BATTLE BEAST - Noora Louhimo

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Ich glaube, dass es keine Weiterentwicklung gibt, wenn man nur positive Kritik erhält. Das schmeichelt zwar, aber verhindert mitunter die Reflexion darüber, was man beim nächsten Mal besser machen kann.

BATTLE BEAST, das finnische Aushängeschild in Sachen Melodic-Power-Metal, sind zur Zeit ihm Rahmen ihrer Europa-Tour auch unterwegs in deutschen Landen. Wir treffen Frontlady Noora Louhimo vor der Show in Bochum zu einem sehr persönlichen Interview.

Veröffentlicht am 22.04.2019

BATTLE BEAST, das finnische Aushängeschild in Sachen Melodic-Power-Metal, sind zur Zeit ihm Rahmen ihrer Europa-Tour auch unterwegs in deutschen Landen. Während BEAST IN BLACK, die „Konkurrenz“ um den ehemaligen Gitarristen und Songwriter Anton Kabanen erst Ende Februar  dieselbe Location bespielt hatte, bekommen Noora und ihre Gefolgsleute knapp sechs Wochen später an gleicher Stelle die Gelegenheit, in der Zeche Bochum sowohl ihr brandneues Album „No More Hollywood Endings“ vorzustellen, als auch sich dem Urteil des Publikums zu stellen, wer denn nun „Chef im Ring“ der BEASTer ist.

Nach etwas holpriger Anreise, die an diesem Mittwoch durch eine Baustelle und dem damit verbundenen Verkehrschaos im Bereich der Zeche etwas verzögert wurde, treffe ich zwar verspätet, aber dennoch glücklicherweise rechtzeitig am Ort des Geschehens ein. Tourmanager Mika empfängt mich am Nightliner mit einem strahlenden Lächeln und bittet mich, ihm zu folgen. Im Bereich der Theke stellt er mich Noora vor, die schon auf ihren Interviewpartner gewartet hat. Noora ist ungeschminkt, trägt eine Jeansjacke mit Pelzkragen (nein, kein Echtfell) über einer schwarzen Leggins. Nachdem ich mich kurz vorgestellt und mich für die Verspätung entschuldigt habe, kann es losgehen.


Hallo Noora, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Gespräch nimmst. Lass uns direkt auf euer neues Album zu sprechen kommen. „No More Hollywood Endings“ klingt um einiges anders als die Vorgänger. Wenn Du erklären müsstest, worin der Unterschied zu den bisherigen Veröffentlichungen liegt, was würdest Du antworten?


Unser Ziel war es, dass das neue Album anders klingt als die Vorgänger, theatralischer, größer. Ich denke, dieses Ziel haben wir erreicht. Zudem wollten wir etwas Neues machen. Das Markenzeichen von BATTLE BEAST war es stets, verschiedene Stilrichtungen miteinander zu mixen, um daraus „BATTLE BEAST Heavy Metal“ zu machen. Das Album klingt irgendwie frischer.


Ihr habt Streicher, Violinen und ein echtes Orchester in den Songs eingearbeitet und dem Ganzen einen „Symphonic-Touch“ gegeben...


Ja. Wir wollten, dass das Album epischer klingt. Wir hatten von Anfang an fünf Songs für das Album vorgesehen, die einfach echte Streicher erforderten. Janne, unser Keyboarder und gleichzeitig der Produzent des Albums, hatte die Idee, echte Streicher  zu engagieren und ich glaube, diese Entscheidung war goldrichtig, denn jetzt haben die Songs das, was sie brauchten. Darüber sind wir sehr froh: mehr Orchester und echte Streicher.


Es gibt durchaus sehr unterschiedliche Reviews des Albums, die Meinung der Rezensenten ist zwiegespalten. Bist du zufrieden mit den Reaktionen auf das Album?


Ja, ich bin sehr zufrieden. Wenn man eine Menge positiver und eine Menge negativer Reviews bekommt, zeigt das, dass  das, was du machst, Bedeutung hat. Wenn wir nur Reaktionen nach dem Motto: „wen interessiert es“ bekommen würden, wäre das das Schlimmste, das passieren könnte. Ich bin sehr zufrieden damit, dass wir sehr starke Reaktionen von verschiedenen Seiten erhalten. Das bedeutet für mich und für unsere Band, dass wir uns in unserer Karriere weiter entwickeln können, dass wir unser Publikum haben. Selbstverständlich machen wir die Musik für die Leute, die unsere Musik mögen...(lacht). Aber es ist immer gut, verschiedene Feedbacks zu bekommen. Ich glaube, dass es keine Weiterentwicklung gibt, wenn man nur positive Kritik erhält. Das schmeichelt zwar, aber verhindert mitunter die Reflexion darüber, was man beim nächsten Mal besser machen kann.


