PAPA ROACH - Tony Palermo

Artikel-Bild

Klar, ist doch total lustig, wenn du den PAPA ROACH-Kühlschrank zu Hause hast.

Madonna und Britney Spears haben sie den Produzenten ausgespannt, anschließend wollten sie ihr Studio verkaufen und für ein Video haben sie noch eben einen Typen in ein Häschenkostüm gesteckt. Was das alles soll? Tony Palermo von PAPA ROACH erklärt es uns.

Text: Lora
Veröffentlicht am 02.10.2017

Hallo Tony! Freut mich, dich zu treffen. Wie geht’s dir, wie läuft die Tour so?

Mega, bis jetzt ist es total spannend! Wir haben neue Songs dabei, das ist für uns immer ganz aufregend. Die alten Sachen zu spielen, ist schon ganz normal, aber mit neuen Sachen ist das ganz anders. Und wenn auch die Sets länger sind, können wir mehr neue Songs spielen. Die Fans finden es auch super, die gehen immer richtig ab!

Aber ich glaube, so ganz problemlos fing die Tour gar nicht an. Ihr musstet direkt ein paar Shows in Amerika absagen, oder?

Ja, Jacoby (der Sänger, Anm. d. Red.) hatte leider eine Stimmband-OP. Aber das war sehr früh, also der Arzt hat ihn sehr früh operiert, somit war die Genesungszeit nicht so lang. Er hatte das ja schon mal, 2013, und diesmal hat er nur zwei Wochen gebraucht um wieder fit zu werden. Also mussten wir zum Glück nur drei Shows in den USA absagen und haben dann einfach die Termine in Skandinavien vom Anfang zum Ende der Tour geschoben, dann hat das gut funktioniert. Seine Stimme ist wieder ok.

Ich stelle mir das schon schwierig vor, da ist das Album draußen, ihr wollt damit auf die Bühne und müsst nochmal Pause machen.

Ja, das ist natürlich bitter. Aber Probleme mit der Stimme kann man nicht ignorieren. Das ist etwas, da muss man dann sofort handeln und halt auch sofort die OP machen lassen.

Wir sehen uns jetzt nicht zum ersten Mal und ich verfolge euch schon eine echt lange Zeit. Ich hab bei euch immer so das Gefühl, dass ihr unglaublich bodenständig seid, während andere Musiker völlig abheben. Wie viel Wert legt ihr darauf?

Klar ist das wichtig, das spiegelt sich auch in unseren Texten wieder. Unsere Texte werden immer über Lebenserfahrung und Dinge, die einem im Leben passieren, geschrieben. Und ich bin auch der Meinung, dass das stark mit der langen Geschichte der Band zusammenhängt. Unsere Text sind für die Fans nahbar und zugänglich und somit auch oft ein Weg, um Hilfe durch die Musik zu finden. Umgekehrt ist es aber auch wie eine Therapie für Jacoby diese Texte zu schreiben, das ist richtig gesund, sich das so von der Seele zu schreiben.

Wenn ihr eine Tour ankündigt oder ein neues Album rausbringt macht ihr immer irgendwelche Aktionen für eure Fans. Jetzt zum neuen Album habt ihr eine Crowdfunding-Aktion gemacht und man konnte online einiges von euch abstauben. Unter anderem sogar euer komplettes Studio – aber ohne den Kühlschrank, denn den habt ihr separat verkauft. Wie kommt man auf sowas?

Wir wollten einfach den Fans mal ganz neue Dinge zugänglich machen. Wir haben den Kühlschrank tatsächlich verkauft, das war echt lustig als da jemand unseren Kühlschrank gekauft hat. Wir wollten einfach mal einen anderen Weg finden, die Fans einzubinden und haben dafür halt mal ein anderes Level gesucht.

Mit einem Kühlschrank?

Klar, ist doch total lustig, wenn du den PAPA ROACH-Kühlschrank zu Hause hast. Wir waren halt auch echt lange im Studio, haben lange an dem Album geschrieben – das muss man auch irgendwie überbrücken. Und da macht man sich dann schon mal Gedanken, was man den Leuten anbieten kann, was sie ansonsten nicht bekommen.

Ging dann auch das Studio weg, hat das jemand gekauft?

