Die sehr markante "ein Wort" Tracklist hat sich natürlich sehr gut angeboten für so etwas. Ich weiß nicht ob wir das wieder machen werden, mal schauen.

Stormbringer: Dass Euch das Konzept des Albums sehr am Herzen liegt, sieht man ja nicht zuletzt daran, dass Ihr eine Bonus Disc mit aufgelegt habt, auf der Anna die Story zum Album nacherzählt. Hat vor Euch auch noch keiner in dieser Form gemacht, oder? Wie kamt ihr auf den Gedanken?

Anna: Wir wollten etwas machen was dem Konzept noch mehr Bedeutung verleiht. Da ich die Geschichte sowieso richtig verfassen wollte, bot sich ein Hörbuch einfach an. Ich hätte zuerst einen Text geschrieben für das Booklet einer Special Edition, aber wir empfanden es dann als spezieller ihn nirgends abzudrucken und stattdessen aufzunehmen und mit Soundscapes und Themen vom Album zu untermalen. Irgendwelche Covers oder Instrumental Versionen hätten einfach nicht gepasst... wir wollen ja, dass der Hörer so lange wie möglich in der fiktiven Welt verweilt.

Stormbringer: Nach dem Release steht eine kleine UK-Tournee für Euch an, wenn ich das richtig sehe. Danach geht es dann als Support von KATATONIA auf Reise. Was dürfen wir von den Shows erwarten? Stimmt es, dass ihr euch mit Nicolas und Marc von APPEARANCE OF NOTHING verstärken werdet? Welche Jobs übernehmen die beiden, wie wird sich Euer Live Sound verändern?

Anna: Genau von dieser sind wir gerade zurückgekommen und haben es dadurch versifft dieses Interview rechtzeitig zu machen ;) Die Tour war einfach genial, wir haben uns so gefreut endlich das neue Material auf die Bühne zu bringen. Und den Leuten hat es auch wirklich gefallen. Nicolas ist schon länger unser Live Bassist und da wir mit APPEARANCE OF NOTHING auf Tour waren, bot es sich an, dass Marc für uns Keyboard spielt. Unser Live Sound wurde dadurch sehr bereichert weil sich alles von den Alben umsetzen ließ!

Stormbringer: Wie sehen die Pläne nach der Tour mit KATATONIA aus?

Anna: Wir planen weitere Tourneen, dieses Jahr wollen wir hauptsächlich unterwegs sein und live spielen.

Stormbringer: Final möchte ich mich ganz herzlich für Eure Zeit bedanken und wünsche Euch mit dem genialen Album ganz viel Erfolg. Die letzten Worte gehören natürlich Euch:

Anna: Wir danken von Herzen! An Stormbringer für die schon immer starke Unterstützung und die Leser für das Interesse und natürlich fürs Zuhören :)


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