Interessiert dich die Meinung von Journalisten und das, was sie schreiben?


Um ehrlich zu sein: Mich persönlich interessiert das nicht. Mir sind die Leute wichtig, die zu unseren Shows kommen, die unsere Musik mögen, die unsere Live-Performance lieben. Das ist unser Job: Um die Welt zu reisen und unsere „Happy-Heavy-Metal-Music“ zu verbreiten. Man muss immer im Blick behalten, dass Journalisten einen unterschiedlichen Musikgeschmack haben und dass es sich bei einem Review immer um die Meinung eines Einzelnen handelt. Natürlich ist es interessant, verschiedene Meinungen und unterschiedliches Feedback zu bekommen, aber für mich persönlich ist das nicht so entscheidend. Wie gesagt: Wenn Leute zu unserer Show kommen und unsere Musik feiern – das ist das Allerwichtigste. Daran können wir erkennen, dass wir etwas machen, was für andere Menschen von Bedeutung ist.


Liest du Reviews zu „No More Hollywood Endings“?


Sehr selten. Janne, unser Keyboarder hat mir erzählt, dass er es liebt, alle Reviews zu lesen, die ganzen Kommentare, alles, was die Leute so schreiben. Der Grund dafür, dass ich das nicht so mache ist, dass ich sehr sensibel in solchen Dingen bin. Ich möchte mein Selbstwertgefühl und mein Selbstvertrauen nicht auf solche Kommentare stützen müssen – ich will das, was ich mache, so gut wie möglich tun.


Noora, meiner Meinung nach ist deine Stimme eine der besten weiblichen Stimmen im Metal-Zirkus. Wann hast du dein Talent für den Gesang entdeckt?


Oh – vielen Dank! Im Laufe der Jahre. Ich habe angefangen zu singen, als ich noch ein kleines Kind war. Anfangs zwar nicht Heavy-Metal, aber ich habe mit drei oder vier Jahren angefangen. Seit dieser Zeit habe ich meine Stimme entwickelt, verschiedene Musikstile ausprobiert. Es war eine bahnbrechende Erfahrung für mich, den Soul und den Blues zu entdecken, denn dort brauchst du eine sehr große Range. Als Teenager habe ich dann angefangen, Heavy-Metal-Musik zu hören, aber zu dieser Zeit habe ich mich nicht einmal getraut zu denken, dass ich einmal eine Heavy-Metal-Sängerin sein könnte. Damals hatte ich diesen Sound, diese Reibeisenstimme noch nicht.


Mit Anfang Zwanzig habe ich dann angefangen, JANIS JOPLIN zu singen und dieses Reibeisen in meiner Stimme entdeckt. Ich habe Rock-Musik, Hard-Rock-Musik gesungen. Ein paar Jahre später bin ich dann gefragt worden, ob ich bei BATTLE BEAST einsteigen wollte. Bis dahin habe ich überhaupt nicht Metal gesungen, nur die anderen Genres. Ich war total elektrisiert. Seit ich ein Teenager war, habe ich BRUCE DICKINSON, RONNIE JAMES DIO, ROB HALFORD und all diese großartigen Sänger gehört. Ich habe deren Stil quasi aufgesogen. Ab da konnte ich mich selbst beweisen und meinen Stil als Metal-Sängerin entwickeln. Es war eine verrückte Zeit (lacht), aber richtig toll. Die beste Sache, die mir je passiert ist.


Bereust du es, nicht schon in den 80ern im Geschäft gewesen zu sein, da Bands wie BATTLE BEAST in dieser Zeit  wahrscheinlich unglaublich großen, finanziellen Erfolg gehabt hätten?


Nein. Ich will nicht an die Vergangenheit denken. Ich will in die Zukunft sehen. In den 80ern gab es allerdings so viel tolle Musik. Wir können aus dieser Zeit jede Menge Inspiration beziehen und etwas aus dieser Zeit ins Hier und Jetzt hinüberretten. Nein – ich bereue nichts...(lacht).


Du hast es ja gerade schon angesprochen. Es gibt in eurer Musik jede Menge Einflüsse, die zurück in die 80er reichen und charakteristisch für die Musik von BATTLE BEAST sind. Wie wird sich das in Zukunft weiterentwickeln?


Das kann ich nicht genau sagen. Es war bei uns schon immer ein Prozess. Da sind verschiedene Einflüsse aus deiner Umgebung, die Musik, die du hörst...alles, was ich sagen kann ist, dass wir immer versuchen, uns als Musiker und als Band weiter zu entwickeln. Wir versuchen immer, unser Bestes zu geben. Wir wollen auch unsere Live-Shows immer weiter entwickeln. Man weiß nie, was passiert...(lacht).