Nee, das nicht, das hat dann keiner gekauft. Das war auch eher nur ein Witz, einfach mal das Studio mit dazupacken und schauen, ob es wirklich jemand kaufen würde. Aber wir haben das dann einfach jemand anderem angedreht und verpachtet. Also da arbeitet jetzt jemand anderes drinnen.

Lass uns über euer neuer Album „Crooked Teeth“ reden. Als ich es zum ersten Mal gehört hab war ich überrascht, dass es euch wieder gelungen ist, euren altbekannten Stil mit was ganz Neuem zu vermischen. Wie entstand das Album denn so?

Also, wir sind ja schon dafür bekannt, unseren Sound immer weiterzuentwickeln und viele neue Einflüsse einzubringen. Also wir wollen nicht immer am gleichen Sound oder Genre hängenbleiben. Wir mögen auch das ganze elektronische Zeug und wir sind halt auch einfach mal Hip-Hop-Fans. Daher kommen auch einige Beats, besonders die flippigeren. Aber ja, da legen wir schon Wert drauf, nicht immer auf dem gleichen Punkt stehen zu bleiben. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass wir uns, wenn wir da zu weit drüber hinausgehen, damit keinen Gefallen tun, weil es vielleicht mit den Fans nicht klappt. Wir stehen drauf, mal was Neues zu machen. Der Song „Periscope“ ist ziemlich poppig und so, aber das ist auch von der Seele weg geschrieben und verbindet uns trotzdem mit den Fans. Wir hatten zuerst bedenken, ob das live funktionieren würde, aber die Fans stehen drauf.

 

 

Aber wenn ihr selbst bedenken habt, ob die Songs funktionieren, wie schafft ihr es, die Platte mit neuen Einflüssen zu füllen, ohne dabei den alten Stil zu verlieren?

Vieles, was wir schreiben, passiert halt einfach irgendwie. Da wird so viel geschrieben, das erst dann Form annimmt, wenn wir gemeinsam im Studio stehen und es zusammensetzen. Da hast du dann rockigere Songs und poppigere, und dann überlegst du halt, was du noch machen könntest und was noch fehlt. Also ob noch mehr Pop oder mehr Rock fehlt, siehst du dann erst, das fügt man dann wie ein Puzzle zusammen. Bei den letzten Songs wird das dann etwas schwieriger, wenn man auf den Stil eingehen muss.

Kaum ist das Album draußen, gibt’s ja direkt Feedback. Sei es in sozialen Netzwerken, in der Presse, persönlich etc. Besonders wenn man was Neues probiert, sind die Rückmeldungen teilweise echt hart. Wie waren die Reaktionen diesmal?

Das meiste, was ich so gesehen habe, war eigentlich ziemlich positiv. Klar, da gibt’s immer ein paar Leute, die sehen das anders. Standardproblem: du veröffentlichst das Album, die hören ein paar Songs und kommentieren direkt. Und du denkst dir nur so: „Sag mal, hast du das eigentlich ganz gehört?!“ Und die sagen dann ganz offen, dass sie das Album nicht gehört haben. Ich find’s makaber, wenn die dann was dazu sagen, da denkst du dir schon: „Dann erzähl nicht so einen Scheiß zu einem einzigen Song, wenn du gar nicht alles kennst. Wir schreiben ein Album, aber nicht jeder Song drauf klingt gleich. Also wenn du einen Song nicht magst, dann geh weiter zum nächsten. Genau das ist etwas, was wir in der Band sehr leidenschaftlich machen – wir bleiben nicht mit jedem Song beim gleichen Sound.

Retro wird ja wieder richtig cool, alte Dinge feiern ihr Comeback. Auch eure alten Songs, die zum Teil vor zehn oder fünfzehn Jahren geschrieben wurden, sind immer noch unglaublich beliebt. Wie erstellt ihr eine Setlist mit rund 20 Songs, bei der weder die alten noch die neuen Songs zu kurz kommen?

Wir versuchen das beste rauszuholen. Diesmal haben wir ein längeres Set – wir spielen über eineinhalb Stunden, das ist auch für uns richtig lange und man hat mehr Zeit für die Songs. Normal spielen wir nur eine Stunde und zehn oder fünfzehn Minuten. Also spielen wir viele neue Songs und die alten Klassiker. Das gibt uns die Möglichkeit, die Fans auf diese Reise mitzunehmen und gleichzeitig die neuen Sachen zu zeigen. Dabei geht’s nicht nur um die Texte. Also wir werfen da keinen Song raus, weil wir uns denken: „Den Text kannst du nicht nach dem Song davor singen.“ Uns geht’s da um den Vibe im Set. Daran orientieren wir uns, wo und wie wir die Songs platzieren. Mit einem Headliner-Set hat man da deutlich bessere Möglichkeiten, die Fans mitzunehmen. Und es fühlt sich so gut an, da oben zu stehen und die alten und neuen Sachen zu spielen.