Hast du einen Lieblingstitel auf dem neuen Album?


Da gibt es mehrere. Aber insbesondere einer meiner Lieblingstitel spaltet gerade die Leute in zwei Fraktionen: „Endless Summer“. Das ist einer der Songs, die viel Seele besitzen, irgendwie schnulzig (lacht), ein Liebeslied...einige Leute sagen: Das ist „too much“, zu „soft“... Aber die Leute brauchen Liebe, sie brauchen auch diese sanfte Seite. Einige sagen, dass ich schreien soll und stark ´rüberkommen soll. Ich persönlich glaube allerdings nicht, das BATTLE BEAST so eine Band ist. Wir sind facettenreich. Wir wollen Geschichten erzählen. Wir waren noch nie eine Band, die nur in einer Richtung unterwegs war. Wir bewegen uns in verschiedenen Stilrichtungen und zeigen verschiedene Gesichter.


Das neue Album „No More Hollywood Endings“ ist meiner Meinung nach persönlicher geworden als die Vorgänger. Liege ich mit dieser Einschätzung richtig?


Ja, eigentlich haben alle Songs des Albums persönliche Hintergründe. Da gibt es Geschichten aus unserem persönlichen Leben, Geschichten aus dem Leben anderer Menschen, aber auch frei erfundene Stories. Es gibt auch einen geschichtlich inspirierten Song, nämlich „The Golden Horde“ und einen Fantasy-Song über World Of Warcraft (lacht),  „Raise Your Fist“. Wir probieren auf dem Album verschieden Dinge aus. Wie man hoffentlich hören kann, wollen wir mit der Musik Spaß haben und Spaß machen. Es gibt so viele positiven Reaktionen, die uns erreicht haben... So viele verschiedene Leute, die unsere Musik mögen und unterschiedliche Lieblingssongs haben.


Habt ihr das neue Album als Band zusammen geschrieben?


Wir hatten drei Songschreiber: Joona Björkroth, unser Gitarrist, Janne Björkroth, unserer Keyboarder und Produzent, sowie Eero Sipilä, unser Bassist haben die Titel für das neue Album geschrieben.


Nun zu etwas ganz anderen Thema. Ein Freund von mir, der auch Konzertfotografie betreibt, hat mich vorgewarnt, dass du dich auf der Bühne unglaublich schnell bewegst und dass es schwierig ist, dich vor die Linse zu bekommen. Ist das so?


Ja, ich habe so einen Aerobic-Style (lacht herzhaft). Das war ganz am Anfang noch schlimmer. Als ich in die Band kam, hatte ich das Bestreben, auf diese Weise zu performen, irgendwie größer, irgendwie das „BEAST“ heraus zu lassen. Ich habe immer Lampenfieber und freue mich, wenn ich auf die Bühne gehe und das will ich den Leuten auch zeigen. Einige freuen sich immer auf die After-Show-Party, aber ich habe immer die beste Party auf der Bühne. Mit dem Publikum und mit meinen Jungs. Deshalb gebe ich immer alles auf der Bühne.


Zu Anton Kabanen, eurem ehemaligen Gitarristen, möchte ich eigentlich keine Fragen stellen. Mich interessiert nur, ob ihr verfolgt, was BEAST IN BLACK so machen und ob es da etwas mehr als die natürliche Konkurrenz gibt?


Nein, das Thema ist abgehakt. Jede Metal-Band steht zu den anderen Bands auf dem Markt in Konkurrenz. Wir alle versuchen, es irgendwie zu schaffen, irgendwie so groß wie möglich zu werden, damit wir unsere Brötchen verdienen können. So ist das Spiel. Wenn du nicht diese Leidenschaft hast, erfolgreich zu werden, wirst du es auch nicht.


Ihr seid jetzt auf großer Tournee, später im Jahr auch in den USA...?


Ja, in den Staaten eröffnen wir für KAMELOT und SONATA ARCTICA. Hier in Europa spielen wir die Album-Release-Tour und Festivals wie z.B. Wacken und eine Menge Festivals in Finnland in diesem Sommer.


Was können wie heute Abend von eurer Show erwarten? Wirst du wieder das „BEAST“ ´rauslassen?


Wir werden das „BEAST“ wieder ´rauslassen (lacht)! Wir haben einige, neue Elemente und ein paar witzige Sachen für unser Publikum. Und selbstverständlich können die Leute jede Menge Spaß erwarten!


Noora, vielen Dank für dieses Gespräch!


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