Für „Born for Greatness“ habt ihr euch Jason Evigan, den Producer von Madonna und Britney Spears, geschnappt. Wie kam’s dazu, wollt ihr euch als „Queen of Pop“ versuchen?

Das ist ein echt guter Freund von uns! Wir haben seine alte Band ein paar Mal mitgenommen, AFTER MIDNIGHT PROJECT, und waren mit ihnen auf Tour. Aber nachdem sich die Band dann mehr oder weniger aufgelöst hat, hat er angefangen, richtig viel als Producer im Studio zu arbeiten und hat sich da was aufgebaut – mit Madonna und so. Auf der Platte wollten wir einfach mal mit verschiedenen Leuten arbeiten. Und weil Jason ein alter Freund von uns ist und mal neue Erfahrungen für sich sammeln wollte, haben wir uns gedacht, wir könnten mal schauen was passiert. Da entstand dann „Born for Greatness“. Das ist live einer meiner Lieblingssongs.

Ein weiterer von den großen Songs des Albums ist Help. Das Video dazu ist irgendwie lustig und ironisch, aber der Text eher tiefgründig, also das genaue Gegenteil. Was hat’s damit auf sich?

Ja, das ist einerseits total düster, auch schon als wir das gedreht haben. Sogar der Typ, den wir in das Hasenkostüm gesteckt haben, musste dieses Depressive spielen, obwohl dieses Hasenkostüm eigentlich fröhlich und lustig war. Das hängt mit dem Text zusammen, dieses gewisse Dunkle. Der Song an sich ist in Dur geschrieben, also eigentlich fröhlicher. Aber Jacoby wollte dazu nichts Fröhliches schreiben. Zu dem Zeitpunkt hatte er so dieses „fucked up“-Gefühl und wollte einfach mal was Düsteres zu etwas Fröhlichem singen.

 

 

Ihr habt dann aber noch eine weitere kleine Verwirrung eingebaut. Der Titel des Albums, „Crooked Teeth“, hat eine andere Bedeutung als der Song „Crooked Teeth“, stimmt's?

Ja, also der Song handelt von Kriegsveteranen, die zurückkommen. Die Leute protestieren ja immer gegen den Krieg, aber die Soldaten gehen da hin, weil sie müssen. Das Album an sich bezieht sich eher darauf, dass jeder seine Macken hat und niemand perfekt ist. Das ist so der Unterschied. Irgendwie ist das schon verwirrend, gleicher Name, verschiedene Bedeutung.

Als ich vom neuen Album gehört hab, habe ich mir Gedanken gemacht, in welche Richtung ihr damit gehen wollt. Und um ehrlich zu sein, ich habe vermutet, dass es etwas politischer sein würde, Anlass gäbe es ja genug. Ist aber wieder nicht so, oder?

Wir wollen nicht sehr politisch sein, wir haben da alle eher Persönliches im Fokus. Wir behandeln lieber Lebenserfahrungen, das Auf und Ab im Leben. Klar, da ist auch etwas Politisches im Album dabei, aber nicht die volle Front. Das wollen wir den Fans auch nicht antun. Am Ende spalten wir noch die Leute nach dem Motto: „Die vertreten nicht meine Meinung, auf die hab’ ich jetzt keinen Bock mehr, die verstehen mich nicht.“ Das ist immer eine heikle Situation.

Zurück zu euren Anfängen: 1997, also vor 20 Jahren, wurde euer erstes Album „Old Friends from Young Years“ veröffentlicht. Wo siehst du dich und die Band in 20 Jahren?

Oha, na hoffentlich machen wir immer noch das Gleiche: Erschaffen, Entfalten, vor Leuten spielen, das Leben genießen. Denn wenn es halt mal langweilig und nervig wird, dann ist es besser aufzuhören. Aber wir haben echt eine gute Zeit, treffen immer mehr Leute, das ist super!


WERBUNG: Hard
WERBUNG: Escape Metalcorner